Senne/Friedrichsdorf Aus für Senner Vogelausstellung nach 55 Jahren

Vogelschutz- und -liebhaberverein nicht mehr in der Lage, weil Nachwuchs fehlt

Ingo Müntz

Senne/Friedrichsdorf. Künstlicher Wasserfall, eine Wellen- und Gezeitenanlage für frei laufende Wattvögel, Tropenwald für Papageien, frei fliegende exotische Vögel im Afrika- und Australienbiotop - die alle zwei Jahre stattfindende Vogelausstellung des Vogelschutz- und -liebhabervereins Friedrichsdorf auf dem Hof Windel suchte bundesweit ihresgleichen. Die traurige Nachricht: Es wird sie nicht mehr geben, die Schau mit mehr als 200 Vogelarten auf rund 1.000 Quadratmetern. Dem Verein fehlt für diesen Kraftakt der Nachwuchs. Die gute Nachricht: Der Verein bleibt aber bestehen. Seit 1963 hat der Friedrichsdorfer Verein die Vogelausstellung ausgerichtet. In den Anfangsjahren, nach der Gründung 1962, geschah das jährlich auf dem Gelände des Gasthauses Otto Reker. Der Verein hatte sich zweier Aufgabenbereichen angenommen: Zum einen die Nachzucht und artgerechte Haltung von exotischen Vögeln, zum anderen den Schutz der heimischen Vogelwelt und den allgemeinen Umweltschutz. Hermann Stelbrink ist Vereinsvorsitzender und begleitet den Verein seit Jahrzehnten. "1987 bis 1994 mussten wir eine Pause einlegen. Wir hatten keine Möglichkeit auszustellen", sagt Stelbrink. Dann fand sich die Lösung in Bielefeld-Senne: Auf dem Hof Windel konnten Räume fest angemietet werden. "Parallel dazu konnten wir Hallen erbauen, die manche als Reithalle bezeichnet haben." Ein enormer Aufwand, den der Verein über Jahrzehnte betrieben hat, um diese einwöchige Ausstellung alle zwei Jahre auf die Beine zu stellen. Immer wieder wurden verschiedene Szenarien gestaltet, um die Tiere in ihren Lebensräumen darzustellen - vom Regenwald bis zur Nordsee. Eine ornithologische Reise um die Welt. Alle zwei Jahre eine exotische Vogelausstellung "Die Anlagen stehen nicht mehr", sagt Hermann Stelbrink. "Die haben wir mittlerweile abgerissen. Ja, das tut schon ein bisschen sehr weh", sagt er. Sie waren Vereinsmitglieder, Erbauer, Züchter, Aussteller, Kassenpersonal, Aufsicht und Nachtwachen in Personalunion. Doch Enthusiasten und Macher werden älter, und der Nachwuchs fehlt. "Seit einem Jahr haben wir zum Beispiel keine Jugendgruppe mehr", sagt Stelbrink. Der Nachwuchs, der vielleicht schon als Kind auf dem Hof Windel über Kolibris, Sittiche, Papageien, Austernfischer oder Jungfernkraniche gestaunt hat. "Die Schüler sind den ganzen Tag in der Schule und möchten sich abends anders unterhalten, die Mittelalten kommen manchmal wieder zu uns, wenn sie selbst Kinder haben." Insgesamt, sagt Stelbrink, würden sich viele Menschen lieber bespaßen lassen, als mitzuarbeiten." Bei den beliebten Ausstellungen habe man aber dennoch bewusst auf eine aktive Mitgliederwerbung verzichtet. Allein ein Strohfeuer der Begeisterung reiche eben nicht aus. Die Entscheidung, künftig auf die Ausstellung zu verzichten, sei nicht über Nacht gekommen. Stelbrink: "Man braucht einfach mehr Menschen, die sich um die Organisation und Durchführung einer Veranstaltung kümmern, die eine Woche für Besucher da ist. Und für die Tiere." Der Vogelschutz- und -liebhaberverein Friedrichsdorf mit seinen 112 Mitgliedern kümmert sich fortan ausgiebig um Winterfütterung und Nisthöhlenpflege in und um Friedrichsdorf herum und im benachbarten Senne. Und natürlich leisten die Vereinsmitglieder Nachwuchsarbeit. In ihrem Vereinsheim in der Waldorfschule bauen die Mitglieder Futterhäuser und Nisthöhlen, unterstützen junge Vogelzüchter mit Wissen, nehmen die Interessierten mit zur Winterfütterung, die übrigens noch bis März läuft. Und sie pflegen rund 500 Nistkästen. "Man sollte ein bisschen gut zu Fuß, ein bisschen trittsicher auf der Leiter sein, dann geht das schon", wirbt Hermann Stelbrink. Denn auch für diese Arbeiten sucht der Verein händeringend Nachwuchs.

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