Angeregte Diskussion: Werner Heuing (v.l.), Christoph Parade und Sigurd Prinz kurz vor der Veranstaltung. Später füllt sich die Mensa noch. Mindestens 60 Interessierte - darunter Lehrer, Schüler und Politiker - kamen. - © Barbara Franke
Angeregte Diskussion: Werner Heuing (v.l.), Christoph Parade und Sigurd Prinz kurz vor der Veranstaltung. Später füllt sich die Mensa noch. Mindestens 60 Interessierte - darunter Lehrer, Schüler und Politiker - kamen. | © Barbara Franke

Schildesche Diskussion um Abriss oder Sanierung der Gesamtschule Schildesche

Architekt Christoph Parade kann die Zahlen, die die Bauverwaltung vorlegt, nicht nachvollziehen. Mehr als 60 Interessierte, Lehrer und Anwohner kamen zur Diskussionsveranstaltung

Sylvia Tetmeyer

Schildesche. Um die Ideen vorzustellen, die ihn vor über 40 Jahren beim Bau der Gesamtschule bewegten, suchte der Düsseldorfer Architekt Christoph Parade trotz starker Erkältung seine alte Wirkungsstätte auf. "Welche Perspektiven hat die Gesamtschule Schildesche? Abriss - Neubau - Sanierung? Unter diesem Titel hatten die Linken zur Diskussionsveranstaltung eingeladen. Mehr als 60 Besucher kamen. Bernd Vollmer, Mitglied im Stadtentwicklungsausschuss, erklärte, dass die Verwaltung vier Varianten untersucht hat. Demnach würde eine Sanierung mit 54 Millionen Euro zu Buche schlagen, ein Neubau wäre jedoch für 40 Millionen Euro zu haben. "Man geht dabei von geringeren Betriebskosten aus", sagt Vollmer. Christoph Parade kann die Zahlen nicht nachvollziehen: "Eine Sanierung ist mit Sicherheit für unter 40 Millionen machbar." Schließlich bleibe die Konstruktion der Schule bestehen. "Der Boden hält noch Jahrhunderte", glaubt der Professor. Auch die Aufstellung von Containern, die Schuldezernent Udo Witthaus in der November-Sitzung der Bezirksvertretung als zu kostspielig abgelehnt hat, verschlinge keine Millionenbeträge. Eine Sanierung im laufenden Betrieb sei möglich. Das bestätigt Mitarbeiter Werner Heuing: "Wir machen das gerade in Köln." Heuing erklärt, dass sich die Lärmbelästigung in Grenzen halten lasse. Bezirksvertreter Hartwig Hawerkamp weist darauf hin, dass Ende der 90er Jahre Probleme mit Asbest aufgetreten seien. "Viele Menschen verstehen nicht, dass das Bauwerk schon nach 40 Jahren entsorgt werden soll", sagt Bernd Adolph. Der Linken-Politiker und ehemalige Psychologie-Lehrer, der 23 Jahre an der Schule unterrichtet hat, moderierte die Veranstaltung. Die Reduzierung auf eine 6-zügige Einrichtung könne er befürworten. Die damals gelobte "Großzügigkeit" der Schule scheine nun der Knackpunkt zu sein und werde von der Verwaltung als Kostenfaktor gesehen. Aber: "Die Mehrheit im Stadtrat, die für einen Neubau an der Westerfeldstraße ist, bröckelt etwas." Anhand eines Bildvortrages erläuterte Christoph Parade sein Konzept. "Schule sollte nicht nur Schule sein, sondern auch ein kultureller Mittelpunkt." Die Schüler sollten sich wohl und frei fühlen. Dazu würde auch das Grün gehören. "Dann gibt es auch keinen Vandalismus", betont der Architekt. Das bestätigt Schülersprecher René Weinitschke. Ein Problem sei, dass Lehrer häufig mit der "Offenheit und Freizügigkeit" überfordert seien. Enttäuscht und desillusioniert ist der 82-jährige Diplom-Ingenieur vom jetzigen Zustand des Gebäudes. "Ich habe dem Baudezernenten vor neun Jahren geschrieben und ihn gewarnt, dass die Schule kaputt geht, wenn nichts getan wird. Bis heute warte ich auf Antwort." Besucher kritisierten, dass das Dach von Anfang an undicht gewesen sei. "Wir mussten schon häufig Eimer aufstellen", sagt eine Lehrerin. Ein Vater, dessen Söhne die Schule besucht haben, lobt die Architektur: "Trotzdem ist die Schule abgewirtschaftet, weil keiner in Bildung investiert hat." Die Mehrheit der Anwesenden ist der Meinung, dass ein Neubau am alten Standort gebaut werden sollte: "Was damals gut war, kann nur besser werden." "Es sollte vor Ort Untersuchungen geben, mit Einbeziehung der Schüler. Die Westerfeldstraße ist gänzlich ungeeignet", sagt eine Dame unter Beifall. Eine Lanze für den Denkmalschutz bricht Barbara Schmidt. Die Fraktionsvorsitzende der Linken erklärt, dass auch in einem Denkmal Dinge verändert werden können. Bernd Vollmer kritisiert die mangelnde Transparenz im bisherigen Verfahren. Auf dem kleinen Grundstück könne das Gebäude nur in die Höhe gehen. Jetzt sei die Schule "ideal in das Umfeld eingebettet."

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