Die Polizei präsentiert nach der Beschlagnahmung des Waffenarsenals aus Senne zahlreiche Waffen. Darunter auch vier Maschinenpistolen wie diese. - © dpa
Die Polizei präsentiert nach der Beschlagnahmung des Waffenarsenals aus Senne zahlreiche Waffen. Darunter auch vier Maschinenpistolen wie diese. | © dpa

Bielefeld/Duisburg Waffennarr und sein Zwischenhändler erwarten nach Geständnis milde Urteile

63-jähriger Bielefelder rechnet nach Verständigung sogar mit einer Bewährungsstrafe. Ihre Aussagen haben zu 20 weiteren Ermittlungsverfahren geführt

Bodo Malsch

Bielefeld/Duisburg. Wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz steht derzeit ein 63-jähriger Bielefelder vor dem Landgericht Duisburg. Als die Polizei am 20. September 2016 seine Wohnung durchsuchte, stieß sie auf 29 Gewehre, 55 Pistolen, vier Maschinenpistolen und rund 40.000 Schuss Munition. In den Monaten zuvor hatte der Angeklagte rund zwei Dutzend seiner Waffen an einen 35-jährigen Mittelsmann aus Bielefeld verkauft, der sie mit Gewinn an eine Oberhausener Untergrundgröße (42) weiter veräußerte, der unter anderem mit Kokain handelte. Alle drei räumten die Vorwürfe am Mittwoch in knapper Form ein. „Die Anklageschrift ist korrekt", war alles, was der 63-Jährige sagte. Zuvor waren ihm und seinen Mitangeklagten im Rahmen einer so genannten Verständigung für den Fall von Geständnissen vergleichsweise milde Strafen zugesichert worden. Waffennarr aus Senne soll Geldbuße von 5.400 Euro zahlen So muss der 63-jährige Waffennarr nun mit einer Verurteilung zwischen anderthalb und zweieinhalb Jahren rechnen. Für ihn wird es am Ende wohlauf eine Bewährungsstrafe hinauslaufen. Deutliches Indiz dafür: Die Strafkammer machte sich die Mühe, bereits eine Geldbuße von 5.400 Euro als Bewährungsauflage zu nennen und sogar die Höhe der monatlichen Zahlungen festzusetzen. Der 35-jährige Mittelsmann darf mit einer Bestrafung unter drei Jahren und drei Monaten Gefängnis rechnen. Unter den beschlagnahmten Waffen, mit denen die beiden Bielefelder handelten, sind alle prominenten Hersteller vertreten: Walther, Luger, Smith and Wesson, Mauser, Uzi, Makarov und Ceska. Der 63-Jährige hatte sie zum Teil aus Nachlässen erworben, zum Teil hatte er sie als legal gehandelte Dekorationsartikel erworben und wieder scharfgemacht. Als gelerntem Schlosser war ihm das in seiner Kellerwerkstatt nicht schwergefallen. Aufgeflogen war das umfassende Waffengeschäft, nachdem die Polizei verdeckte Ermittler als Scheinkäufer zu Verkaufsverhandlungen geschickt hatte. Waffenhändler hatten auch gutbürgerliche Käufer Wegen der Drogengeschäfte des Hauptangeklagten aus Oberhausen waren außerdem noch drei Dortmunder angeklagt, die ebenfalls Geständnisse abgaben. Dass die Strafen voraussichtlich sehr milde ausfallen werden – den Oberhausener erwartet mit dreieinhalb bis vier Jahren Gefängnis das höchste Urteil –, hat mit den Verfahren abkürzenden Geständnissen der Angeklagten zu tun. Damit seien sie für eine erhebliche Aufklärungshilfe verantwortlich, hieß es. Aus ihren Angaben resultieren bislang rund 20 weitere Ermittlungsverfahren. Dabei fand die Polizei die Käufer dieser Waffen nicht nur, wie zu erwarten gewesen wäre, in der kriminellen Szene. Offenbar gab es etwa in Ostwestfalen auch gutbürgerliche Personen, die ihren Besitzstand notfalls mit Pistolen verteidigen wollten. Weil ein Ostwestfale aus dem Raum Paderborn drei Pistolen illegal beschaffte, muss er nun mit einem Strafbefehl wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz rechnen.

realisiert durch evolver group