Ergebnisse von „Wege“: Joey Kelly (v. l.) schaute sich die Werke an. Ehrenamtliche Anna Müns, JVA-Leiterin Kerstin Höltkemeyer-Schwick und Sozialarbeiterin Vera Möller haben das Projekt organisiert und geleitet, die Gefangenen Siegfried (Mitte), Samed und Peter auf Leinwände gemalt. - © Kristoffer Fillies
Ergebnisse von „Wege“: Joey Kelly (v. l.) schaute sich die Werke an. Ehrenamtliche Anna Müns, JVA-Leiterin Kerstin Höltkemeyer-Schwick und Sozialarbeiterin Vera Möller haben das Projekt organisiert und geleitet, die Gefangenen Siegfried (Mitte), Samed und Peter auf Leinwände gemalt. | © Kristoffer Fillies

Senne Musiker Joey Kelly besucht JVA in Senne

Zur Knastkulturwoche kam der Extremsportler Joey Kelly ins Gefängnis. Sein Lebensweg motiviert Jungtäter. Die haben sein Buch gelesen und daraufhin gemalt

Kristoffer Fillies

Senne. Virtuose Musikstücke und kunstvolle Gemälde hat man beim Gedanken an Gefängnisse wohl nicht zuerst im Kopf. Dass sie ein Ort dafür sind, zeigten die Inhaftierten und Beschäftigten der Justizvollzugsanstalt Senne aber schon im September bei der „Kultur-im-Knast"-Veranstaltung. Dort stellten sie mit dem Kulturkreis Senne ein Konzert auf die Beine. Jetzt nahm die JVA Senne an der ersten Knastkulturwoche des Landes Nordrhein-Westfalen teil. Zum Abschluss des Projekts „Wege" besuchte Joey Kelly das Gefängnis. Er erzählte 200 Besuchern und Inhaftierten von seinem Lebensweg, der – wie sich heraus stellte – einige Gefangene besonders motiviert. Unter dem Titel „No Limits – wie schaffe ich mein Ziel" sprach Joey Kelly von sich als Teil der musikalischen Großfamilie „Kelly Family" und als Ausdauer- und Extremsportler. „Mit der Kelly Family haben wir 18 Jahre lang auf der Straße gespielt, auch in Bielefeld", sagte er. „Wir haben um unsere Existenz gekämpft, meistens pleite. Aber immer mit einem Traum und einem Ziel vor Augen." Von seinem Vater Dan habe er das Ziel übernommen, „frei und ohne Angst zu leben". Glück sei kein Zufall, sagte Kelly. „Nur wer kämpft und nicht in seiner Komfortzone lebt, kommt weiter." Er habe seine Komfortzone schon öfter verlassen. In den 1990er-Jahren meisterte er den Triathlon-Wettkampf „Ironman" ganze acht Mal. Seitdem machte er bei vielen Marathon-Läufen und anderen Ausdauersportevents mit. Als Motivationstrainer will sich Kelly nicht verstanden sehen Vierzehn Jahre lang nahm er an den sportlichen TV-Wettkämpfen von Showmaster Stefan Raab auf ProSieben teil. Im September 2010 wanderte Joey Kelly durch Deutschland, 900 Kilometer von Wilhelmshaven bis hinauf zur Zugspitze. Fast 18 Tage war er unterwegs. Auch heute noch läuft der 44-Jährige Marathon. „Ohne mein Team würde ich das alles nicht schaffen", sagte er. „Wie wir auch als Kelly Family ein Team waren, habe ich heute ein Team, das mich bei meinen Läufen unterstützt." Es sei wichtig, nicht nur im Sport ein Team zu haben. „Das ganze Leben ist ein Marathon." Als Motivationstrainer wolle sich der Musiker US-amerikanisch-irischer Abstammung nicht verstanden sehen. „Wir alle müssen uns selbst motivieren." Dennoch motiviere sein Lebensweg aufgrund der hohen Ausdauer und Disziplin, sagte der Gefangene Peter während der anschließenden Podiumsdiskussion mit Moderator Andreas Liebold. Der 25-jährige Peter hatte beim Workshop des JVA-Projekts „Wege" mitgemacht. "Sport hilft und macht den Kopf klar" Seit August hatten 34 Jungtäter der Außenstellen Verl und Clarholz gemeinsam mit lebensälteren Gefangenen der JVA Senne Kellys Buch „Hysterie des Körpers: Der Lauf meines Lebens" gelesen. Bei dem anschließendem Workshop hatten vier Jungtäter und der 64-jährige Gefangene Siegfried ihre Lebenswege auf Gemälden künstlerisch festgehalten – die konnten nach der Kelly-Veranstaltung angeschaut werden. „Das Buch von Joey Kelly hat mir weitergeholfen", sagt Peter. „Ich will die Ziele vor meinen Augen auch erreichen. Schon jetzt will ich meine Lasten abwerfen, nicht erst nach der Haft." Joey Kelly hatte am Ende der Veranstaltung noch einen Tipp für die Inhaftierten: „Sobald es euch möglich ist: macht einen Marathon. Sport hilft und macht den Kopf klar."

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