Ehemaliger Sportplatz: Der VfL Schildesche hat eine neue Bleibe am Viadukt bekommen. Sein früheres Gelände am Johannisbach wurde bebaut. Anwohner beklagen sich darüber, dass im Gebiet zu schnell gefahren wird. Es wird jetzt Tempo-30-Zone. - © Wolfgang Rudolf
Ehemaliger Sportplatz: Der VfL Schildesche hat eine neue Bleibe am Viadukt bekommen. Sein früheres Gelände am Johannisbach wurde bebaut. Anwohner beklagen sich darüber, dass im Gebiet zu schnell gefahren wird. Es wird jetzt Tempo-30-Zone. | © Wolfgang Rudolf

Schildesche Posse: Bielefeld führt Tempo 30 für kurvenreiche Sackgasse ein

Schildescher Bezirksvertreter beschließen Verkehrszeichen gegen Raser. "Eigentlich wird da ein überflüssiges Schild aufgestellt", meint Michael Krüger (CDU)

Arno Ley

Schildesche. Die Debatte war kurz, das Ergebnis eindeutig. Neun Mitglieder der Bezirksvertretung Schildesche haben beschlossen, dass die Straße Am Obersee zur Tempo-30-Zone erklärt werden soll. Die Straße erschließt als Sackgasse von der Engerschen Straße aus das Wohngebiet, das auf dem ehemaligen Sportplatz des VfL Schildesche am Johannisbach gebaut wurde. So richtig begeistert scheinen die Politiker über ihre Entscheidung nicht zu sein. Die meisten nahmen die Beschlussvorlage wortlos zur Kenntnis, hoben lediglich die Hand als Zeichen der Zustimmung. "Eigentlich wird da ein überflüssiges Schild aufgestellt", sagte Michael Krüger (CDU) nach der Abstimmung. Er hatte sich enthalten. "Selbst Tempo 30 ist doch dort eine ambitionierte Geschwindigkeit", merkte er an. Im vergangenen Sommer hatten sich Anwohner an das Amt für Verkehr gewandt. Sie baten darum, dass ihr Wohngebiet zum verkehrsberuhigten Bereich erklärt werden soll. Doch um das Verkehrszeichen "Spielstraße" (Nr. 325) aufstellen zu dürfen, setzen Verwaltungsvorschriften enge Grenzen. Autos dürfen dann nur mit Schrittgeschwindigkeit gefahren und nur an spezielle gekennzeichneten Stellen geparkt werden. Die aber gibt es dort nicht. Es fehlen nach Verwaltungsbetrachtung beispielsweise auch Bänke und Pflanzinseln, um deutlich zu machen, dass die Straße "eine überwiegende Aufenthaltsfunktion" hat. Eine Spielstraße ist nicht billig. Eigentlich, so lässt es sich aus der Beschlussvorlage herauslesen, sind es vor allem Gäste des Obersees, die mit ihren im Wohngebiet abgestellten Autos dafür sorgen, dass der Fahrzeugverkehr dort beherrschend ist. Auf diese Autos würden die Anwohner sicherlich ebenso gerne verzichten, wie auf die Raser. Darüber aber wurde in der Sitzung der Bezirksvertretung nicht gesprochen. Das Schild mit Stange und Arbeitsaufwand fürs Aufstellen wird 240 Euro kosten.

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