Der Farbkasten: Werner Schmidt malt auch mit 101 Jahren mit Wasserfarben und Buntstiften noch gerne Blumen und Vögel. Er malt immer, wenn draußen schlechtes Wetter ist. Seine Familie und etliche Helfer kümmern sich um ihn. Seine Lebensgefährtin starb kürzlich. - © Wolfgang Rudolf
Der Farbkasten: Werner Schmidt malt auch mit 101 Jahren mit Wasserfarben und Buntstiften noch gerne Blumen und Vögel. Er malt immer, wenn draußen schlechtes Wetter ist. Seine Familie und etliche Helfer kümmern sich um ihn. Seine Lebensgefährtin starb kürzlich. | © Wolfgang Rudolf

Gellershagen Bielefelder ist mit 101 Jahren immer noch ein begeisterter Maler

Werner Schmidt: Angefangen mit Ölgemälden, in den letzten Jahren auf Aquarelle spezialisiert

Thomas Güntter

Gellershagen. Werner Schmidt ist ein erstaunlicher Mann. Vor wenigen Tagen hat er seinen 101. Geburtstag gefeiert und immer noch geht er seinem Hobby nach: Malen. Wann sein erstes Bild entstanden ist, weiß er nicht mehr. Es muss in der Schulzeit gewesen sein. Werner Schmidt war zwischen 6 und 14 Jahre alt. Genauer kann er die Zeit nicht eingrenzen. Geboren wurde er am 8. Oktober 1915, eine Minute nach Mitternacht, wie er betont. Der erste Weltkrieg tobte seit einem Jahr. Der Geburtsort war Hainichen, eine Kleinstadt im Landkreis von Mittelsachsen, 26 Kilometer südöstlich von Chemnitz. Schmidt sächselt überhaupt nicht. Kein Wunder, denn die Familie zog nach Bielefeld, als er gerade 2 Jahre alt war. Die Familie bestand aus Vater, Mutter, seiner älteren Schwester und ihm, dem Nesthäkchen. Die mittlere Schwester war schon als Baby gestorben. "Wenn sie nicht noch leben würde gäbe es mich wahrscheinlich gar nicht", mutmaßt er. Werner Schmidt begann mit Wasserfarben. Die ersten Bilder entstanden mit seinem Kaffeewasser. Er bekam einen Farbkasten, den er sogar in den Krieg mitnahm. Sechs Jahre lang war er Soldat. Erst in Belgien, dann in Südfrankreich und am Schluss in Russland. Er wurde verwundet und bekam Granatsplitter in Kopf, Hals und Unterleib. Der Malkasten begleitete ihn die gesamte Zeit. Natürlich hat er inzwischen die Farben erneuert, aber an dem Kasten hängt er. "Für mich ist das Malen die beste Therapie" Das änderte sich auch nicht, als er auf Ölfarben umstieg. Er wollte immer schon Handwerker werden. So in die Richtung Schreiner oder Tischler. Aber dann fragte ihn ein Bekannter, ob er mal Lust habe, ein Treppengeländer anzustreichen. "Das machte mir auch Spaß", sagt er heute. Und so blieb er dabei. Zu seinem letzten Chef hat er immer noch ein herzliches Verhältnis. "Farben haben mich mein ganzes Leben begleitet", sagt er. Ölfarben allerdings seien zu teuer gewesen und es dauerte ihm zu lange, bis ein Bild trocken war und er daran weitermalen konnte. Also stieg er wieder auf die Wasserfarben und seinen alten Malkasten um. Er liebt als Motiv Blumen, Tiere und romantische Fachwerkstädte. Mit seiner Frau Gertrud besuchte er Bad Sooden-Allendorf. Das Städtchen liegt in Hessen an der Grenze zu Thüringen. Vom Krieg wurde es verschont. Vor 25 Jahren verlor Werner Schmidt seine Frau durch eine Krankheit. Zur Familie gehören Sohn Wolfgang und seine Schwester, sowie vier Enkel und sechs Urenkel. Heute malt er auf Kuchenpappen, die er erst mit einem Rand versieht. Schmidt hat seine Fröhlichkeit nie verloren: "Für mich ist das Malen die beste Therapie."

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