Die Bielefelder Polizei hat einen mutmaßlich wildernden Hund erschossen. - © Symbolfoto: pixabay
Die Bielefelder Polizei hat einen mutmaßlich wildernden Hund erschossen. | © Symbolfoto: pixabay

Bielefeld Beamte erschießen Hund in Bielefeld: Leser zweifeln an Version der Polizei

Wilderndes Tier soll mittlerweile gestorben sein

Dennis Rother

Bielefeld. Der Fall des von Polizisten angeschossenen Hundes am Bielefelder Rottmannshof sorgt für Wirbel. Das Tier ist laut einer Bekannten der Halterin mittlerweile gestorben. Viele Leser zweifeln an den Ausführungen der Polizei. Wie berichtet, wurden Beamte am Sonntag alarmiert, weil der Hund gewildert haben soll. Daraufhin meldeten sich viele User von nw.de, meldeten Zweifel am Hergang des Vorfalls an und wollten den Hergang genauer wissen. Hier gibt's die wichtigsten Fragen und Polizei-Antworten im Überblick: Woher wusste die Polizei so schnell, wem der freilaufende Hund überhaupt gehört? Laut Polizeisprecher Michael Kötter befand sich die Halterin zum Einsatzzeitpunkt der Beamten in der Umgebung. "Das verletzte Tier lief zu der Frau", sagt Kötter. "Der Hund hat auf Rufe der Halterin nicht reagiert", hätten die eingesetzten Polizisten berichtet. Kommt es tatsächlich zu einer Anzeige gegen die Frau? Klar ist bislang: Den Hund nicht anzuleinen, ist laut Landeshundegesetz eine Ordnungswidrigkeit (s. unten). Bis zu 100.000 Euro kann das Bußgeld betragen, heißt es darin. Klar ist auch: So hoch dürfte die Strafe für die Halterin nicht ausfallen. Zuständig für den Vorfall am Rottmannshof ist die Untere Jagdbehörde mit Sitz in Bielefeld. Auf NW-Anfrage zum weiteren Prozedere äußerte sich die Behörde bislang nicht. Man warte auf Meldung von Pächter und Polizei. Wie oft schießt die Bielefelder Polizei eigentlich? Im Jahr 2017 haben Beamte bislang sechs Schüsse insgesamt abgefeuert - allesamt auf Tiere. Laut Michael Kötter seien die meisten der Schüsse Gnadenschüsse nach  Wildunfällen gewesen. Wann darf die Polizei auf Hunde schießen? "Polizisten dürfen ein Tier erschießen, sobald es eine Gefahr für die Öffentlichkeit, also für die Menschen in seiner Umgebung, darstellt." Das sagte Andreas Ackenheil, Anwalt für Tierrecht, im Interview mit dem Deutschen Anwaltverein. Allerdings komme es auf den Einzelfall an. "Polizisten müssen immer das mildeste Mittel einsetzen, um die Gefahr einzudämmen, die von dem Tier ausgeht", zitiert der Anwaltsverein den Fachmann. Heißt also: viel Interpretations- und Ermessensspielraum. Zu aggressiven Hunden - wie mutmaßlich der Hund am Rottmannshof - äußert sich Ackenheil ebenfalls. In solchen Fällen "muss die Polizei informiert werden. Denn läuft der Hund zum Beispiel auf eine Autobahn, drohen Unfälle." Laut Ackenheil würde es zwar ausreichen, Hunde beispielsweise in einen Lauf zu schießen, um sie "kampfunfähig" zu machen. Das sei jedoch äußerst schwierig, wenn der Hund sich bewege. Am Rottmannshof hat das Tier die Beamten laut Polizei attackiert. Ermittelt die Polizei intern, ob der Schuss nötig war?  In der Tat: Die Rechtmäßigkeit wird überprüft. Es handele sich aber um ein Standardverfahren, so Polizeisprecherin Kathryn Landwehrmeyer. Für den Waffeneinsatz füllen Beamte eine sogenannte Verschussmeldung aus. In der Verwaltungsvorschrift zum betreffenden Paragraphen im Landespolizeigesetz heißt es, dass Schusswaffengebrauch gegen Tiere dann zulässig ist, wenn von ihnen besonders für Menschen eine Gefahr ausgeht und diese nicht auf andere Weise zu beseitigen ist. Nach NW-Informationen ist davon auszugehen, dass die Rechtmäßigkeit des Waffeneinsatzes bestätigt wird. Laut Kathryn Landwehrmeyer liege ein Ergebnis kommende Woche vor. Wer haftet für Hunde? Hundehalter sind verpflichtet, einen Schaden, der einer dritten Person durch den Hund entstanden ist, zu ersetzen. Das ist vom Gesetzgeber in Paragraph 833 des Bürgerlichen Gesetzbuches geregelt. Das heißt konkret, dass der Hundehalter unabhängig von seinem Verschulden für alle von seinem Hund beziehungsweise auch von ihm mit verursachten Schäden haftet. Eine Haftpflichtversicherung für Hunde deckt solche Schäden ab und stellt den Hundehalter von der Zahlung frei. Außerdem wehrt sie Schadenersatzforderungen juristisch ab, wenn diese nicht berechtigt sind. Letztlich schützt die Hundeversicherung den Hundehalter also vor wirtschaftlichen Schäden durch Geldbußen oder zivile Schadenersatzansprüche. So eine Haftpflichtversicherung für Hunde ist in fast allen Bundesländern gesetzlich vorgeschrieben. In NRW müssen laut Landeshundegesetz nur Hunde mit einem Gewicht von mehr als 20 Kilogramm oder mit einer Größe von mehr als 40 Zentimetern sowie gefährliche Hunde im Sinne des Gesetzes versichert sein. Wie ist das mit der Anleinpflicht? Laut Landeshundegesetz sind Hunde an einer geeigneten Leine zu führen. Und zwar - in Fußgängerzonen, Haupteinkaufsbereichen und anderen innerörtlichen Bereichen, Straßen und Plätzen mit vergleichbarem Publikumsverkehr; - in der Allgemeinheit zugänglichen, umfriedeten Park-, Garten- und Grünanlagen einschließlich Kinderspielplätzen mit Ausnahme besonders ausgewiesener Hundeauslaufbereiche, - bei öffentlichen Versammlungen, Aufzügen, Volksfesten und sonstigen Veranstaltungen mit Menschenansammlungen - in öffentlichen Gebäuden, Schulen und Kindergärten. Laut Landesforstgesetz NRW müssen Hunde zudem im Wald außerhalb der Wege angeleint sein. Solange sie sich auf den Wegen befinden, dürfen sie allerdings frei laufen.

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