Pannenserie bei der Aufklärung des Mordes an der Sennerin Tanja S. - © Archivfoto Andreas Zobe
Pannenserie bei der Aufklärung des Mordes an der Sennerin Tanja S. | © Archivfoto Andreas Zobe

Bielefeld Pannen bei Aufklärung des Senne-Mords: Polizei hat mögliche Beweise gelöscht

Der Ausbau des Navigationsgeräts zur Auswertung beim BKA erfolgte erst mehr als einen Monat nach der Tat

Nils Middelhauve

Bielefeld/Bad Oeynhausen. Vor dem Bielefelder Landgericht ist am Dienstag der Prozess gegen den Geschäftsmann Georgios S. mit der Vernehmung eines Polizisten sowie einer Mitarbeiterin des Bundeskriminalamts (BKA) fortgesetzt worden.Dabei wurde deutlich, dass der Polizei bei der Ermittlung offenbar mehrere Fehler passiert sind. Der 53-jährige Angeklagte aus Bad Oeynhausen steht unter dem dringenden Verdacht, im September des vergangenen Jahres seine getrennt von ihm lebende Ehefrau Tanja (41) vor deren Haus in Senne mit einem Schrotgewehr erschossen zu haben. Vor dem Haus aufgelauert Es wird sich vermutlich nicht mehr nachweisen lassen, wo sich die Mobiltelefone sowie das Auto des Angeklagten zur Tatzeit befunden hatten: Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Georgios S. seiner Ehefrau am 15. September 2016 vor deren Haus am Eisterfeldweg aufgelauert und die 41-Jährige um kurz vor acht Uhr mit Schüssen durch die Autoscheibe getötet hat. Nach einer Großfahndung wurde er rund zweieinhalb Stunden später in Heepen festgenommen. Die Polizei stellte mehrere Mobiltelefone sicher, die aber zur Tatzeit alle offenbar ausgeschaltet waren. GPS-Daten können nicht mehr ausgelesen werden Misslich aus Sicht der Ermittler ist darüber hinaus, dass die GPS-Daten des Navigationsgeräts nicht mehr ausgelesen werden können, da diese sukzessive überschrieben werden, wenn dem Gerät eine Aktivität am Auto suggeriert wird. Hierfür bedarf es bei einigen Modellen lediglich des bloßen Öffnens der Fahrertür – ein Vorgang, der während der kriminaltechnischen Untersuchung des sichergestellten Mercedes des Angeklagten mehrfach vorkam. Der Ausbau des Navigationsgeräts zur anschließenden Auswertung beim BKA erfolgte erst am 21. Oktober 2016, mehr als einen Monat nach der Tat. Ein Umstand, den Verteidiger Kai Oelgeklaus mit den Worten „Eine weitere Ermittlungspanne – super!" kommentierte. Georgios S. schweigt weiterhin im Prozess. Im Ermittlungsverfahren hatte er noch angegeben, sich zur Tatzeit auf dem Weg zu einem Kunden in Herford befunden zu haben – dessen Namen er jedoch auch damals nicht preisgeben wollte. Der Vorsitzende Richter Christoph Meiring gab am Dienstag bekannt, dass er plane, die Beweisaufnahme am kommenden Verhandlungstag am 2. Mai zu schließen.

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