Fasziniert: Die Gütersloher Grundschüler, die zufällig auf Besuch in den Rieselfeldern sind, staunen über die kleine Kröte in den Händen von Burkhard Thiesmeier vom Stiftungsrat. Und sie dürfen die kleinen Amphibien auch einmal in die Hand nehmen. - © Silke Kröger
Fasziniert: Die Gütersloher Grundschüler, die zufällig auf Besuch in den Rieselfeldern sind, staunen über die kleine Kröte in den Händen von Burkhard Thiesmeier vom Stiftungsrat. Und sie dürfen die kleinen Amphibien auch einmal in die Hand nehmen. | © Silke Kröger

Senne Artenschutzprojekt: Neue Heimat für die Knoblauchkröte in Senne

In den Rieselfeldern Windel werden 400 kleine Amphibien freigelassen. Die Biologen hoffen, dass sie sich gut einleben. Und vermehren

Silke Kröger

Senne. Auf den ersten Blick sieht es aus wie zwei Kisten voller Sand, die Michael Bisping an der Biostation Gütersloh/Bielefeld aus dem Kofferraum hebt. Doch auf den zweiten Blick - und nach ein bisschen Graben - gerät der Inhalt an vielen Stellen in Bewegung. Rund 400 junge Knoblauchkröten hat der Artenschützer aus Ennigerloh darin mitgebracht. Er züchtet die inzwischen sehr selten gewordenen Amphibien, um sie wieder anzusiedeln. Auch in den Rieselfeldern Windel. Am vergangenen Dienstag sind Gütersloher Schüler der Grundschule Neißeweg und Blankenhagen zu Besuch, Stationsmitarbeiterin Gritli Noack-Füller führt sie übers Gelände. Die kleinen Kröten sind ein unerwarteter Bonus. Burkhard Thiesmeier vom Stiftungsrat der Rieselfelder Windel holt vor den Augen der staunenden Kinderschar eine hervor. "Echt cool", meint ein Mädchen und schaut bewundernd auf das kleine Tier auf ihrer Hand. Ein Hupfer, und es landet auf dem Boden. Thiesmeier hebt es vorsichtig auf und befördert es zurück in den feuchten Sand. Was sie wohl fressen? "Kellerasseln", "Spinnen", "Würmer", raten die Schüler, und Bisping nickt. "Sie sind nicht so wählerisch. Sie nehmen alles, was sie überwältigen können." Projekt "Atlantische Sandlandschaften" Sebastian Schmidt koordiniert bei der Bezirksregierung Münster das Projekt "Atlantische Sandlandschaften", das es seit 2016 gibt. "Das hier gehört auch noch zur atlantischen Region", versichert er. Über 100 Einzelmaßnahmen gibt es, in 15 Lebensraumtypen wie Heide, Moor und Dünen und mit zehn vom Aussterben bedrohte Tierarten wie Moorfrösche, Zauneidechsen, Schlingnattern. Und Knoblauchkröten. In den Rieselfeldern hat es seit 2014 bereits mehrere Versuche gegeben, die kleinen Hüpfer wieder anzusiedeln. "Die ersten haben wir 2014 ausgesetzt", erzählt der Geschäftsführer der Biostation, Bernhard Walter, Kaulquappen und Jungtiere. "Mittlerweile bestimmt weit über 5.000." Kaulquappen haben viele Fressfeinde, daher sind nun Jungtiere ausgewählt worden. Im Frühjahr geschlüpft, zwischen 8 und 23 Gramm schwer. Und kerngesund. Ansiedeln in den Rieselfeldern In der Schubkarre geht es für die Tiere in ihre neue Heimat. 150 von ihnen werden im Südteil der Rieselfelder ausgesetzt, zwischen Biostation und Autobahn. Der Teich dort wurde für die neuen Anwohner extra vom Schilf befreit, das Ufer mit Sand aufgeschüttet. Auf dem Weg dahin freut sich Walter über die Maulwurfshügel im nassen Gras. Die lockere Erde ist perfekt zum Eingraben für die kleinen Kröten, die ein heimliches, verstecktes Leben bevorzugen, wo sie vor Vögeln, Igeln, Dachsen, aber auch Maulwürfen geschützt sind: Bis zu 80 Prozent ihres Lebens verbringen sie unterirdisch, erzählt Walter. Am Ufer schaufeln die Artenschützer Sand und Kröten aus der Kiste. Ein wildes Gehupfe startet - die Neuankömmlinge sind noch ein wenig orientierungslos. Ein Tierchen landet sogar in der Kameratasche - es ist ja auch angenehm dunkel dort. Die 250 Kröten in der zweite Kiste werden in der Nordosterweiterung freigelassen, wo noch ein flaches Gewässer für sie vertieft wird. "Der Bauantrag läuft", sagt Walter. "Das sollte im Herbst auf jeden Fall noch was werden." MONITORING Wie sich die Kröten eingelebt haben, hoffen die Tierschützer nächstes Frühjahr durch ein Monitoring zu erfahren, wenn sich die Amphibien zum Ablaichen in die Gewässer aufmachen. Dann wird ein Absperrzaun errichtet mit Auffangeimern, wie man sie von der Krötenwanderung an den Straßen kennt. "Dann werden wir sehen, ob auch die Knoblauchkröte dabei ist", meint Walter. "Das wäre natürlich toll für das Projekt."

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