Weite Sicht: Aus den Laubengängen reicht der Blick bis zu den Hängen des Teutoburger Waldes. Unten verläuft die Max-Planck-Straße. Rechts hinter und unter der Brüstung sieht man die ehemaligen Öffnungen für die Müllschlucker. Im Laubengang links steht noch Blumenschmuck. Alle anderen sind freigeräumt. - © Silke Kröger
Weite Sicht: Aus den Laubengängen reicht der Blick bis zu den Hängen des Teutoburger Waldes. Unten verläuft die Max-Planck-Straße. Rechts hinter und unter der Brüstung sieht man die ehemaligen Öffnungen für die Müllschlucker. Im Laubengang links steht noch Blumenschmuck. Alle anderen sind freigeräumt. | © Silke Kröger

Senne Senne-Center: Bewohner halten Brandschutz-Vorgaben nicht ein

Senne-Center: Hausverwaltung hat die Bewohner des Hochhauskomplexes an der Max-Planck-Straße aufgefordert, die Laubengänge frei zu halten. Grund ist der Brandschutz

Silke Kröger

Senne. Zwölf Stockwerke, drei Eingänge, 139 Wohnungen und acht Ladenlokale: Das Senne-Center an der Max-Planck-Straße ist ein gigantisches Gebäude - zumindest für Bielefelder Verhältnisse, und für Senner allemal. "Ein bisschen wie ein Ozeandampfer", meint Jürgen Upmeyer, Geschäftsführer von Haus & Grund Ostwestfalen-Lippe, deren Immobiliengesellschaft den gewaltigen Eigentumskomplex verwaltet. Die Wohnungen in dem markanten Siedlungspunkt, Baujahr 1969/70, sind begehrt, das Haus in gutem Zustand: Vor einigen Jahren wurden die Fahrstühle erneuert, ein Blockheizkraftwerk eingebaut, die Fassade gestrichen, 2014 das Dach wärmegedämmt. "Wir haben ein langfristiges Konzept", erzählt Upmeyer, "das wir peu à peu abarbeiten - je nachdem, was die Instandhaltungsrücklage hergibt." Viel Wert legt Haus & Grund auch auf die Sicherheit und den Brandschutz. Upmeier: "Da muss man am Ball bleiben. Das nehmen wir nicht auf die leichte Schulter." Bei der jüngsten Brandverhütungsschau durch das Feuerwehramt der Stadt Bielefeld - sie findet alle zwei Jahre statt - zusammen mit der Hausverwaltung am 26. September kam heraus: Viele Bewohner hatten die Laubengänge vor ihrer Wohnungstür mit allerlei Deko wie Blumen und Türkränze verschönert, mitunter standen dort auch Rollatoren, Fahrräder und Kinderwagen. Mancher hatte zudem seinen Schuhschrank aufgestellt oder den Bereich als zusätzlichen Lagerraum genutzt. Im Nachgang der Begehung wurden alle Bewohner schriftlich aufgefordert, Laubengänge und Treppenhäuser freizuräumen - sie seien als Flucht- und Rettungswege konzipiert, heißt es in die Mitteilung der Hausverwaltung. Bis auf die Fußmatte vor der Wohnungseingangstür seien alle privaten Gegenstände vollständig zu entfernen. Upmeyer: "Auf Allgemeinflächen haben private Möbel und Gegenständen schon laut Wohnungseigentumsrecht nichts zu suchen." Jetzt werde ein Mängelprotokoll erstellt und kontrolliert, ob alles freigeräumt worden sei. Sonst drohe ein Bußgeld. Ingrid Hasselberg lebt seit 20 Jahren in ihrer Wohnung im 9. Stock. Auch sie hatte ihren Eingang, der am Ende des Laubengangs liegt, ein wenig geschmückt. "Ich hatte die Bank schon weggenommen", sagt sie, "ich hatte nur noch einen kleinen Blumentopf rechts neben dem Geländer." Den hätte sie gern behalten, doch nach Rückfrage beim Verwalter räumte sie auch die Blumen weg. "Im ersten Moment ist man ein bisschen sauer und wütend, aber wenn man nachhakt, versteht man es schon", meint die 64-Jährige. "Ich finde es jetzt nur ein bisschen trostlos." Gleichwohl bleibe ihr der Balkon - hübsch dekoriert und mit einer unvergleichlichen Aussicht über herbstlich-bunte Bäume und Häuserdächer hinweg. Vor rund zehn Jahren, berichtet Ingrid Hasselberg, seien die Müllschächte neben den Treppenhäusern dicht gemacht worden, auch wegen Brandgefahr. "Wir brauchten nie hinunterlaufen, nur bis zum Schacht, und unten standen die Container - das war eine prima Sache." Ein mögliches Feuer war allerdings nicht der Hauptgrund: Die Schächte seien - entsprechend der Bauordnung - wegen der Mülltrennung verboten worden, erläutert Upmeyer. "Aber solche Schächte sind natürlich auch wunderbare Kamine, wenn es mal brennt." Auch die großen Blumenkübel unter dem Bild von Alt-Bielefeld im Foyer von Eingang 28 mussten dem Brandschutz weichen. Für den Weihnachtsbaum, der dort traditionell im Advent aufgestellt wird, sieht Upmeyer aber noch eine Chance. "Das muss man mit dem Beirat besprechen, ob er in der Übergangszeit tolerierbar wäre." Das Bild könne hängen bleiben.

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