Ungewöhnlicher Plot: In die Hakenkreuz-WG von Kai (Vincent Krüger, l.) und Thomas Braun (Edin Hasanovic) platzt die sechsjährige Lara (Nomie Laine Tucker), Ergebnis eines One-Night-Stands von Thomas. Sie wirbelt die Neonazis gehörig durcheinander. - © POLYPHON / ZDF
Ungewöhnlicher Plot: In die Hakenkreuz-WG von Kai (Vincent Krüger, l.) und Thomas Braun (Edin Hasanovic) platzt die sechsjährige Lara (Nomie Laine Tucker), Ergebnis eines One-Night-Stands von Thomas. Sie wirbelt die Neonazis gehörig durcheinander. | © POLYPHON / ZDF

Bielefeld "Familie Braun" - Freude über einen echten Emmy in Sennestadt

Drehbuchautor Manuel Meimberg stammt aus Bielefeld und bekommt den bedeutenden amerikanischen Fernsehpreis für seine Kurzformat-Serie „Familie Braun“

Judith Gladow

Bielefeld-Sennestadt/New York. Als am Montag in New York die „International Emmy Awards" verliehen wurden, freute sich Christel Meimberg aus Sennestadt besonders. Für sie war es bereits mitten in der Nacht als feststand: Ihr Sohn darf einen der begehrten Preise mit nach Hause nehmen. Der aus Sennestadt stammende Manuel Meimberg (43) ist der Drehbuchautor der ZDF-Serie „Familie Braun", die in der Kategorie „Short-Form-Series" den Preis gewann. Auf dem internationalen Serienparkett gilt ein „International Emmy Award" als eine der höchsten Auszeichnungen. „Wenn dann der Name fällt, das ist schon ein Gänsehautmoment", sagt Manuel Meimberg im Gespräch mit der NW. „Es war sehr surreal, fast wie ein Traum. Das war der krasseste Abend meines Lebens." Die vom ZDF produzierte Serie konnte sich gegen Mitbewerber aus Argentinien („Ahi Afuera"), Kanada („The Amazing Gayl Pile") und Brasilien („Crime Time") durchsetzen. Aus der Bierlaune zum begehrten Preis Die Idee für „Familie Braun" entstand laut Manuel Meimberg im Gespräch mit einem befreundeten Produzenten, nachts in der Kneipe. „Das war fast wie eine Wette", erzählt Meimberg. „Wir wollten uns etwas so Absurdes überlegen, dass das niemand kaufen möchte."Noch in der gleichen Nacht begann er zu schreiben, so begeistert war er letztlich von der ersonnenen Geschichte, die schließlich auch das ZDF überzeugte und so ihren Weg auf die Bildschirme und nun zu den International Emmys nach New York fand: Die beiden Neonazis Thomas (Edin Hasanovic) und Kai (Vincent Krüger) führen in ihrer Wohnung ein mit Führerporträts und Hakenkreuzen dekoriertes Leben. Sie staunen nicht schlecht, als auf einmal Lara (Nomie Laine Tucker) vor der Tür steht, ein kleines, farbiges Mädchen, Thomas’ Tochter. Ihre Mutter (Karmela Shako) soll nach Eritrea abgeschoben werden. Die Kleine bringt den Alltag der beiden völlig durcheinander, stellt Symbole infrage, teilt mit dem traurig guckenden Mann an der Wand gar ein Sandwich. „Der Führer schaut nicht traurig, sondern nachdenklich", versuchen die beiden Nazis ihr klar zu machen. Sträuben sie sich am Anfang noch, wird zumindest ihr Vater doch schnell vom Charme der Kleinen ergriffen. Familie Meimberg zu Dritt im Metier Das Konzept der Webserie, die mit einer Episodenlänge von vier bis sechs Minuten auf insgesamt 42 Minuten Spielzeit kommt, ist speziell für das Internet und soziale Medien konzipiert. Die Expertise dafür brachte übrigens Meimbergs Frau Maria mit an Bord, die außerdem auch für den Soundtrack verantwortlich war. Die Beiden leben und arbeiten zusammen in Berlin. Dass „Familie Braun" irgendwann international so hoch gefeiert wird, das hätte Meimberg bei der nächtlichen Ideenfindung in der Kneipe nicht gedacht.Zum Drehbuchschreiben kam der 43-Jährige, der in Sennestadt aufwuchs und am Hans-Ehrenberg-Gymnasium 1995 Abitur machte, über Umwege. „Ursprünglich wollte ich Fotograf werden", erzählt er. Er machte ein Praktikum, doch genau zu diesem Zeitpunkt wandelte sich die Fotografie vom Analogen zum Digitalen und verlor dadurch vieles von ihrem handwerklichen Prozess. Manuel Meimberg ging nach Köln, wollte sich umorientieren und bekam eine Stelle als Produktionsassistent beim Fernsehen. Konzept für Serie über Sennestadt Eines Tages besichtigte er das Set der RTL-Soap „Unter Uns". „Die Jüngsten und Lautesten waren da die Autoren", sagt er. Mit den Sympathien des Produzenten auf seiner Seite schloss er sich diesen jungen Lauten selbst an. „Unter Uns" war sein Einstieg in seine Autoren-Karriere. Seitdem hat er Geschichten für viele Serien erdacht, war Chefautor bei „Alles was zählt" (RTL) und schreibt regelmäßig im Team mit seiner Schwester Julia Meimberg, ebenfalls Drehbuchautorin, für „SOKO Leipzig" (ZDF). 2008 erdachte er die „Pietshow", die damals noch das für Deutschland recht neues Konzept der Webserie bediente.Obwohl er schon lange nicht mehr dort wohnt, ist Sennestadt für den 43-Jährigen eine wichtige Inspirationsquelle. „Ich habe sogar derzeit ein Konzept in der Schublade liegen mit dem Titel ,Bielefeld-Sennestadt’. Ich wollte nämlich immer schon eine Serie über Sennestadt machen." Mutter Christel wird’s freuen.

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