Kleinbahnhof Schildesche: Unmittelbar an der Westerfeldstraße steht das Stationsgebäude der früheren Kreis-Eisenbahngesellschaft. In den 1980er-Jahren wäre es beinahe abgebrochen worden, weil den Verkehrsplanern 50 Zentimeter Breite am Bürgersteig fehlte. - © Oliver Krato
Kleinbahnhof Schildesche: Unmittelbar an der Westerfeldstraße steht das Stationsgebäude der früheren Kreis-Eisenbahngesellschaft. In den 1980er-Jahren wäre es beinahe abgebrochen worden, weil den Verkehrsplanern 50 Zentimeter Breite am Bürgersteig fehlte. | © Oliver Krato

Bielefeld Trotz akuter Wohnungsnot: Am Kleinbahnhof stehen schon lange die frisch renovierten Wohnungen leer

Das Sozialamt sucht die passenden Flüchtlingsfamilien, findet aber keine

Arno Ley

Bielefeld-Schildesche. Der Kleinbahnhof an der Westerfeldstraße 31 ist frisch renoviert. Aus den Amtsräumen der früheren Bahnstation wurden Wohnungen gestaltet; geschaffen mit kräftigem Zuschuss aus Steuermitteln. Die Schlüssel für die Wohnungen liegen seit Juli für das Sozialamt bereit - allerdings ungenutzt. Denn der Verwaltung ist es nicht gelungen, umgehend Bewohner für das Haus am Rand des Schildescher Ortskerns zuzuweisen. Und dies trotz unbestrittener Wohnungsnot besonders für einkommensschwache Familien in Bielefeld. Den Politikern in Schildesche war der Leerstand am Rande des Ortskerns bereits seit Wochen aufgefallen. Die Linken hatten daraufhin eine Frage an die Verwaltung geschickt. "Wann ist mit dem Bezug von Mietern zu rechnen?" In den Kleinbahnhof sollen nur Familien einziehen - und nur kurzfristig Für die Antwort an die Bezirksvertreter in Schildesche benötigte Sozialdezernent Ingo Nürnberger (SPD) ein längeres Schreiben. Denn so einfach scheint das gar nicht zu sein, die Wohnungen zu vergeben. Die Stadt hat sich nämlich wegen der Fördergelder, die sie bekommen hat, dazu verpflichtet, als erste Bewohner dort Flüchtlinge unterzubringen, die noch nicht anerkannt sind. Die Wohnungen im Kleinbahnhof sind so gestaltet, dass dort Familien einziehen sollen. Die, und auch das scheint eine Auflage wegen der Zuschüsse zu sein, sollen dort nur kurzzeitig unterkommen. Der Kleinbahnhof soll für sie also nur Zwischenstation auf dem Weg in eigene Mietverträge sein. Nürnberger berichtet in seinem Schreiben von zahlreichen weiteren Kriterien bei der Wohnungsvergabe: gesundheitliche, psychosomatische, interkulturelle und Aspekte der Konfliktvermeidung, Familienbindung und Familienstruktur sowie logistische Aspekte und die Kostensituation. Im Oktober wird die erste Wohnung bezogen - Amt will sorgfältig auswählen "Es ist eine erste Familie gemäß oben genannten Kriterien ausgewählt", versichert der Dezernent nun den Bezirkspolitikern. "Sie wird im Oktober einziehen." Die Verwaltung suche nach zwei weiteren Familien, "die unter Berücksichtigung aller Aspekte dort einziehen könnten und auch untereinander ein gutes Wohnverhältnis aufbauen würden." Allerdings, so schränkt Nürnberger seine Zusage ein, die Verwaltung möchte "angesichts der Qualität des Hauses die Familien sehr sorgfältig auswählen." Die Linken hatten auch an Baudezernent Gregor Moss (CDU) eine Frage geschickt. Nach heftigen Auseinandersetzungen war im vergangenen Jahr beschlossen worden, dass auf einem Teil des früheren Viehmarktplatzes an der Beckhausstraße preisgünstige Wohnungen gebaut werden sollen. Da es seit Monaten keine Äußerung zu diesem Thema aus den Bauamt gibt, wollten die Linken den aktuellen Sachstand erfahren: erfolglos.

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