Navid Razavi, Kulturreferent im AStA der Fachhochschule Bielefeld. - © Barbara Franke
Navid Razavi, Kulturreferent im AStA der Fachhochschule Bielefeld. | © Barbara Franke

Bielefeld AStA-Referent will Kulturticket für Bielefelds Studenten etablieren

Menschen auf dem Campus (2): Navid Razavi ist Kulturreferent im ASTA der FH. Mit Begeisterung organisiert er alles vom Malkurs bis zum Musik-Slam. Was ihm noch fehlt, ist ein Kulturticket für Studenten

Hanna Paßlick

Bielefeld. Ein Gesprächsausschnitt. „Welche Musik hörst du?" Navid Razavi: „Frag mich doch sowas nicht." „Warum das denn?" Navid: „Wenn ich das beantworte, klingt es so festgefahren, so alternativlos. Das kann nie gut sein." „Kriege ich wenigstens Stichpunkte?" Navid: „Na gut, dann schreib: Zwischen Chicago House und Death Metal ist alles dabei." Er lacht. Navid Razavi (25), Kultur- und Sportreferent im Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) der FH Bielefeld, ist ein Mann mit vielen Interessen und Visionen. Einer, der sich nicht festlegen mag. Der aber hartnäckig bleibt, wenn er überzeugt von etwas ist. Vor eineinhalb Jahren hat der Student das Amt im AStA übernommen. Navid vertritt damit die kulturellen Interessen der Studenten. „Zumindest versuche ich das", sagt er. Für seinen Geschmack findet Kultur im Hochschulalltag immer noch zu wenig statt. Der AStA habe alle Möglichkeiten, gute Verbindungen und das nötige Kleingeld, um das zu ändern, betont er. Aber nur die wenigsten seiner Mitstudenten würden das Angebot annehmen, selbst Ideen einzubringen. "Wir haben alle Möglichkeiten, aber nur die wenigsten Studenten nutzen sie" Navid befürchtet, dass der fehlende Bekanntheitsgrad des ASta eine tragende Rolle dabei spielt: „Ich glaube, rund 90 Prozent der FH-Studenten wissen gar nicht, was der AStA ist und was wir hier bewirken können." Um trotzdem kreative Vorschläge und kritische Stimmen einzuholen, hat der Kulturbeauftragte einen weißen Briefkasten an der Pinnwand der FH anbringen lassen. Der wird rege genutzt – vorwiegend anonym, „aber so ist es ja gedacht", sagt der Kulturreferent. Jeder solle ehrlich sagen können, was er denkt, sich wünscht, oder was ihn ärgert. Viele Meldungen, die im Postkasten landen, handeln von Hochschulpolitik und Studium. Veranstaltungsvorschläge oder Ideen für eine verbesserte Aufenthaltsqualität an der FH seien eher selten dabei. Er finde das „verdammt schade", sagt Navid. So bleibe es dabei, dass die meisten Ideen vom AStA selbst ausgingen. Ideen, die ganz bewusst einen Kontrast zum Lernalltag in der Hochschule bilden. „Ich möchte, dass die Leute aus sich herauskommen, etwas über sich selbst lernen", betont der Kulturreferent. Dafür organisiert er zum Beispiel regelmäßig Malkurse, bei denen jeder Teilnehmer frei ist zu kreieren, wonach auch immer ihm ist. Auch einen großen Singer-Songwriter-Slam hat er schon auf die Beine gestellt. Der sei gut angenommen worden. „Klar, der Andrang war nicht so groß wie bei einer riesigen Party", sagt Navid. Aber der erzielte Effekt sei wichtig. Solche Angebote, die Individuelles und Schönes fördern, gingen leicht im Alltag einer Hochschule unter. „Ich bemühe mich darum, dass sie nicht gänzlich verloren gehen." Seine neueste Idee: Ein Kulturticket für Studenten Mit seiner neuesten Idee will Navid sich an das Bielefelder Kulturamt wenden. Er stellt sich ein Kulturticket für Studenten vor, das mit Hilfe einen Rahmenvertrags mit regionalen Kulturstätten entstehen könnte. Bleiben kleine Kartenkontingente übrig, könnten sie Studenten zur Verfügung gestellt werden. An anderen Hochschulen in Deutschland wurde solch ein Ticket bereits erfolgreich eingeführt. Bisherige Rabattkonzepte in Bielefeld seien hingegen nur begrenzt wirksam, glaubt Navid. Sie würden zu kurz greifen, weil keine direkte Verbindung zur Hochschule und zum Alltag der Studenten bestehe. Darüber hinaus gilt der Studentenrabatt zum Beispiel im Stadttheater nur für eine bestimmte Altersgruppe. „Studenten brauchen heute stärkere Anreize, um sich für etwas zu begeistern und sich an der Hochschule dafür einzusetzen", sagt der Kulturreferent. Noten seien Anreize. Einfach nur Kompetenzen entwickeln zu können, scheine oft nicht genug zu sein. Das gelte auch für die Gestaltung der Aufenthaltsqualität an seiner Hochschule. „Wir verbringen rund 80 Prozent unseres Lebens in Gebäuden wie diesen – das heißt, wir leben auch darin." Entsprechend wichtig sei es, dieses Umfeld mitzugestalten, Angebote zu machen und einen eigenen kleinen Mikrokosmos zu entwickeln. Auch dafür müssten Anreize geschaffen werden. „Aber soweit sind wir leider noch lange nicht", rudert Navid zurück. Sie hätten zwar die Mittel, um kulturelle und gestalterische Ideen anzugehen. Aber es fehle an Ideen der Studenten und an Profis, um so etwas in die Tat umzusetzen. „Wir sind Studenten, keine Kulturexperten oder Architekten, da bräuchte es jemanden, der dem Ganzen Struktur gibt."

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