Kaum noch zu sehen: Mehrere Kiefern sind am 18. Januar auf den Bungalow an der Heidestraße gestürzt. - © Susanne Lahr
Kaum noch zu sehen: Mehrere Kiefern sind am 18. Januar auf den Bungalow an der Heidestraße gestürzt. | © Susanne Lahr

Senne Ast bohrt sich in Bielefeld durch die Zimmerdecke

Sturm Friederike: An der Heidestraße entgeht Andrea Vaupel nur haarscharf dem spitzen hölzernen Pfahl. Überreste von sechs Kiefern werden mit Hilfe eines Autokrans entfernt

Susanne Lahr

Senne. Mittlerweile können Andrea und Alexander Vaupel schon wieder lachen. Und wieder ihren Garten an der Heidestraße betreten, in dem bis Donnerstag ein wildes Bäumepuzzle lag. Doch was sich genau eine Woche zuvor, als Sturmtief Friederike eine zerstörerische Schneise auch durch Bielefeld gezogen hat, ereignet hat, ist noch zu gut in Erinnerung. Nur knapp ist Andrea Vaupel im Wohnzimmer einem pfeilspitzen Kiefernast entgangen, der sich durchs Dach und die Zimmerdecke gebohrt hatte. Die Lehrerin, die an der Bahnhofschule Senne unterrichtet, war gerade dabei, das Mittagessen zu kochen, als die ersten drei Kiefern auf das Satteldach des eingeschossigen Bungalows knallten. Sie waren von den Orkanböen mitsamt Wurzelballen aus dem Erdreich gerissen worden. Andrea Vaupel hatte das Telefon am Ohr und schilderte ihrem Mann Alexander sozusagen live die Geschehnisse zu Hause, als der vierte Baum fiel. „Ich habe nur noch ein lautes Kreischen gehört", schildert der 46-jährige kaufmännische Angestellte der NW. Wie ein angespitzter Pfahl Denn seine Frau war nur wenige Schritte entfernt, als ein mehr als armdicker Ast wie ein angespitzter Pfahl die Wohnzimmer durchbrach. Töchterchen Mia (9) hielt sich zu diesem Zeitpunkt glücklicherweise nicht im Zimmer auf. „Ich konnte mir das am Telefon zunächst gar nicht vorstellen, was passiert war", schildert Alexander Vaupel. Insgesamt sechs Bäume sind aufs Haus gefallen. Gestern stand ein großer Autokran vor dem Haus. Das beauftragte Forstunternehmen sägte die Bäume kurz und klein, holte die Kiefern vom Dach. Da es zum rückwärtig gelegenen Garten keine genügend große Zuwegung gibt, mussten die Stämme und Kronen am langen Arm übers Dach gehoben werden. Das Dach ist nun notdürftig verschlossen. Auch im Wohnzimmer klebt Folie unter der Decke, die das Loch übergangsweise notdürftig verschließt. Dass der Kiefernast überhaupt so weit kommen konnte, liegt daran, dass der Dachboden nicht ausgebaut ist und die Decke offenbar aus Holz ist. Wie hoch der Schaden ist, weiß Alexander Vaupel, der an der Heidestraße zur Miete wohnt, nicht zu sagen. Der große Kiefernast liegt noch im Wohnzimmer Im Wohnzimmer liegt auch noch eine Woche nach „Friederike" der große Kiefernast – fast wie ein Mahnmal. „Der Schrecken war riesig groß", erinnert sich Andrea Vaupel. „Ich bin abends noch mit schlotternden Knien ins Bett gegangen." Und auch in den Tagen danach seie sie bei jedem Geräusch noch zusammengezuckt, schildert die 41-Jährige. Ihr Mann nimmt den großen Ast noch einmal in die Hand. „Der muss jetzt aber langsam raus", meint er und grinst, „da ist ja überall Harz."

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