Mit voller Kraft voraus: Das Schlittenhunderennen rund um den Schafstall Ostkampweg war für die Zuschauer ein unterhaltsames Spektakel. - © Barbara Franke
Mit voller Kraft voraus: Das Schlittenhunderennen rund um den Schafstall Ostkampweg war für die Zuschauer ein unterhaltsames Spektakel. | © Barbara Franke

Bielefeld-Senne Pures Glück hinter schnellen Pfoten

Am Wochenende trafen sich 200 Musher und viele Fans aus mehreren Ländern Europas zum Schlittenhunderennen in der Senne. Der gelungende Tag sorgte für Begeisterung bei Gespannlenkern und Besuchern. Die Erziehung der Hunde fängt früh an.

Carolin Riethmüller

Bielefeld-Senne. Die rote Anzeige springt wieder auf 00:00. „Go“- oder „Los“-Rufe hallen über die Wiese, begleitet von aufgeregtem Bellen. Erde fliegt durch die Luft, als die Hundepfoten den Boden aufwühlen. Ein weiteres Gespann ist beim 7. Schlittenhunderennen am Wochenende in Senne gestartet. „Es ist einfach klasse, den Teams zuzusehen. Man spürt schon als Zuschauer diese Naturgewalt dahinter und möchte am liebsten gleich mitfahren“, sagt Sandra aus Bielefeld begeistert. Für die Musher, die die Gespanne lenken, ist es natürlich noch besser. „Das ist reines Adrenalin. Es ist das pure Gefühl von Glück, von Freiheit und Unzähmbarkeit“, erklärt Mario Mull, wie es ist, draußen auf der Strecke zu sein. Doch nicht nur das Rennen ist wichtig. Auch die Stimmung im Lager sei hervorragend, findet Kurt Radschun. „Das ist hier ein bisschen wie eine große Familie. Man kennt sich und verbringt ein gemütliches Wochenende miteinander.“ Auch der Däne Zoran Diowsky ist begeistert von den vielen Zuschauern und der Atmosphäre unter den etwa 200 Mushern, manche von ihnen sogar Deutschland- und Europameister. „Nur eine Dusche fehlt zum perfekten Campingleben“, meint er lachend und wäscht mit einem Eimer Wasser den Schlamm der Strecke aus dem Gesicht.Viel Disziplin und Training mehrmals in der Woche Die Besucher können sich an Ständen über Hundezubehör, die Rettungshundestaffel Ostwestfalen und den Wettbewerb „Der schönste Hund Bielefelds“ informieren. Auch für die Hunde ist das Rennen ein aufregendes Erlebnis. „Man führt sie meistens ab einem Alter von zwölf Monaten langsam an den Wagen ran“, berichtet Jessica Mull. Ab einem Alter von 18 Monaten dürfen sie dann offiziell starten. Zuvor bräuchte es aber noch sehr viel Disziplin und in der kühlen Jahreszeit Training mehrmals in der Woche, bis das Team starten kann. „Hunde und Halter müssen sich hundertprozentig aufeinander verlassen können“, sagt Sohn Steve. Und dann bräuchte man noch etwa ein Jahr, bis man herausgefunden habe, welcher Hund am besten auf welcher Position läuft. „Der Leithund muss super hören können und charakterstark sein, die Schüchternen laufen meist besser weiter hinten“, erklärt Jessica Mull, die schon vor 26 Jahren als kleines Mädchen mit Schlittenhunderennen angefangen hat. Die Hunde bekommen morgens noch ein kräftigendes Futter, kurz vor dem Rennen Suppe, um sicherzustellen, dass sie genügend Wasser haben. Anschließend spricht der Fahrer jeden Hund noch einmal an und spannt die Tiere ein. An der Startlinie gibt es dann fast kein Halten mehr. Manche Gespanne müssen von sechs Personen festgehalten werden, damit sie nicht frühzeitig losschießen. Deswegen sei es auch so wichtig, die Hunde erst so kurz wie möglich vor Start an die Linie zu bringen. „Sonst laufen sie schon heiß, bevor es überhaupt losgeht“, erklärt Eike Krogmann.Ohne Ehrenamtliche wäre das Rennen nicht möglich Überhitzung ist ein wichtiges Thema für die kältetauglichen Hunde. Deshalb läuft das Rennen im November. Weil es am Sonntagnachmittag sehr warm war, ging es nurnoch über die 2, nicht mehr die 4,3-Kilometer-Strecke. Seit Februar hatte das Planungsteam der Senner Gemeinschaft alles vorbereitet. Mit 35 ehrenamtlichen Helfern und Mushern richtete es einen Tag vor dem Rennen die Strecke her. „Ohne die Ehrenamtlichen wäre dieses Fest nicht mehr möglich“, betont Ilija Meyer-Molnar, Fotograf für die Aktion „Der schönste Hund Bielefelds“.

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