Blick von oben: Hier zeigt sich der grün durchmischte historische Ortskern um die Stiftskirche im herbstlichen Sonnenlicht. Im Hintergrund der Obersee. - © Jens Reddeker
Blick von oben: Hier zeigt sich der grün durchmischte historische Ortskern um die Stiftskirche im herbstlichen Sonnenlicht. Im Hintergrund der Obersee. | © Jens Reddeker

Bielefeld Stadtteilcheck: Fast alles im grünen Bereich in Schildesche

Der Stadtbezirk ist so beliebt, dass preisgünstige Wohnungen Mangelware sind. Die Gastronomie sorgt für urbanes Wohlgefühl vor allem im historischen Ortskern

Arno Ley

Schildesche. Der Stadtbezirk Schildesche ist ein künstliches Gebilde aus drei Ortsteilen, die nach der kommunalen Gebietsreform 1973 zusammengefasst wurden. Dennoch scheint sich im Bereich zwischen Uni und Polizeipräsidium, Brodhagen und Feuerwache West sowie Obersee und Johannes-Krankenhaus bei zahlreichen Menschen ein Wir-Gefühl entwickelt zu haben. 442 Mal wurde Schildesche auf dem Fragebogen für den Stadtteilcheck der NW als Heimatbezirk angekreuzt. Das Ergebnis: Die beste Gesamtnote aller Bezirke in Bielefeld. Zuallererst ein Blick auf die schlechteste Bewertung für den Stadtbezirk. Folgender Satz sollte von 1 für „sehr gut" bis 6 für „mangelhaft" benotet werden: „Es gibt genügend Wohnraum zu mieten und kaufen – und das auch vergleichsweise bezahlbar." Die Durchschnittsnote 3,4 würde die Versetzung in der Schule nicht gefährden. Aber sie deutet auf ein Dilemma: Wohnungen in Schildesche sind begehrt – und deshalb teuer. Gut für Eigentümer, schlecht für Mieter. Parks für die Erholung Ändern ließe sich das nur, würde ausgerechnet der Bestwert des Bezirks gefährdet. Denn für Neubauten gibt es kaum Platz. Die Stadtteile Gellershagen, Sudbrack und Schildesche-Ort sind auf der Fläche weitgehend zugebaut. Die verbliebenen Grünzüge zwischen den Häusern sind dabei der größte Pluspunkt des Bezirkes. Beim Satz „Parks, Wälder und Wiesen – all das habe ich in Reichweite; ich kann mich gut erholen", gab es eine 1,32 als beste Durchschnittsnote in Bielefeld. Beglückender Obersee Durch das System der Grünzüge soll es in Schildesche den größten Anteil an Parks und parkähnlichen Grünflächen im Verhältnis zur Wohnbebauung in Bielefeld geben. Der Bezirk ist somit nicht nur in der Stadtteilcheck-Benotung der mit dem meisten Grün. Und die größte offene Wasserfläche wird ihm auch gutgeschrieben, obwohl der Obersee mit in die Bezirke Heepen und Jöllenbeck hineinragt. Die Schildescher empfinden ihn als ihren See. Die Fragebogen geben dem Bezirk mit weitem Abstand in Bielefeld die Spitzennote beim Erholungswasser. Das wird übrigens noch deutlicher, wenn man die Fragebogen aufteilt nach denen aus Schildesche-Ort, Sudbrack und Gellershagen. Je weiter weg, umso weniger ausgeprägt ist die Wasserbeglückung. Religiöse Vielfalt Auf den ersten Blick wenig erklärlich erscheint die ausnehmend hohe Zufriedenheit über die Seelsorge in Schildesche – im Durchschnitt knapp hinter Gadderbaum, in Schildesche-Ort sogar etwas besser bewertet als der Bethel-geprägte Stadtbezirk. Eine Erklärung kann Bezirksbürgermeister Detlev Knabe sich vorstellen: „Schildesche hat traditionell Vielfalt." Katholische und protestantische Stiftsdamen lebten nach der Reformation gemeinsam im Ort. Mehrere andere religiöse Gruppierungen haben ihre Zentren im Stadtbezirk. Und in der Gesamtschule treffen sich seit Jahren eine Vielzahl weiterer Gemeinschaften zu ihren Festen. Gastronomie ist top Die Vielfalt macht offenbar auch die große Zufriedenheit mit dem gastronomischen Angebot vor allem im historischen Kern von Schildesche aus. Die Kneipenszene im Ort bekommt nach der Innenstadt und dem angrenzenden Westen die Bestbewertung in Bielefeld. Die Wirte in Schildesche freut es. Das Ortszentrum verfügt wie der gesamte Stadtbezirk über eine gute Verbindung mit dem öffentlichen Nahverkehr, auch die Einkaufsmöglichkeiten werden in den Fragebogen gut bewertet. Kritik gibt es vor allem am Straßenverkehr. Aber selbst die fällt nach den Bewertungen aus den Fragebogen lediglich knapp schlechter als mittelmäßig im Vergleich mit anderen Stadtbezirken aus.

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