Der Projektchor unter Leitung von Annadora Reimer nach dem Konzert in der Johanneskirche. - © David Boos
Der Projektchor unter Leitung von Annadora Reimer nach dem Konzert in der Johanneskirche. | © David Boos

Sennestadt Projektchor setzt "Mizza in Jazz" in Szene

Peter Schindlers reizvolles Werk wird unter Leitung von Annadora Reimer nach sechs Monaten Probe zweimal aufgeführt

David Boos

Sennestadt. Eine der großen Herausforderungen sowohl für die Kirche als auch Komponisten „klassischer“ Musik im 21. Jahrhundert ist der Brückenschlag zwischen Tradition und Moderne. In diesem Spannungsfeld entstehen oft reizvolle Werke, wie Peter Schindlers „Missa in Jazz“. Eben diese Vertonung des lateinischen Messtextes war jetzt in der voll besetzten Johanneskirche in Sennestadt zu hören. Geleitet wurde diese Aufführung von Annadora Reimer, einer erfahrenen Chorleiterin, die in vielen Stilrichtungen beheimatet ist, und damit prädestiniert war, dieses Werk mit dem eigens zusammengestellten „Projektchor“ zu erarbeiten. Während die Texte original dem lateinischen Ordinarium entnommen sind, bedient sich die Tonsprache deutlich moderner Elemente. Einflüsse von Jazz und Swing, aber auch der Weltmusik und der Klassik entlehnte Teile wechselten einander ab. Verstärkt wurde der Projektchor dabei passenderweise auch von einer Combo, bestehend aus Saxofon (Tobias Hägele), Schlagzeug (Jan Jesutas) und Orgel (Hans-Hermann Rösch). Dem Chor war die große Freude beim Singen dieses Werkes zu jeder Zeit anzusehen, was sich in einer sehr effektvollen Aufführung niederschlug, die sowohl gut intoniert war, als auch rhythmisch die nötige Schärfe besaß. Dafür ist das für Sänger dankbare Werk einerseits verantwortlich, andererseits jedoch die beseelende Leitung Annedora Reimers. Die Instrumentalisten lieferten im Allgemeinen überzeugende Leistungen, nur die Balance mit dem Chor war nicht immer ganz ideal, vor allem bei der Orgel, bei der sich auch ansonsten ein paar Ungenauigkeiten einschlichen. Den überaus positiven Gesamteindruck trübte das jedenfalls nicht. Bemerkenswert ist, dass der Projektchor zum Teil aus unerfahrenen Sängern bestand, für die dieses Projekt ihre erste Sangerfahrung bedeutete. Umso beeindruckender ist die Leistung aller einzuschätzen, die dieses Werk in knapp sechs Monaten einstudiert hatten und es zweimal aufführten: in der Johanneskirche und Tage zuvor in der Bielefelder Pauluskirche. Vor allem der Klang des Chores war – auch angesichts einer schwierigen Akustik – sehr positiv zu beurteilen. Das kam auch in den Worten von Svetlana Morkel, die zudem als Solistin zu hören war, zum Ausdruck: „Hut ab vor dieser Leistung, da steckt viel Arbeit dahinter.“ Entsprechend waren auch die meisten Chormitglieder erschöpft nach dieser Anstrengung, doch die Zufriedenheit über das Erreichte stand allen ins Gesicht geschrieben. Sehr erfreulich, dass solch ein umfangreiches Werk, für das in der Liturgie in den wenigsten Fällen Platz wäre, an einem strahlenden Samstagnachmittag so viele Besucher locken konnte. Das Publikum zeigte sich begeistert.

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