Das Kaminzimmer: Der gemütliche Restaurantbereich wird in eine Tagespflege mit 16 Plätzen umgewandelt. Hotelkaufmann Adolf Kampeter hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, nur noch einen verkleinerten Hotelbetrieb weiterzuführen. - © Susanne Lahr
Das Kaminzimmer: Der gemütliche Restaurantbereich wird in eine Tagespflege mit 16 Plätzen umgewandelt. Hotelkaufmann Adolf Kampeter hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, nur noch einen verkleinerten Hotelbetrieb weiterzuführen. | © Susanne Lahr

Senne Ende einer Ära: Hotel "Zur Spitze" gibt seine Gastronomie auf

Adolf Kampeter IV. gibt das Restaurant auf und behält nur elf Hotelzimmer

Susanne Lahr

Senne. Wenn Ende März die Gastronomie im Hotel "Zur Spitze" schließt, endet eine fast 137-jährige gastronomische Tradition - nicht nur jene der jetzigen Betreiberfamilie Kampeter. Schon 1881 wurde am Standort eine Schankwirtschaft gegründet: der "Kreuzkrug" von Heinrich Pankoke. An ihrer Stelle wird der Caritasverband Bielefeld in Zukunft zwei Pflegewohngruppen und eine Tagespflege betreiben. Adolf Kampeter IV. hat die Entscheidung getroffen, die Gastronomie aufzugeben. Elf von jetzt 21 Hotelzimmern will er jedoch weiterbetreiben. Die Entscheidung hat mehrere Gründe: Der 57-Jährige hatte ursprünglich die Idee, einen Teil des Hauses abzureißen und den Hotelbetrieb durch einen neuen Anbau auf 35 Zimmer zu erweitern. Doch er hätte nach eigenen Worten rund 3 Millionen Euro investieren müssen, um Modernisierung und Neubau zu finanzieren. Letztlich seien die Anforderungen und Auflagen so hoch gewesen, sagt Kampeter im Gespräch mit der NW, dass er und seine Frau Anke sich nach rund zwei Jahren Planungen dagegen entschieden haben. Zumal keiner der beiden Söhne (27 und 30 Jahre alt) Ambition hat, Hotel und Gastronomie "Zur Spitze", die beide sehr gut laufen, zu übernehmen. Dabei hat Adolf Kampeter erst 2007 den ehemaligen Tanzsaal zum großen Kaminzimmer umgebaut und den Biergarten neben dem Haus Ende 2015 hergerichtet. Das Restaurant hat rund 110 Plätze, der Biergarten hat fast ebenso viele. Kurzfristig habe er überlegt, die Gastronomie zu verpachten, erzählt Kampeter. "Aber es hat keinen geeigneten Pächter gegeben." Schon einmal hatte die Familie es mit einem Pächter versucht, nachdem Adolf III. 1979 früh mit 44 Jahren verstorben war. Nach 18 Jahren habe die Familie dann 2002 den Betrieb wieder ganz übernommen, weil es nicht ganz rundlief. Die Kampeters sind seit Anfang des 20. Jahrhunderts in Senne verantwortlich. Damals hatte Urgroßvater Adolf I. die Witwe des Landwirts Heinrich Menze geheiratet, der den Kreuzkrug bis zu seinem Tod 1905 betrieben hatte. Bis zum Ersten Weltkrieg war die Schankwirtschaft an der Windelsbleicher Straße der einzige Versammlungsort der Senner Vereine. Adolf II. baute den Betrieb zum Hotel aus. Mit dem jetzt beschlossenen Aus verlieren die Senner heute ihr einziges zentrales Restaurant. "Ich hätte noch Spaß gehabt weiterzumachen", betont der 57-Jährige, "aber ich muss auch wirtschaftlich denken." Die zentrale Lage ist es, die den Caritasverband Bielefeld begeistert. Dieser hat bereits Ende des Jahres die ehemalige Ost-Apotheke schräg gegenüber an der Windelsbleicher Straße von Adolf Kampeter angemietet. Dort soll im Laufe des Jahres ein Begegnungszentrum entstehen. Schon jetzt dienen die Räume als Anlaufstelle für die Mitarbeiterinnen des Pflegedienstes. Außerdem wird die Senner Dependance nach den Worten von Vorstand Ulrich Paus wichtig, wenn die Caritas-Räume an der Turnerstraße in Bielefeld renoviert werden. Nach den Worten von Adolf Kampeter hatten auch Aldi und Lidl ein Auge auf den Standort geworfen. Etwas, was für ihn nie in Frage gekommen wäre. Ein wertige Bebauung in zentraler Lage habe ihm und dem befreundeten Immobilienmakler Horst Flöttmann am Herzen gelegen. Die Planung hat nun Andreas von Unruh übernommen. Demnach bleibt das Kernbau erhalten, der Rest bis zur Straße Am Waldbad wird abgerissen. Das Kaminzimmer und die kleine Gaststube werden in Teilen umgebaut und künftig ebenso wie die Terrasse für die Tagespflege genutzt. 16 Plätze sind laut Ulrich Paus vorgesehen. Genehmigungen ziehen sich noch etwas hin Neugebaut werden soll ein zweieingeschossiger Anbau mit zwei Pflegewohngruppen à elf Plätzen sowie vier Appartements, jeweils um die 60 Quadratmeter, möglicherweise für Servicewohnen. Adolf Kampeter wird auch hier 3 bis 4 Millionen Euro investieren und dann an die Caritas vermieten. Bei den Plänen wird berücksichtigt, dass im Kreuzungsbereich Windelsbleicher/Friedrichsdorfer Straße/Am Waldbad in naher Zukunft ein Kreisverkehr entstehen soll. "Dann kommt mehr Ruhe rein", meint Kampeter, der selbst hinter dem Hotel "Zur Spitze" wohnt. Nach den Worten von Ulrich Paus sind diese Pläne aber noch nicht ganz so konkret wie die der Tagespflege. Als einen Grund nennt er die sich noch hinziehenden Genehmigungsprozesse. "Wir als Träger können erst dann einen verbindlichen Vertrag unterschreiben, wenn die Finanzierungszusage des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe vorliegt." Auch sei es noch nicht spruchreif, dass die Appartements als Servicewohnungen betrieben werden. "Wir könnten das leisten", sagt Paus gegenüber der NW, "das ist aber noch nicht offiziell so definiert." Die Tagespflege in Senne ist die erste des Caritasverbandes Bielefeld, der aktuell 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Pflege und Verwaltung hat.

realisiert durch evolver group