Publikumslieblinge: Die Gespanne stehen bei den Zuschauern des Senner Schlittenhunderennens ganz hoch im Kurs. Die Hunde mussten auf dem 4,2 Kilometer langen Kurs mit der hohen Luftfeuchtigkeit kämpfen. - © Andreas Fruecht
Publikumslieblinge: Die Gespanne stehen bei den Zuschauern des Senner Schlittenhunderennens ganz hoch im Kurs. Die Hunde mussten auf dem 4,2 Kilometer langen Kurs mit der hohen Luftfeuchtigkeit kämpfen. | © Andreas Fruecht

Senne Das Senner Schlittenhunderennen überzeugt mit Kraft, Energie und Laufstärke

Am Wochenende trafen sich gut 200 Musher, um wieder zu demonstrieren, wie gut Mensch und Tier zusammenarbeiten

Stefanie Terschüren

Senne. Sekunden vor dem Start. Das Gebell ist ohrenbetäubend. Es wird gezerrt und gezogen. Die Nerven liegen blank, bei Mensch und Tier. Ohne helfende Hände wäre so manches Team nicht zu bremsen. Und da spielt es keine Rolle, ob an der Linie ein Gespann, ein Scooter (Roller), ein Bike oder ein Läufer steht. Fred, ein vierjähriger Bullterrier, bäumt sich auf, allerdings nur mit halber Kraft, denn sonst wäre er nicht zu halten. „Wenn wir an den Start gehen, machen alle große Augen, denn eigentlich ist er ja kein typischer Schlittenhund", erklärt Andreas Barth aus Hagen schmunzelnd. Der 50-Jährige startete am Wochenende in der Kategorie „Bikejöring". So heißt es, wenn ein lauffreudiger Vierbeiner samt Radfahrer an den Start gehen. Da Fred krank war, hat das Team nicht viel trainiert. Barth verließ sich einfach auf die Stärke seines Hundes. „Zwei habe ich überholen lassen, und wir waren auch nicht so superschnell, aber ich bin trotzdem zufrieden", sagt er nach dem Zieleinlauf. Ausgesprochen glücklich ist Mike Downes aus Lage. Im letzten Jahr war der 54-jährige Einzelhandelskaufmann noch mit einem Leihhund unterwegs, was im Leinenchaos und einem Abgang über den Lenker endete. Diesmal ist Henry, der eigene Hund, mit von der Partie. Und auch, wenn der sonst eigentlich mit Frauchen Monika Körner-Downes Marathon läuft, hat die Woche Kommandos üben, Früchte getragen. Beide kommen heil ins Ziel. Dass er ankommen würde, stand für den 67-jährigen Franz Statzberger außer Frage. „Meine Samojeden sind Traber, keine Galopper. Eigentlich sind sie für Touren zwischen 20 und 30 Kilometern wie geschaffen. Ein Rennen wie hier ist ein schönes Heimspiel", erklärt der Rheda-Wiedenbrücker. Diesmal kämpfte das Vierer-Gespann mit der hohen Luftfeuchtigkeit, weshalb sie die 4,2 Kilometer „gemütlich" angingen. Selbst nicht mehr der Allerjüngste plant Statzberger, es sich etwas bequemer zu machen. Er will eine Sitzstange auf dem Trainingswagen installieren. Ganz andere Ambitionen haben die Läufer Celin Baranger aus Wuppertal und Tobias Lübeß aus Braunschweig. Beide joggen mit ihren Hunden und verdienen sich damit den Respekt von Sascha Kohl, dem Mitorganisator des Events vom Schlittenhundesportverein Münsterland. Er sagt: „Die Gespanne sind die Publikumslieblinge und die Läufer gehen ein bisschen unter, obwohl die sportlich eine großartige Leistung abliefern." Celin ist schon zweimal in Belgien gestartet. „Hier in Sennestadt ist die Strecke viel besser präpariert und viel besser zu laufen", erzählt die Studentin. Tobias ist 14, amtierender Deutscher Jugendmeister und belegte vor gut zwei Wochen Platz vier bei der Europameisterschaft in Tschechien. So richtig trainieren, das liegt ihm nicht, wie sein Vater verrät. Je nach Laune läuft er zwei, drei Mal die Woche mit Schlittenhund Hans-Ole. In 14 Tagen will Tobias in Schleswig-Holstein starten und auch noch bei der Europameisterschaft im fränkischen Lauf. Dann geht er allerdings mit einem reinrassigen Sibirischen Husky an den Start. In Senne ist Tobias mit seiner Zeit zufrieden: Um die 15 Minuten. Ist Gefahr im Verzug, können Minuten über Leben und Tod entscheiden. Das zeigt das Team um Daniel Ernst, Staffelleiter der Johanniter Rettungshundestaffel Ostwestfalen. Er und seine Mitarbeiterinnen zeigen, wie der Einsatz von Flächensuchhunden aussieht. Mit dabei ist „Azubi" Thea, ein 18 Monate alter Rottweiler. In seiner Laufbahn hat der Suchhund von Daniel Ernst bereits zwei Vermisste gefunden – zum Glück lebend. Mensch und Vierbeiner sind ein gutes Gespann!

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