Fast, wie in Freiheit: Heidi Külzer (r.), Gefangene im offenen Vollzug, arbeitet in der hauseigenen Gärtnerei und verkauft Stammkundin Monika Birkl jede Woche Salat, Gemüse und Tulpen für ihre Tochter. - © Barbara Franke
Fast, wie in Freiheit: Heidi Külzer (r.), Gefangene im offenen Vollzug, arbeitet in der hauseigenen Gärtnerei und verkauft Stammkundin Monika Birkl jede Woche Salat, Gemüse und Tulpen für ihre Tochter. | © Barbara Franke

Bielefeld-Senne Bilanz: Jährlich kommen 4.000 Menschen in der JVA Senne in Haft

Offener Vollzug: JVA Senne präsentiert Zahlen und Erfolge des vergangenen Jahres. Die öffentliche Akzeptanz der Wiedereingliederung nimmt zu

Bielefeld-Senne. Es scheint eine Erfolgsgeschichte zu sein. Für die etwa 4.000 Gefangenen, die jährlich neu in der Justizvollzugsanstalt Senne aufgenommen werden, aber auch für die Anstalt und deren Leiterin Kerstin Höltkemeyer-Schwick. Seit eineinhalb Jahren leitet sie die größte Anstalt Deutschlands mit 1.645 Haftplätzen. Durch den offenen Vollzug werden die Gefangenen erfolgreich auf ihrem Weg zurück in die Gesellschaft begleitet. "Wir bieten unterschiedliche Behandlungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten", sagt Höltkemeyer-Schwick. Die reichen vom Arbeitsplatzangebot innerhalb oder außerhalb der Hafthäuser, schulischer- oder beruflicher Bildung und sozialem Training über Jungtäterprojekte und Betreuung älterer Gefangener bis hin zu Schuldnerberatungen und Familienseminaren. Mehr als 700 Firmen aus der Region arbeiten mit der JVA zusammen. "Und die nehmen die Gefangenen im offenen Vollzug gern", sagt die Anstaltsleiterin. Beim Arbeitseinsatz gehe es vorrangig darum, den Inhaftierten Fähigkeiten für eine Erwerbstätigkeit nach der Entlassung zu vermitteln. Die Beschäftigungsquote lag 2016 bei 87 Prozent, durchschnittlich waren täglich also 1.100 Gefangene zur Arbeit eingesetzt. Das dadurch erzielte Lohnaufkommen von 8,7 Millionen Euro entspricht einem Viertel des Gesamtlohnaufkommens aller 36 Anstalten in NRW. Heidi Külzer macht eine Ausbildung zur Floristin in der Gärtnerei des Hafthauses Ummeln. Neben der Pflege von Blumen, Beeren, Salaten und Gemüse, ist sie jeden Dienstag und Donnerstag von 9.30 bis 11.30 Uhr und von 13.30 bis 15.30 Uhr auch im Verkauf tätig. "Unsere Kunden kommen dann durch ein geöffnetes Tor von hinten direkt in die Gärtnerei", sagt Külzer. "Und wir haben viele Stammkunden." Eine davon ist Monika Birkl, die jede Wochen Tulpen für ihre Tochter aus der Gärtnerei holt. "Ich kaufe hier gerne ein, weil das Gemüse hier noch schmeckt, wie Gemüse und alles biologisch angebaut wird", so Birkl. Peter Pataki ist erst vor Kurzem vom geschlossenen Vollzug in den offenen gewechselt und macht ein Sechs-Monats-Modul in der Gärtnerei. "Ich habe vorher schon einen Holzlehrgang gemacht und freue mich über die Chance hier", sagt Pataki. Neben der beruflichen Eingliederung habe die JVA Senne mit ihren zwei Hafthäusern und 16 Außenstellen im vergangenen Jahr besonderen Wert auf Familienzusammenführung gelegt, sagt Höltkemeyer-Schwick. "Das ist uns wichtig, denn die Kinder leiden am meisten unter so einer Trennung."

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