Unbekannte haben Obst an einer Bielefelder Haustür verkauft - aber offenbar weniger geliefert als ausgemacht.
Unbekannte haben Obst an einer Bielefelder Haustür verkauft - aber offenbar weniger geliefert als ausgemacht.

Bielefeld Neue, alte Masche: Reisende Obstverkäufer betrügen an Bielefelder Haustür

Unbekannte berechnen bei Apfelverkauf falsche Menge und flüchten

Dennis Rother

Bielefeld. Ungewöhnlicher Betrugsfall in Bielefeld: Unbekannte Obstverkäufer klingelten am Dienstag an einer Haustür und verkauften einem älteren Ehepaar Äpfel. Die ausgehandelte Menge stimmte aber nicht mit der bezahlten überein. Außerdem wollten die flüchtigen Täter unbedingt in den Keller. Die Polizei ermittelt. "So etwas hatten wir lange nicht mehr", sagt Polizeisprecher Michael Kötter. Er erinnere ihn an die Scherenschleifer-Masche. Vermeintliche Handwerker suchten in früheren Jahren öfter ältere Menschen auf und stellten nach getaner Arbeit überzogene Rechnungen - oder beklauten die Gastgeber sogar. Der Betrugsfall ereignete sich am Dienstagnachmittag gegen 14.30 Uhr. Eine Frau, etwa 65 Jahre alt, habe an der Tür eines Hauses an der Röntgenstraße in Gellershagen geklingelt. Mit Apfel in der Hand bot sie dem dort lebenden Ehepaar, beide älter als 80, frisches Obst zum Verkauf an. Das Ehepaar bat die Frau ins Haus, als diese nach einem Messer für ein Probierstück gefragt habe, so die Polizei. Die Frau überzeugte die Bewohner vom Kauf von 40 Kilo Äpfel für rund 200 Euro. Skepsis wächst: Mann will in Keller Ein junger Mann, der vor der Tür in einem Lieferwagen gewartet hatte, brachte dann das Obst ins Haus - allerdings deutlich weniger als ausgemacht. Außerdem wollte der Unbekannte die Ware laut Auskunft der Opfer unbedingt selbst in den Keller bringen. Das machte sie nach der vorherigen Überrumpelungstaktik der unbekannten Frau erst recht skeptisch. Der Sohn des älteren Ehepaars, der mittlerweile hinzugekommen war, hat laut Polizei schließlich dem Mann den Gang in den Keller verwehrt. Die Skepsis gegenüber den Fremden war offenbar berechtigt. Nachdem der Mann das Obst im Haus abgestellt hatte, brauste das Duo im Kleintransporter mit dem erhaltenen Geld davon. Es stellte sich schlussendlich heraus, dass die Käufer lediglich rund 20 Kilo erhalten haben. Laut den Opfern ist die Frau etwa 65 Jahre alt. Ihre Haare seien weißgrau, sie waren mit einer Spange hochgesteckt. Die Frau sprach hochdeutsch, ihr mutmaßlicher Komplize hatte dagegen einen osteuropäischen Akzent. Er trug zum Tatzeitpunkt dunkle Arbeitskleidung. Zeugenhinweise gehen ans Kriminalkommissariat unter Tel. (05 21) 54 50. Die Polizei mahnt nun mit Nachdruck an, bei fremden Menschen an der Haustür misstrauisch zu bleiben. Man solle niemanden in die Wohnung lassen, sagt Polizeisprecher Michael Kötter. "Es könnte sich um Diebe handeln, die möglicherweise direkt Beute in der Wohnung machen wollen, oder jemand nutzt den Aufenthalt, um zu schauen, ob sich ein späterer Einbruch bei lohnen könnte." Man solle sich zudem nicht von  "wortgewandten Betrügern überrumpeln" lassen und nicht "spontan auf scheinbar verlockende Verkaufsangebote eingehen". Kötter sagt weiter: "Egal ob es sich um Handwerksarbeiten oder den Verkauf von Waren handelt, lehnen Sie ab und schließen Sie Ihre Tür. Kommen Ihnen Personen in Ihrem Wohngebiet verdächtig vor, dann informieren Sie sofort die Polizei unter der 110."

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