Blühende Heide: Zu den Totengedenktagen werden die Gräber besonders geschmückt. Doch die Blumen locken mitunter ungebetene Gäste. Die greifen auch auf dem großen Sennefriedhof mit seinen vielen abgeschiedenen grünen Nischen immer mal wieder zu. - © Silke Kröger
Blühende Heide: Zu den Totengedenktagen werden die Gräber besonders geschmückt. Doch die Blumen locken mitunter ungebetene Gäste. Die greifen auch auf dem großen Sennefriedhof mit seinen vielen abgeschiedenen grünen Nischen immer mal wieder zu. | © Silke Kröger

Bielefeld Grabstein, Kreuz, Engelstatue: So dreist stehlen Diebe vom Bielefelder Sennefriedhof

Diebe sind rund ums Jahr unterwegs, und sie machen auch vor den Gräbern nicht halt. Sie zu fassen ist schwierig, sagt die Polizei

Sibylle Kemna

Senne. Der November ist traditionell den Verstorbenen und ihrem Gedenken gewidmet. Besonders in den Wochen der traditionellen Totengedenktage Allerheiligen, Allerseelen und Totensonntag wird das Grab der Verstorbenen geschmückt. Doch das ruft auch Langfinger auf den Plan. "Jetzt im Herbst ist eine Periode, in der wir den Diebstahl von Blumen und Grabbeilagen immer mal wieder registrieren", sagt Franziska Klemme von der Friedhofsgärtnerei Bielefeld - "fachmännisch wie unfachmännisch". Doch den bandenmäßigen Diebstahl, der aus anderen Regionen gemeldet wird, bei dem gezielt Metall gestohlen wird, gebe es auf dem Sennefriedhof und auch dem Waldfriedhof nicht, sagt Klemme. Entwendet werden gleichwohl nicht nur Blumen. Auch Kreuze, Skulpturenteile, selbst ein Grabstein verschwanden in den vergangenen Jahren schon. Mitunter nutzt ein Dieb die Abgeschiedenheit, um sich schnell einmal schöne Blumen zu besorgen. Es gibt aber auch Diebstahl in größeren Mengen. Wie bei der Grabstätte der Eltern einer gebürtigen Bielefelderin. Polizei: Tätersuche nahezu unmöglich Die hatte Mitte Juli die Friedhofsgärtnerei beauftragt, das Grab ihrer Eltern mit einem Bodendecker, der "weißen Kriechspindel" (Eonymus fortunei), zu bepflanzen. Für die 100 Pflanzen und die Arbeit zahlte sie über 500 Euro. Doch als vor einigen Wochen ein befreundetes Ehepaar das Grab besuchte, fand es dieses verwüstet und verunkrautet vor. Die Pflanzen waren ausgegraben und gestohlen worden. Das Paar zeigte den Diebstahl bei der Polizei an. "Das ist auf jeden Fall der richtige Weg", sagt Polizeisprecher Michael Kötter. Allerdings sei die Chance, einen Täter zu ermitteln, gering. Nicht nur die Weitläufigkeit des Sennefriedhofs, auch der lange Zeitraum, bis der Diebstahl auffalle, machten die Tätersuche nahezu unmöglich. "Selbst wenn der Angehörige es gleich am nächsten Morgen bemerkt, ist es schwierig, wenn Hinweise auf den Täter fehlten." Ob der Diebstahl von Grabbeigaben und Pflanzen zugenommen hat, kann Kötter nicht sagen. Denn die Vergehen auf den Gräbern werden nicht separat aufgelistet, sie fallen unter dieselbe Rubrik wie Wohnungseinbrüche und Diebstähle am Haus. Franziska Klemme glaubt nicht an eine Zunahme. "Das war immer schon ein Problem" sagt sie. Allerdings gebe es Zeiten, in denen besonders oft gestohlen werde, etwa die Wochen vor Totensonntag oder im Advent. Die Friedhofsgärtnerei will nun mit der ehemaligen Bielefelderin in Kontakt treten, um eine Lösung zu finden, das Grab wieder pietätvoll herzurichten. Michael Lohse, Abschnittsleiter Stadtfriedhöfe beim Umweltamt, sagt, dass seine Mitarbeiter und er selbst selten von solchen Taten hörten. "Die Angehörigen melden sich in der Regel nicht bei uns, weil wir nicht zuständig sind." Man sei aber dankbar für jeden Hinweis, und eine Anzeige bei der Polizei sei auf jeden Fall der richtige Weg. Für die Betroffenen ist so ein Diebstahl eine Form der Grabschändung. "Das ist wirklich eine Unverschämtheit", sagt Margarete Z., der schon einmal ein gusseisernes Grablicht vom Grab ihres Mannes gestohlen wurde. "Ich finde das absolut pietätlos", schimpft die 78-Jährige.

realisiert durch evolver group