Ein letztes Mal so wie immer: Gemeinsam beten rund hundert Besucher das vertraute Vater Unser in ihrer Christuskirche. Foto: Sarah Jonek - © Sarah Jonek
Ein letztes Mal so wie immer: Gemeinsam beten rund hundert Besucher das vertraute Vater Unser in ihrer Christuskirche. Foto: Sarah Jonek | © Sarah Jonek

Senne Abschied von der Christuskirche

Am 2. Weihnachtsfeiertag feiert die Emmausgemeinde dort den letzten Gottesdienst. Viele kommen auch, um Abschied zu nehmen von einem Ort voller Erinnerungen

Carolin Riethmüller

Senne. Die Mosaikfiguren hinter dem Altar funkeln im Licht, links daneben der große Weihnachtsbaum, der rote Läufer im Mittelgang federt die Schritte ab, die Bänke knarren etwas beim Hinsetzen. An nichts lässt sich erkennen, dass es der letzte Gottesdienst in der das Stadtbild prägenden evangelischen Christuskirche sein wird. Die Emmausgemeinde schließt das Gotteshaus aus finanziellen Gründen für immer. „Ich spüre heute eine gewisse Spannung in mir, ich bin nicht so relaxed“, sagt Pfarrer Volker Steffen kurz vor dem Gottesdienst, zu dem rund 100 Besucher gekommen sind. Der Chor der Emmausgemeinde hat sich eingefunden, um sie musikalisch zu begleiten. „Anfangs wurden die Christen verfolgt, heute ist Weihnachten ein gesellschaftliches Großereignis. Und trotzdem feiern wir den letzten Gottesdienst hier“, sagt Volker Steffen in seiner Predigt. „Ich finde es sehr schade, es hängen so viele Leute mit ihrer Lebensgeschichte an der Kirche. Aber ich sehe auch die Notwendigkeit.“ Irmgard Overbeck ist so eine, deren Lebensgeschichte eng mit der Kirche verbunden ist. „Alle drei Kinder sind hier getauft worden, und alle fünf Enkelkinder auch. Neulich hatte ich dann noch mein Konfirmationsjubiläum hier.“ Sie tue sich sehr schwer damit, dass es nun vorbei ist. „Meine schlimmste Erinnerung an die Kirche ist der Moment, als ich gehört habe, dass sie geschlossen werden soll“, berichtet sie. 30 Jahre lang habe sie sich erst gewerblich, dann ehrenamtlich um den Kirchenschmuck gekümmert.Kirche war immer auch ein Treffpunkt Gisela Stellbrink stößt zu der kleinen Gruppe hinzu, die nach dem Gottesdienst im eiskalten Wind vor der Kirche stehen geblieben ist. Auch sie ist hier konfirmiert und getraut worden. „Diese Kirche ist auch immer ein Treffpunkt gewesen“, findet das Ehepaar Brunhild und Klaus Günther Schoth-Hilgemann. „Die Konfirmation meiner Kinder war für mich der schönste Moment in dieser Kirche, da für sie damit ein neuer Lebensabschnitt begonnen hat“, erinnert sich Brunhild Schoth-Hilgemann. Auch Carma Overbeck, die viele Jahre in der Jugendarbeit des Hauses der offenen Tür (HoT) Senne unter der Christuskirche tätig war, ist traurig, dass die Christuskirche aufgegeben wird. Dennoch sieht sie die derzeitige Entwicklung kritisch. „Die Emmausgemeinde tut sehr wenig für ihre Mitglieder, besonders, um auch mal junge Mitglieder anzusprechen“, findet sie."Hatte wehmütigen Aussetzer" „Ich hatte zwischendurch meinen wehmütigen Aussetzer, ich weiß nicht, ob man das gemerkt hat“, meint Volker Steffen hinterher. Er ist seit 33 Jahren Pfarrer in Emmaus. Ab jetzt werden die Gottesdienste immer im Gemeindehaus stattfinden. Man müsse aber auch die Vorzüge sehen, meint er. „Ich bin als Pfarrer räumlich viel näher an der Gemeinde dran. Atmosphärisch hat das auch ganz viel Gutes.“ Trotzdem muss er zur Schließung der Kirche einmal loswerden: „Ich finde es, auf deutsch gesagt, wirklich sch****.“

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