Susanne und Ernst Heiner Hüser stehen vor dem 201 Jahre alten Buschkamp. Das Haus wurde Mitte der 1980er Jahre im Museumshof Senne wieder aufgebaut. Unverkennbar: Der mit Holz verkleidete Giebel und die grüne Tür. Letzte wurde, angelehnt an die Originaltür, mit den kleinen Fenstern gestaltet. - © FOTO: JULIA GESEMANN
Susanne und Ernst Heiner Hüser stehen vor dem 201 Jahre alten Buschkamp. Das Haus wurde Mitte der 1980er Jahre im Museumshof Senne wieder aufgebaut. Unverkennbar: Der mit Holz verkleidete Giebel und die grüne Tür. Letzte wurde, angelehnt an die Originaltür, mit den kleinen Fenstern gestaltet. | © FOTO: JULIA GESEMANN

Senne Ein Haus mit Vergangenheit

Von der Rettung des Buschkamps

Senne. Schwarz-weißes Fachwerk, der Giebel ist holzverkleidet, eine grüne Doppeltür mit Fenstern ziert die Front. 201 Jahre ist er alt. Das ist dem Buschkamp nicht anzusehen, das Historische Gasthaus ist gut gepflegt. Bevor es seinen Platz im Museumshof Senne fand, stand es an ganz anderer Stelle: an der Kreuzung B 68 / Buschkampstraße, heutiger Standort von Mercedes Neotechnik. Dort war der Buschkamp Zeuge und Zentrum vieler historischer Ereignisse.

"Den Buschkamp kannte jeder – der Giebel war’s", sagt Hans Schumacher, Vorsitzender des Fördervereins Osthusschule. Er weiß viel über die Geschichte des Buschkamps. Und findet in seinem umfangreichen Archiv noch mehr. So wie die Fotos der Buschkamp-Tür. "Sie war nicht typisch bäuerlich, sondern hatte viele kleine Fenster – das für den Hof typische Erkennungszeichen".

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1811 lassen Casper Henrich Buschkemper und Ehefrau Hanna Catrina Grosse Bockermanns das Haus am 19. August errichten, Erbin ist Tochter Hanna Friederike. "Sie heiratete Heinrich Zacharias Brand aus Sandhagen, dem heutigen Gadderbaum", sagt Schumacher. Nach Heinrichs Tod zieht die Witwe mit den Söhnen Adolf und Friedrich Wilhelm Luis auf den Ursprungshof ihres Mannes, das heutige Waldhotel Brand’s Busch. Der Buschkamp wird an Friedrich Wilhelm Lohmann verpachtet. "Er bekam 1869 die Erlaubnis zum beschränkten Schankbetrieb", sagt Schumacher. 20 Jahre später wird das Pachtverhältnis gekündigt, Adolf Brand kehrt zurück. "Er hat die Schankwirtschaft übernommen, war weit über die Senne hinaus bekannt." Ein raubeiniger Bursche mit weichem Herz – so wird er in historischen Dokumenten beschrieben.

Dank ihm habe die Gaststätte eine gewisse Berühmtheit erlangt, sagt Schumacher. Sie sei vor allem Anlaufstelle für das Infanterieregiment Nummer 55 gewesen. "Die hatten ihre Schießbahn direkt hinterm Buschkamp." Abends gibt es nicht nur ein Bier für die Soldaten, sondern auch Pickert. 1912 stirbt Brand, Mitte der 1920er Jahre pachtet Wilhelm Schulze den Hof. "Frau Schulze war als Wirtin eine sehr liebenswerte Frau", erinnert sich Norbert Schwabedissen, Ex-Bürgermeister der Gemeinde Senne. Er ist 1930 geboren und nahe des Gasthofs groß geworden. "Als kleiner Junge war ich oft da."

Auch als Ausflugslokal bekommt das Gasthaus schnell einen guten Ruf. Das liegt auch am regelmäßig stattfindenden Teutoburger Waldrennen, dessen Start und Ziel ab 1925 am Buschkamp sind. Rudolf "Karratsch" Caracciola startet mehrmals auf der Rennstrecke. Er ist damals der erfolgreichste deutsche Automobilrennfahrer und fährt sich und seinen Mercedes-Rennstall dreimal souverän zum Sieg. 1945 übernehmen die Engländer das Anwesen, sie schließen die Kneipe. "Später wurden in der Scheune Flugzeuge des Flughafens untergestellt", erinnert sich Schumacher. "Dafür mussten diese immer auseinander gebaut werden." 1960 pachtet Paul Schwabedissen, Cousin von Norbert, den Buschkamp. "Bei ihm habe ich 1965 meine Hochzeit gefeiert", sagt Schumacher. Schlachter Schwabedissen bietet westfälische Küche an. "Er hatte einen Imbisswagen vor dem Haus stehen – das war nicht so typisch für die Zeit."

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