Senne Sennes Dorfpolizist verabschiedet sich

Polizist Norbert Heymann hat fast 20 Jahre den Senner Norden betreut. Auf die Bewerbung erhielt er zunächst eine Absage

Sibylle Kemna

Senne. Mit 62 Jahren hat sich der Senner "Sheriff" Norbert Heymann in den Ruhestand verabschiedet. Fast 20 Jahre lang hat er im Norden Sennes für Sicherheit gesorgt und ist bekannt für seinen überdachten Polizei-Motorroller, mit der er 34.000 Kilometer durch den Stadtteil gefahren ist. Die Senner schätzen den gebürtigen Augustdorfer, auch wenn etliche von ihnen im Auto schon von der Laserpistole in seiner Hand bei Geschwindigkeitsmessungen in Wohngebieten gemessen wurden. "Das gehörte dazu, da waren die meisten einsichtig", sagt Bezirksbürgermeister Gerhard Haupt bei der Verabschiedung im Bezirksamt. Haupt lobt den Bezirksbeamten, der 20 Jahre in Sennestadt Wachdienst geschoben hatte, bevor er im Frühjahr 1998 die Stelle von Heinz Kummer übernahm, für seinen umsichtigen und engagierten Einsatz. Heymann sei "sehr senneverbunden" und bleibe der Senne auch treu. Bezirksamtsleiter Eberhard Grabe bedankt sich für die "supertolle Zusammenarbeit". Heymann kenne seinen Bezirk aus dem Effeff. Zuerst habe ihn die Polizei nicht haben wollen, berichtet Heymann. Nachdem er in Detmold die Realschule und die höhere Handelsschule absolviert hatte, sei er 1973 als Bewerber bei der medizinischen Untersuchung durchgefallen. Mit Hilfe seines Vaters habe er einen Beschwerdebrief an den Innenminister verfasst. "Man gab mir eine zweite Chance, und im Oktober 1974 hab ich an der Polizeischule Stukenbrock angefangen." Die Versetzung nach Senne empfand er als "einmalige Chance". "Als junger Bezirksbeamter kommt man anders mit den Menschen in Kontakt als auf der Wache und hat auch größere Freiheit." Typisch seine letzten Einsätze: Begleitung des Zugs am Volkstrauertag und Verkehrserziehung in der Schule. Die Senner hätten ihm Respekt und Vertrauen entgegen gebracht, sagt er. In den 20 Jahren habe es, wie überall, eine Verdichtung der Arbeit gegeben, berichtet Norbert Heymann. Er wurde in den vergangenen Jahren zunehmend zur Absicherung von Demos und Spielen von Arminia eingesetzt, "für eine sichere Innenstadt". Da bleibe für Lasermessungen nicht mehr viel Zeit. "Wir müssen jetzt auch Bürger verhaften, dafür war früher die Kriminalpolizei zuständig", berichtet er und es wird deutlich, dass das für ihn eine sehr unangenehme Aufgabe ist. "Da müssen wir zu zweit sein, brauchen ein Auto aus Brackwede, das ist ein großer zeitlicher Aufwand." In seine Dienstzeit fiel der Umzug vom Büro unterm Dach in das Erdgeschoß, als die Sozialverwaltung auszog. Hier war er mit seinem Kollegen untergebracht. "Wir kennen uns seit 1981", berichtet Wolf Wach, der vor drei Jahren den Senner Süden übernahm. "Da fluppt alles von alleine". Heymann ist nicht nur begeisterter Läufer und hat mehrmals am Hermannslauf teilgenommen, er liest auch gerne Krimis. Doch dass er bei Mord und Banküberfall in der Senne nur die Absicherung gemacht hat, war ihm ganz recht. "Ein schöner Stadtteil, viel Natur, grundsätzlich gibt es nur kleine Kriminelle", urteilt der Bezirks-Sheriff, der als Rentner mehr reisen möchte. Er würde sich einen Kreisverkehr an der Windelkreuzung wünschen, berichtet er auf Nachfrage. Bezirksbürgermeister Haupt erklärt ergänzend, dass die Stelle wieder besetzt werde, noch sei aber unklar, wann und von wem.

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