Hier ist schon alles neu: Jacek Jeruzal zeigt die tiergerechten Boxen, in denen seine Pferde – so sie denn nicht auf Weiden oder Paddocks stehen können – viel Platz haben. Ein langgezogenes Dach hält den Regen ab. - © Susanne Lahr
Hier ist schon alles neu: Jacek Jeruzal zeigt die tiergerechten Boxen, in denen seine Pferde – so sie denn nicht auf Weiden oder Paddocks stehen können – viel Platz haben. Ein langgezogenes Dach hält den Regen ab. | © Susanne Lahr

Bielefeld-Senne Reitanlage Waterboer lebt wieder auf

Jacek Jeruzal, in der Region als Ausbilder von Reitern und Pferden bekannt, hat den Stall mitten im Teuto übernommen und modernisiert gerade heftig

Susanne Lahr

Senne. Eine wahre Herkules-Aufgabe hat sich Jacek Jeruzal vorgenommen. Der Reitlehrer, Ausbilder, Bereiter, Turnierreiter und Pferdezüchter hat die Reitanlage Waterboer langfristig gepachtet und richtet sie seit September fast im Alleingang her. Anfang Dezember will er mit dem Unterricht in der großen Reithalle beginnen. Noch viel wichtiger ist dem 50-Jährigen aus Harsewinkel, dass seine 24 Pferde baldmöglichst in ihren neuen Boxen untergebracht sind. Im Moment kommen nur seine Zuchthengste und einige wenige andere Tiere in den Genuss, alle übrigen Pferde müssen noch ein paar Tage warten, bis ihre neuen Behausungen fertig sind. Sie sind provisorisch in alten Stallungen der Reitanlage untergebracht, die Jacek Jeruzal aber angesichts ihres Zustandes die Sorgenfalten auf die Stirn treiben. An allen Ecken und Enden muss renoviert werden Bei ewig nasser Witterung und Affenkälte arbeitet Jacek Jeruzal an vielen Stellen parallel. Hier muss eine Mauer hochgezogen, dort alte Boxen abgerissen und neue errichtet werden. In der Reithalle ist zwar der Boden aufbereitet, aber die neue Bande noch nicht komplett, an den Öffnungen fehlen noch die Windschutznetze .?.?. Daneben müssen noch die Pferde versorgt und bewegt werden. Zwölf-Stunden-Tage sind die Regel, nicht die Ausnahme. Hilfe bekommt er von Jugendlichen seines Reitclubs Marienfeld und von dessen Kassiererin Elke Muckhof. „Sie hat unser Reiterstübchen in der Halle quasi im Alleingang komplett neu aufgemauert und die Decke erneuert", sagt Jaczek Jeruzal begeistert. Er ist Vorsitzender des 2012 gegründeten Reitclubs, der seit Mai 2016 keine eigene Anlage mehr hat. Der Eigentümer, ein Marienfelder Unternehmer, habe die Gebäude nicht mehr als Reitanlage, sondern als Lagermöglichkeit nutzen wollen. In Marienfeld keine Zukunft mehr Der Versuch, mit einem Marienfelder Züchter eine neue Trainings- und Schulungsstätte zu schaffen, sei letztlich gescheitert. „Als im Sommer 2017 immer noch keine neue Halle in Sicht war, habe ich mich in der Umgebung umgeschaut", erzählt Jeruzal. Und der Pferdekenner, der bereits mehrfach für Polen international am Start war, ist nicht weit einer alten Wirkungsstätte fündig geworden.Der Bielefelder Reit- und Fahrclub ist ebenfalls in Senne beheimatet. Dort ist Jacek Jeruzal, der mit 15 Jahren angefangen hat zu reiten und zunächst eine Ausbildung Elektromechaniker gemacht hatte, als frischdiplomierter Zucht- und Reittechniker 1990 durch Zufall als Bereiter gelandet. „Ich hatte nur eine Reisetasche mit und wollte nur ein halbes Jahr lang bleiben", erinnert sich der gebürtige Pole. „Daraus sind jetzt 27 Jahre geworden", sagt er und lacht. Brüder sind Hufschmiede in Bielefeld In diesen Jahren hat er sich als Ausbilder von Pferden und Reitern in Ostwestfalen-Lippe einen guten Namen gemacht. Viele Züchter vertrauen ihm ihre jungen Pferde zum Anreiten an. Zu seinen beruflichen Station zählen der Reitverein „Lützow" Schuckenbaum, der Reitverein „von Bismarck" Exter und der Reit- und Fahrverein Sende. Er züchtet Hannoveraner und Trakehner. Seine Brüder hat es übrigens auch nach Bielefeld verschlagen: Christoph und Thomas Jeruzal wohnen in Senne und Ummeln, arbeiten beide als Hufschmied.Für das Abenteuer „Waterboer" hat sich Jacek Jeruzal nach eigenen Worten finanziell bis aufs Hemd ausgezogen. „Darum muss der Schulungsbetrieb jetzt bald starten." Dabei gehe es nicht allein um Reitanfänger, sondern auch Reiter, die in Klassen bis M und S reiten. Jeruzal selbst ist Vielseitigkeits-, Dressur- und Springreiter und Voltigierer. Dressurviereck noch "Teichlandschaft" Die vorigen Eigentümer der Reitanlage an der Waterboerstraße 77b hatten nach 16 Jahren Ende 2016/Anfang 2017 verkauft und der jetzige Besitzer, der nebenan wohnt, schnell die Idee drangegeben, die Anlage selbst führen zu wollen. Er unterstützt nun seinen Pächter, der noch viel vor hat. Im nächsten Jahr werde das Dressurviereck, das laut Jeruzal „eine Teichlandschaft ist", neu gebaut, weitere Boxen erneuert, das Laufband für die Pferde aufgebaut und der gesamten Anlage funktional und optisch der Feinschliff gegeben. Zu erreichen ist Jacek Jeruzal unter Tel. 0172 5?37?71?06.

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