Die Tiere können den Start kaum abwarten. Sie sind sportversessen, ebenso wie die Herrchen. Am Wochenende war das Wetter für einen solchen Wettbewerb jedoch grenzwertig warm. - © FOTO: SIBYLLE KEMNA
Die Tiere können den Start kaum abwarten. Sie sind sportversessen, ebenso wie die Herrchen. Am Wochenende war das Wetter für einen solchen Wettbewerb jedoch grenzwertig warm. | © FOTO: SIBYLLE KEMNA

Senne Heiß auf Wettrennen

In Senne gaben Schlittenhunde und Menschen alles, um flott ins Ziel zu kommen

VON SYBILLE KEMNA

Senne. Gerade noch an der Grenze waren die Temperaturen beim fünften Senner Schlittenhunderennen. Einige Teilnehmer verzichteten zwar auf das Rennen, obwohl die Strecke wegen der Wärme verkürzt worden war. Doch 30 Musher nahmen mit ihren von vier und mehr Hunden gezogenen Wagen teil und boten echte Rennatmosphäre. Dazu kamen 18 Läufer, 24 Rollerfahrer und 34 Radler.

Nachdem es im vergangenen Jahr für die kälteliebenden Huskys viel zu warm in der Senne gewesen war, ging der Blick der Veranstalter und Hundeführer (Musher) am Samstag immer wieder auf das Thermometer. Gegen 14 Uhr, als die ersten Wagen starteten, war es 17 Grad. „Das geht noch“, erklärte Rennleiter Rudi Ropertz, der die Strecke von 4,5 auf 2 Kilometer kürzte, um die Überhitzung der Tiere zu vermeiden. Starter Herbert Thinnes rief dennoch einige Teilnehmer vergebens auf: Sie verzichteten auf den Start, um die Tiere zu schonen.

Die mehrspannigen Wagen sind die Hauptattraktion für die Besucher – die 18 Läufer, 24 Roller- und 34 Radfahrer waren zuvor ohne große Publikumsbeteiligung auf die Strecke gegangen.

Dabei nimmt gerade der Bereich „Velo“, wie die Schweizer und auch die Musher das Fahrrad nennen, immer mehr zu. „Fast jeder, der einen Hund hat, hat auch ein Fahrrad und fährt mit dem Hund regelmäßig los“, berichtet Ropertz, der das Rennen für die Senner Gemeinschaft organisierte. „Deshalb boomt diese Kategorie, während die großen Gespanne abnehmen.“

Anja Stiebe, die vor sieben Jahren für das Studium aus Berlin nach Bielefeld gezogen ist, war schon als Jugendliche dem Schlittenhunderennen mit Rad verfallen. „Die Hunde bringen einem so viel Freude entgegen“, sagt sie. „Besonders gefällt es mir, das Muskelspiel der Hunde von oben zu beobachten.“ Zum ersten Mal machte Marco Jaeck bei einem solchen Rennen mit. „Weil ich sowieso täglich mit Timber fahre.“ Er landete auf dem dritten Platz. „Das war richtig gut“, meinte er. „Nächstes Jahr komm ich wieder.“

Heide Klocke aus Senne war als Besucherin da. „Das ist ein schönes Hobby. Ich überlege, ob ich mir auch so ein Rad kaufe und nächstes Jahr mitmache“, sagt sie.

„Alle, die hier mitmachen, haben ihre Freude an diesem besonderen Sport und stecken viel Zeit und Geld rein“, erklärt Ropertz. Viele Musher fahren nur Wagenrennen, andere sehen solche Wettbewerbe vor allem als Vorbereitung auf die Schlittenrennen im Schnee. „Schnee ist die Krönung“, schwärmt Ropertz, der mehrfach Weltmeister bei Rennen im Schnee geworden ist. Für die Hunde spiele es jedoch keine große Rolle, ob sie auf Gras oder Schnee laufen, sie sind „heiß“ auf das Rennen, sobald sie die Vorbereitungen miterleben.

Beim Start sind sie kaum zu bremsen, sie bellen, jaulen, springen hoch, müssen von Helfern beruhigt werden bis kurz vor dem Startsignal. Je mehr Hunde davor gespannt sind, umso schwieriger ist es, sie zu bändigen und die Gefahr, dass sich Leinen verheddern, ist groß. Das passierte Andonie Azpillaga Lizaso gleich zwei Mal: Beim Start und kurz vor dem Ziel – so musste er anhalten und die Seile entwirren und brauchte mit acht Minuten doppelt so lange wie der Schnellste in der Kategorie „Unlimited offen“, bei der mehr als acht Hunde vorgespannt werden dürfen.

Der Schnellste dieser Kategorie war Heinrich Stahl mit 4 Minuten und 18 Sekunden.

Noch eine Sekunde schneller mit sechs Hunden war Enrique Foedtke, der den schnellsten Lauf des Tages schaffte und den mehrfachen Europa- und Weltmeister Uwe Radant auf den zweiten Platz verweist.

Zusammen mit 39 anderen Kindern machte Paula Stephan (9) beim Kinderrennen mit. Sie hatte den kleinsten Hund und war schneller als ihr tierischer Partner. „Aber ich dachte vorher, der wäre langsamer“, sagt sie danach und kichert.

Den meisten anderen Kindern geht es umgekehrt: Sie haben von den Mushern ausgebildete Rennhunde ausgeliehen bekommen und müssen sich sputen, um mitzukommen. Bei den jüngeren helfen die Eltern oder Großeltern und halten die Tiere. Bei manchen laufen auch die Hundebesitzer mit, um die Motivation ihrer Tiere zu erhöhen.

Die jüngste Teilnehmerin Lilian Albrecht zeigt es allen: Sie singt bei der Urkundenvergabe ein Arminia-Lied, nachdem Ropertz alle Älteren vorher vergeblich zum Singen aufgefordert hatte.

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