Der 61-Jährige kam mit nur zwei Schrammen im Gesicht aus dem Wrack seines 40-Tonners. - © Christian Mathiesen
Der 61-Jährige kam mit nur zwei Schrammen im Gesicht aus dem Wrack seines 40-Tonners. | © Christian Mathiesen

Bielefeld Windrad-Unfall: Verursacher dankbar für glimpflichen Ausgang

Polizei rekonstruiert Hergang / Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung

Bielefeld. Es war einer der ungewöhnlichsten und längsten Unfallbergungen in den letzten Jahren: Knapp 15 Stunden waren nötig, um das riesige Rotorblatt nach dem Auffahrunfall von der Autobahn 33 bei Bielefeld-Senne zu schaffen. Die Polizei ist nun damit beschäftigt, den Unfallhergang zu rekonstruieren. Sie ermittelt laut Polizeisprecherin Kathryn Landwehrmeyer gegen den mutmaßlichen Verursacher (61) in dem Speditionslastwagen, der von hinten in den Schwertransport krachte wegen fahrlässiger Körperverletzung. Ein Fehler bei der Absicherung des Schwertransports sei bisher nicht erkennbar. Und genau der hatte am Dienstag um 5 Uhr früh offensichtlich mehrere Schutzengel: Nach kurzer ärztlicher Begutachtung kehrte der 61-Jährige aus Herzebrock-Clarholz mit wenigen Kratzern im Gesicht zur Unfallstelle zurück. Beim Anblick seines durchbohrten Fahrerhauses wurde ihm das auch klar. Vor der Kamera eines WDR-Teams sprach er dann ganz offen über das Erlebte: „Ich habe diesmal tiefer gesessen als normal." Sonst stelle er seinen Arbeitsplatz auf die zweithöchste Stufe ein, diesmal war es die vorletzte: „Das war mein Glück." Der 62 Meter lange Windradflügel dürfte nur um Zentimeter seinen Kopf verfehlt haben. Auch als er vom WDR-Team zur Entstehung des Unfalls befragt wurde, blieb der 61-Jährige ehrlich: „Ich habe geraucht und einen Kaffeebecher in der Hand." Die Warnleuchten vom Begleitfahrzeug habe er zwar gesehen – aber „wohl ein bisschen zu spät". Er sei dann sofort nach links ausgewichen, „aber da war der Flügel schon zu weit draußen." Er vernahm ein Knirschen, ein Rauschen und dann war es vorbei. „Gott sei Dank ist es so ausgegangen." Hätte es in der Mitte nicht so eine massive Mauer sondern eine normale Leitplanke gegeben, wäre der 40-Tonner samt Rotorblatt vermutlich in den Gegenverkehr geraten. Der Bielefelder (46), dessen Lastwagen im Gegenverkehr noch von dem Flügel erfasst worden war, hätte keine Chance mehr gehabt. So kam der Fahrer mit mehreren Schnittwunden und einem Schock davon.

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