Inmitten von blökenden Schafen: Der 20-jährigen Sonja Tölle macht ihr Praktikum bei der Schäferei Bethel richtig Spaß. Zwei Drittel ihres Jahres in der Senne liegen noch vor ihr, darunter ab Januar die Zeit der süßen Lämmer. - © Judith Gladow
Inmitten von blökenden Schafen: Der 20-jährigen Sonja Tölle macht ihr Praktikum bei der Schäferei Bethel richtig Spaß. Zwei Drittel ihres Jahres in der Senne liegen noch vor ihr, darunter ab Januar die Zeit der süßen Lämmer. | © Judith Gladow

Senne Fachabi auf der Schafweide

Außergewöhnliches Praktikum: Die 20-jährige Sonja Tölle aus Bad Lippspringe lernt ein Jahr lang bei Andreas Eisenbarth in Senne die Schäferei kennen

Gladow

Senne. Lachend sitzt Sonja Tölle im Kreis von Dutzenden, laut blökenden Schafen. Die wollen an das Kraftfutter in der Schaufel, die die 20-Jährige mit in den Schafstall genommen hat, um sie für das Foto anzulocken. Auch wenn die Schafe das Kraftfutter viel interessanter finden als die Kamera und die lächelnde, junge Frau in ihrer Mitte, ist Sonja Tölle der Spaß anzumerken, den sie im Kontakt mit den Tieren hat und eben auch bei ihrem Jahrespraktikum bei der Bethel-Schäferei in Senne. Ein Jahr lang – vom 1. August 2017 bis 31. Juli 2018 – wechselt sich bei Sonja Tölle Schule und Praktikum ab. Ganz ähnlich einer dualen Ausbildung ist sie für zwei Tage pro Woche am Gregor-Mendel-Berufskolleg in Paderborn und für drei Tage in der Senner Schäferei. Unter den Fittichen von Andreas Eisenbarth bekommt sie dort Einblicke in den uralten und mittlerweile selten gewordenen Beruf. „Es ist genauso, wie ich es erwartet habe" Das Praktikum ist Teil von Sonja Tölles Fachabitur in den Bereichen Agrarwirtschaft, Bio- und Umwelttechnologie. Auf die Bethel-Schäferei war sie durch ihre Großmutter gekommen. „Sie hatte zu Ostern ein Interview mit Andreas Eisenbarth im Radio gehört und gleich an mich gedacht“, erzählt die 20-Jährige. Die Arbeit mit den Schafen gefällt ihr sehr gut. „Es ist genauso, wie ich es erwartet habe. Es macht richtig Spaß.“ Viel draußen zu sein, auch mal kräftig mit an zu packen, stört sie nicht, im Gegenteil: Auf der Weide, bei den Schafen, am liebsten noch mit den Hunden, da fühlt Sonja Tölle sich wohl.Immer weniger junge Leute interessieren sich für die Schäferei Darum möchte sie nach ihrem Abschluss auch gerne im Bereich Landschaftspflege bleiben, ob Studium oder Ausbildung, vielleicht sogar im Bereich Schäferei steht noch nicht fest. Vorstellen kann sie sich es aber schon. „Hauptsache draußen“, sagt sie. Andreas Eisenbarth, der sichtbar stolz auf seine neue Praktikantin ist, würde es sicherlich freuen. Die Schäferei sei seltener geworden, junge Leute, die die Zunft erhalten, brauche es aber trotzdem. „Nur Wenige interessieren sich für die Ausbildung“, bedauert er. „Es gibt hier auch keine Schäferschulen mehr.“ Die Auszubildenden der Bethel-Schäferei lernen an zwei Standorten: In Freistatt (Heimstatt) in Niedersachsen, wo sie hauptsächlich Moorschnucken hüten, und in Senne bei den Coburger Fuchsschafen. Für die Berufsschule geht es dann zum Blockunterricht nach Halle (Saale). In ihrem Praktikum kann sich Sonja Tölle aber erst einmal ganz auf die Senner Schafe konzentrieren. Besonders schätzt sie an den wolligen Tieren ihre Robustheit. „Das was kommt, das nehmen die so hin“, sagt sie. „Ganz besonders freut sie sich natürlich auf die Lammzeit“, sagt Andreas Eisenbarth, und Sonja Tölle nickt lächelnd.

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