Rozette Kats (l.) mit der engagierten Raphaela Kula, die die Niederländerin nach Bielefeld geholt hat. - © FOTO: SIMON BLOMEIER
Rozette Kats (l.) mit der engagierten Raphaela Kula, die die Niederländerin nach Bielefeld geholt hat. | © FOTO: SIMON BLOMEIER

Schildesche Als Baby den Holocaust überlebt

Rozette Kats sprach vor Schildescher Gesamtschülern

Schildesche. Als neun Monate altes Baby versteckten ihre Eltern sie 1942 bei einem fremden Pärchen. Kurz danach wurden sie deportiert und im Vernichtungslager Auschwitz von den Nazis getötet, weil sie Juden waren. Mit sechs Jahren klärten ihre Pflegeeltern die Niederländerin Rozette Kats über ihr Schicksal auf. Jetzt berichtete die 70-Jährige vor Zehntklässlern der Gesamtschule von ihrem Leben, das geprägt war von der Suche nach ihrer eigenen Identität.

"Ich war ein verstecktes Kind", erklärt die Niederländerin den Schülern der Klassen 10b und 10 h. Nachdem die Nazis die Niederlande 1940 besetzt hatten, litten auch die holländischen Juden unter ständigen Repressionen bis hin zu Deportationen in Konzentrationslager. Von den etwa 105.000 Deportierten überlebten gerade mal 5.200 Menschen. Bevor Kats Eltern nach Auschwitz kamen, lebten sie versteckt und trennten sich von ihrer jungen Tochter, nachdem ein nicht-jüdisches Paar die kleine Rozette aufgenommen hatte. Nach der deutschen Besatzung sollte das Kind seine leiblichen Eltern wiedersehen. Dazu kam es nie.

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"Was glaubt ihr, was es bedeutet, versteckt zu leben?", fragt sie die Schüler. Diese antworten: "Keine Freunde, Verlust der Selbstständigkeit, Todesangst." Alles richtig, doch das Schlimmste sei "der Verlust der eigenen Identität." Und obwohl Kats seit ihrem sechsten Lebensjahr um das Schicksal ihrer Eltern wusste, dauerte es bis weit ins Erwachsenenalter hinein, bis sie ihr Kindheitstrauma überwunden hatte. Denn der einzige weitere Überlebende, ihr Onkel, war traumatisiert und verdrängte die schrecklichen Geschehnisse. Jetzt spricht Kats, um gerade der Jugend ihre persönliche Geschichte näherzubringen. "Es geht ihnen hoffentlich nahe", sagt sie.

"Das ist viel interessanter als jeder Text über den Nationalsozialismus", sagt Joschka Linnenbrügger (16). "So hat man ihre persönlichen Gefühle und Emotionen mitbekommen", ergänzt Rojin Aba (17). Und Emma Fengler (16) sagt: "Ich finde gut, dass sie sich getraut hat, das alles offen zu erzählen."

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