Versteckt sich gerne: die seltene Knoblauchkröte. - © Susanne Lahr
Versteckt sich gerne: die seltene Knoblauchkröte. | © Susanne Lahr

Senne Neuer Laichplatz für Knoblauchkröten

Rieselfelder Windel: In der Nordost-Erweiterung des Naturschutzgebietes wird mit EU-Mitteln ein Flachgewässer für die vom Aussterben bedrohte Amphibienart angelegt

Susanne Lahr

Senne. Die neue Kinderstube für die Knoblauchkröte sollte eigentlich schon fertig sein. Aber im Herbst hat extrem feuchte Witterung verhindert, dass in den Rieselfeldern Windel ein neues Laichgewässer für die äußerst selten gewordene Amphibie erstellt werden konnte. Doch jetzt haben die Arbeiten in der Nordost-Erweiterung der Rieselfelder begonnen. Das entstehende Flachgewässer soll schon in der kommenden Laichsaison seinen Zweck erfüllen. Bernhard Walter, Geschäftsführer der Biologischen Station, beobachtet zufrieden, dass sich die Abgrabung mit Wasser füllt. „Schon nach 30 bis 40 Zentimetern ist der Baggerfahrer auf Sand gestoßen, der Grundwasserleiter ist nicht tief. Sehr gut für unser Vorhaben.“ Die Biostation Gütersloh/Bielefeld kümmert sich im Auftrag der Stiftung Rieselfelder Windel um das rund 100 Hektar große Naturschutzgebiet. Leben zu 80 Prozent unter der Erde Entstehen wird ein etwa 70 Meter langer und maximal 25 bis 30 Meter breiter nierenförmiger Teich. Er wird zwei tiefere Zonen aufweisen, die bis zu 2 Meter tief sind, „damit sie im Sommer nicht austrocken“, erklärt Walter. Der größte Teil des Gewässers wird aber nur einen halben bis einen Meter tief werden. Ideal für die Knoblauchkröte. Die Rieselfelder Windel können die einzigen Vorkommen in der Region von Pelobates fuscus aufweisen. Die sandbewohnende Kröte ist schwer nachzuweisen, weil sie 75 bis 80 Prozent ihres Daseins unter der Erde verbringt und erst nächtens herauskommt, um zu jagen. Im Senner Naturschutzgebiet sind sie an zwei Stellen heimisch – in Kampeters Kolk zwischen Biostation und Autobahn sowie in der Nordost-Erweiterung. Sonnenbarsche fressen Kaulquappen Leider dezimieren die gefräßigen Sonnenbarsche, die dort eigentlich nichts zu suchen haben und unerlaubt eingesetzt worden sind, im Kolk den Laich der seltenen Knoblauchkröte. Daher sind seit 2014 immer wieder nachgezüchtete Jungtiere der vom Aussterben bedrohten Art eingesetzt worden, um Verluste auszugleichen. Zuletzt wurden im August vergangenen Jahres 400 Tiere freigelassen. Das neue Laichgewässer wird mit Fördermitteln der Europäischen Union und des Landes NRW hergerichtet. Die Biologische Station nimmt am länderübergreifenden integrierten Life-Projekt „Atlantische Sandlandschaften“ teil. Damit sollen 15 Lebensraumtypen wie Heide, Moor, Dünen und zehn vom Aussterben bedrohte Tierarten wie Zauneidechsen, Kammmolche, Schlingnattern und Knoblauchkröten geschützt werden. Koordiniert wird das Projekt in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen von der Bezirksregierung Münster. Monitoring soll Nachweise bringen Für das neue Laichgewässer in den Rieselfeldern und noch eine kleinere Maßnahme an einem Schilfgürtel gibt es nach den Worten von Bernhard Walter rund 50.000 Euro aus dem Life-Projekt. Der Geschäftsführer ist sicher, dass die flexible Knoblauchkröte das neue Laichgewässer schnell finden und annehmen wird. Sobald das Wetter umschlägt und es wärmer wird, machen sie die Amphibien auf zu ihren Laichplätzen. Auf diesem Weg werden die Tierschützer sie mit Fangzäunen kurz aufhalten, um festzustellen, wie viele Knoblauchkröten sich in diesem Bereich aufhalten.

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