Doppelte Emma: Nach 14 Jahren harter und oft nervtötender Arbeit ist es Jürgen Niehaus gelungen, mit seinem selbstgebauten Doppeldecker nach Bielefeld zu fliegen und in Oerlinghausen zu landen (unten links). Enkelin Emma fand’s toll. Das rechte Foto rechts ihn 2016 mit dem fast fertigen Flugzeug in seiner erweiterten Garage. - © Thomas Grundmann
Doppelte Emma: Nach 14 Jahren harter und oft nervtötender Arbeit ist es Jürgen Niehaus gelungen, mit seinem selbstgebauten Doppeldecker nach Bielefeld zu fliegen und in Oerlinghausen zu landen (unten links). Enkelin Emma fand’s toll. Das rechte Foto rechts ihn 2016 mit dem fast fertigen Flugzeug in seiner erweiterten Garage. | © Thomas Grundmann

Schildesche Bielefelder baut für seine Enkelin ein eigenes Flugzeug - und macht den Flugtest

Von der eigenen Garage aus über den Teutoburger Wald

Kurt Ehmke

Schildesche. Fast zwei Jahre musste Emma warten. Im doppelten Sinne. Jürgen Niehaus, Bielefelds wohl kuriosester Flugzeugbauer, hatte unendlich viel Stress, bis sein selbstgebautes Flugzeug mit Namen Emma endlich fliegen durfte. Und seine Enkelin, nach der die "Vagabund" mit ihrem 80-PS-Rotaxmotor benannt ist, musste ebenfalls superlange warten, bis Opa in dem gelben Doppeldecker vom Himmel zu ihr herunterkam. Jetzt war es so weit. Die komplette Familie mit Ehefrau Helene stand unten in Oerlinghausen, während sich Niehaus bei fiesem Rückenwind vom Himmel herunterquälte. "Kurz dachte ich, es wäre besser, nach Bielefeld auszuweichen." Dann aber war er unten. Er, der fast 1.000 Landungen hingelegt hat, spricht von der mit Abstand bewegendsten. »Opa, wann darf ich mit? Die Sprechanlage ist sooo cool« Und Emma? Stand unten, war fasziniert, "ausnahmsweise mal nicht von Pferden", sagt Niehaus und schmunzelt. Seine Enkelin ist sein ganzer Stolz. Und so berührte es Niehaus auch sehr, dass die Kleine dann sagte: "Wann darf ich endlich mal mitfliegen, die Sprechanlage von Opa ist sooo cool, ich will gerne mit ihm da oben schön quatschen." Nun, bald könnte es so weit sein. Tatsächlich dürfte Emma schon mit ihren fünf Jahren mitfliegen, aber ihr Opa will ihr Zeit lassen. Nicht drängeln. "Es muss von ihr kommen." Dass er für diesen Moment sehr dankbar wäre, daraus macht er keinen Hehl. Dankbar ist Niehaus auch seiner Ehefrau: "Sie musste in der langen Zeit des Flugzeugbaus wirklich einiges erdulden." Nun aber stehe ein gemeinsamer Urlaub an, im Wohnmobil - und darauf freut sich Niehaus, auch wenn dabei alles schön am Boden bleibt. Ein Flugzeug wird ganz sicher nicht dabei sein. Dass es weitere zwei Jahre dauerte, hing vor allem mit dem Propeller zusammen. "Ein Jahr dauerte es, den richtigen zu bekommen - es war der vierte, der geliefert wurde." Der Propeller ist aus Holz und packt 5.200 Umdrehungen in der Minute; nur mit ihm kann der handgebaute gelbe Doppeldecker zugelassen werden. Nun endlich ist es so weit, die endgültige Zulassung ist auf dem Weg, übergangsweise aber darf Niehaus schon fliegen. Hinzu kam immer wieder ein Wetter, das den Jungfernflug von Dankern bei Haren/ Ems nicht zuließ. "Ich hatte Adrenalin bis in die Haarspitzen", sagt Niehaus Gemeinsam mit Co-Pilot Theo Olthaus hob Niehaus ab, zum 130. Mal mit der "Emma" - so viele Probestarts und kurze Testflüge musste er hinlegen. Oft testete er allein, dann packte er auf den Vordersitz ein gefülltes 60-Liter-Fass und erhöhte das mitfliegende Gewicht immer mehr - Stück für Stück. Am Tag des Jungfernfluges passte dann vieles, aber auch nicht alles. Beim Sprit hatte er sich einen Lapsus erlaubt, es wurde ein wenig knapp gegen Ende. Dazu trug starker Gegenwind seinen Teil bei - und so konnten Niehaus und Olthaus statt der eingeplanten 120 meist nur 60 Kilometer pro Stunde fliegen. Knapp 140 Minuten brauchten sie für die 146 Kilometer bis Oerlinghausen, bis zur versammelten zehnköpfigen Familie am Boden. Die sah zu, als die "Emma" neben der asphaltierten Landbahn auf Gras niederging, hier konnte sie stabiler landen. "Ich hatte Adrenalin bis in die Haarspitzen", sagt Niehaus noch immer beeindruckt von dem besonderen Tag - und wird dabei sehr leise, es ist zu spüren, dass ihm das Erlebnis noch immer sehr nahe geht. Völlig fertig war er dann, als der Flieger stand - aber Ruhe gab es keine. Emma kletterte sofort auf ihren Namensvetter und war vom Doppeldecker begeistert. Immer wieder ging der Daumen hoch, einen coolen Opa hat sie, das weiß sie. Netter Nebeneffekt: Zu ihrem 18. Geburtstag soll sie das gelbe Flugzeug, das es so weltweit nur noch einmal gibt, geschenkt bekommen. Ihr Opa ist dann ein alter Mann - vermutlich wird er dann mal zum Himmel blicken und seinen aus 10.000 Teilen selbstgebauten Doppeldecker entdecken - die doppelte Emma sozusagen.

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