Diese gefiederten Tiere heißen Gouldamadine. Mit ihren strahlenden Farben gehörten sie zu den auffallendsten Züchtungen der letzten Ausstellung in der Martin-Niemöller-Gesamtschule.
Diese gefiederten Tiere heißen Gouldamadine. Mit ihren strahlenden Farben gehörten sie zu den auffallendsten Züchtungen der letzten Ausstellung in der Martin-Niemöller-Gesamtschule.

Schildesche Schluss-Strich zum Jubiläum

Nach 100 Jahren Vereinsgeschichte: Letzte Ausstellung der Kanarienzüchter

Schildesche. Seit genau 100 Jahren gibt es den Kanarienzucht- und Vogelschutzverein Bielefeld Schildesche. Nach Feiern war dem Vereinsvorsitzenden dennoch nicht zumute. Wehmütig begrüßte Ekkehard Mruck die Gäste zur Jubiläumsschau. Die Ausstellung in der Martin-Niemöller-Gesamtschule am vergangenen Wochenende war die letzte des traditionsreichen Vereins.

Während nebenan die munteren Kanarienvögel zwitscherten, erhob Mruck sein Glas – halb zur Feier, halb zum Abschied. "Leider ist das heute unsere letzte Ausstellung." Die Züchter haben ein Alter erreicht, in dem sie die Mühen, die die Vorbereitung einer Ausstellung mit sich bringen, nicht mehr bewältigen können. "Wie andere Vereine auch, haben wir kaum Nachwuchs", sagt Mruck. Der Kanarienzucht- und Vogelschutzverein wird weiter bestehen, die Mitglieder werden auch in Zukunft die Voliere in der Gesamtschule und die Nistkästen am Obersee pflegen. Nur ausstellen werden sie nicht mehr.

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Bezirksbürgermeister Detlef Knabe (SPD) hob die Leistungen der Vereinsmitglieder über den langen Zeitraum hervor. "Beim Jahr 1912 fällt einem zuerst die Titanic ein. Dass der Verein in dem Jahr gegründet wurde und es ihn bis heute gibt, ist wunderbar." Auch Knabe stimmte es nachdenklich, dass die Jubiläumsausstellung zugleich die Abschiedsschau der Züchter ist. "Der fehlende Nachwuchs ist in vielen Vereinen ein Problem. Das muss man akzeptieren." 30 Mitglieder hat der Verein derzeit, 16 davon sind aktive Züchter. Das Durchschnittsalter liegt bei 66 Jahren.

Einen kompletten Schlussstrich werden aber nicht alle Züchter ziehen. Für sie ist das Hobby Herzenssache, aufhören können und wollen sie nicht. "Einige werden weitermachen", sagt Schriftführer Horst Sensing. Auch er gehört dazu, will sich auf seine Lieblingsrassen konzentrieren. "Sonst fehlt mir etwas."

Seit 14 Jahren ist Sensing Mitglied im Verein. Eine große Freude, aber eben auch viel Arbeit. "Wir müssen unter Zeitdruck aufbauen, die Vögel anliefern, am Samstag kommen die Preisrichter und am Sonntagabend müssen wir den Raum besenrein verlassen", sagt der 75-Jährige. Am Montagmorgen kommen die Schüler zurück in die Gesamtschule. Diesem Stress wollen sich Horst Sensing und seine Züchterfreunde nicht mehr aussetzen.

Information
Auszug aus der Vereins-Chronik

Am 1. Januar 1912 wurde der Verein unter dem Namen "Verein für Vogelschutz und Vogelzucht Schildesche" im Lokal von Fritz Möller gegründet.

Die erste Vereinsausstellung folgte vom 21. bis 24. November 1912.

1931 bis 1938 litt die Vereinsarbeit unter den schlechten wirtschaftlichen Verhältnissen. Auch die mangelnde Rede- und Pressefreiheit ließ Vereinsarbeit kaum zu.

Im Januar 1941 fand die vorläufig letzte Versammlung statt.

1946 wurde die Zucht trotz Futtermangels wieder aufgenommen.

1951 wurde wieder ein Vorstand gewählt. (nibu)

Seine Enkelin Gina drückt den Altersschnitt des Vereins gewaltig nach unten. Die Achtjährige ist die jüngste Züchterin und stellt zum zweiten Mal in der Martin-Niemöller-Gesamtschule aus. "Bei einer Tombola habe ich meinen ersten Vogel gewonnen. Danach habe ich mit der Zucht angefangen." Sechs Vögel hat sie am Wochenende zu den 350 ausgestellten Tieren beigesteuert. Ob sie weiter züchten will, auch wenn es in der Gesamtschule keine Ausstellungen mehr gibt? "Das weiß ich noch nicht", sagt Gina.

Die Möglichkeit dazu hätte sie. Denn die Züchter, die auch in Zukunft ihre Vögel präsentieren wollen, können das bei den Ausstellungen des Partnervereins "Farbenpracht Ammerland" aus Bad Zwischenahn tun. Die jüngste Schau dort war von hoher Qualität. Die Vögel bei der Ausstellung in Schildesche reichten nicht ganz an dieses Ergebnis heran – mit fünf Punkten lagen die Bielefelder in der Bewertung der Preisrichter hinter der Ausstellung des Partnervereins. "Schade", sagt Horst Sensing. "Das können wir jetzt nie mehr aufholen."

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