Wissenschaftler des Bielefelder Exzellenzclusters Citec der Uni Bielefeld haben einen Sessel entwickelt, der mithilfe eines virtuellen Avatars fit hält. - © Citec
Wissenschaftler des Bielefelder Exzellenzclusters Citec der Uni Bielefeld haben einen Sessel entwickelt, der mithilfe eines virtuellen Avatars fit hält. | © Citec

Bielefeld Sitzen und Schwitzen: Das kann der neu entwickelte Aktivier-Sessel

Möbelstück soll den Körper trimmen und ist Teil der digital vernetzten Wohnung / Entwickelt von Forschern der Uni Bielefeld

Bielefeld. Sich gemütlich nach der Arbeit in den Sessel fläzen, die Beine hochlegen und einen Film anschauen? Klingt verlockend, ist aber mit diesem neuen Sessel nicht möglich. Für eine mitdenkende Wohnung (Projekt KogniHome) haben Wissenschaftler Forscher der Uni Bielefeld einen Fernsehsessel mit Trimmdich-Funktion entwickelt. Ein multifunktionales Möbel, das mit einem virtuellen Avatar verbunden ist und über allerlei technische Raffinessen verfügt. Der Sessel und der damit verbundene virtuelle Trainer sollen zum Schwitzen statt zum Ausruhen animieren. Zwar sieht das rote Möbelstück aus wie ein gemütlicher Rückzugsort. Aber es unterstützt den Besitzer in seiner Gesundheit, indem es auf eine ungünstige Körperhaltung aufmerksam macht und entsprechende Bewegungsübungen vorschlägt. Dabei reagiert der Sessel durch das Smartphone oder die Smartwatch individuell auf die verschiedenen Familienmitglieder - und reagiert zum Beispiel auch auf die körperliche Verfassung und Tageszeit. Möglich machen es viele Sensoren, die die Bewegungen des Sitzenden, aber auch die Herz- und Atmenfrequenz messen. Diese Informationen werden auch für spezifische Entspannungsübungen im Sessel genutzt. So sieht der Sessel aus. Fahren Sie über die Info-Punkte, um zu erfahren, was das Möbelstück kann: Entwickler Andre Krause in einer Bewegungsübung. Foto: CitecTeil einer digital vernetzten Wohnung Entwickelt wird der Trimmdich-Sessel vom Exzellenzcluster Kognitive Interaktionstechnologie Citec, das an einer digital vernetzen Wohnung forscht. Das sogenannte „KogniHome" kombiniert eine Vielzahl technischer Assistenzsysteme miteinander. So erinnert der Garderobenspiegel an den Schlüssel und in der digitalen Küche wird der Koch schrittweise durch Rezepte geleitet. Zielgruppe sind zunächst ältere oder behinderte Menschen. „Wir glauben aber, dass das in dreißig oder vierzig Jahren die Wohnung der Zukunft ist", sagt Citec-Forscher und Neurowissenschaftler Thomas Schack, der das Sessel-Projekt gemeinsam mit Ulrich Rückert leitet. „Der persönliche Trainer kann zur Entspannung verwendet werden und als gemütlicher Fernsehsessel dienen, der über alle Funktionen eines gewöhnlichen Sitzmöbels verfügt", so Schack. „Er kann mich aber auch dabei unterstützen gelenkschonend und korrekt verschiedene Fitnessübungen auszuführen. In seinem Programm gibt es verschiedene Yoga- und Fitnessübungen, aber auch Anleitungen zum Kraftaufbau." Für den persönlichen Trainer greifen die Wissenschaftler auf den SonicChair zurück, den sie mit der Forschungsgruppe Ambient Intelligence (Intelligente Umgebung) von Thomas Hermann entwickelt haben. Der SonicChair weist die arbeitende Person durch ein Tonsignal darauf hin, wenn ihre Sitzposition schon lange nicht mehr verändert wurde. Die Sitzposition misst er mit in die Sitzfläche integrierten Sensoren. Virtueller Avatar als Motivator Der virtuelle Coach regt auch Übungen außerhalb des Sessels an und übernimmt so ein mögliches Bewegungstraining in der Wohnung. Mit seiner Hilfe können alle Körperregionen effektiv trainiert werden. „Uns ist wichtig, dass der Coach nicht bevormundend in das Training eingreift, sondern nur bei den Übungen unterstützt und motiviert", so Schack. Der virtuelle Avatar nötige also nicht zu den einzelnen Übungen oder mache Vorschriften, sondern weise auf Über- oder Unterforderung hin und sporne wie ein menschlicher persönlicher Trainer zu mehr Leistung an. "Er hilft dabei den inneren Schweinehund zu überwinden." Mit Material der dpa

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