Pit Clausen diskutiert mit den Schülern der Rudolf-Steiner-Schule über das Asylrecht. - © Andreas Zobe
Pit Clausen diskutiert mit den Schülern der Rudolf-Steiner-Schule über das Asylrecht. | © Andreas Zobe

Bielefeld Oberbürgermeister stellt Flüchtling Musa eine Zukunft in Bielefeld in Aussicht

Oberbürgermeister trifft sich mit der 10. Klasse der Rudolf-Steiner-Schule

Andrea Sahlmen

Bielefeld. Die Schüler der Rudolf-Steiner-Schule haben  alles versucht, um ihren Mitschüler Musa bei sich behalten zu können. Sogar einen persönlichen Termin beim Bielefelder Oberbürgermeister Pit Clausen hatten sich die Schüler erkämpft. Am Mittwoch traf sich die Schulklasse mit ihm. Im Mittelpunkt steht der 18-jährige Afghane Musa, der vor einigen Wochen die Ablehnung seines Asylantrags bekommen hatte. Pit Clausen nutzt die Gelegenheit des Treffens, um den Schülern das Asylverfahren zu erläutern und dem Schüler Musa eine positive Aussicht auszustellen. "Steht nicht vor einer Abschiebung" "Musa steht momentan nicht vor einer Abschiebung", macht der Oberbürgermeister zu Beginn des Treffens deutlich, dass aktuell für den Afghanen keine Gefahr besteht, das Land verlassen zu müssen. Im Moment werde aus NRW nicht nach Afghanistan abgeschoben, außer es handle sich um Straftäter. Musa ist dabei sich in Deutschland zu integrieren, er spricht gut deutsch, hat Freunde und wird seinen Schulabschluss machen. Eine absolut positive Entwicklung, die der junge Afghane macht und die ihm eine Zukunft in Deutschland sichern soll. "Sie dürfen stolz auf sich sein" "Wenn Musa einen Schulabschluss macht, einen Ausbildungsplatz bekommt und anschließend eine Arbeitsstelle anfängt, dann hat er sehr gute Chancen in Deutschland zu bleiben", so Clausen. Der Oberbürgermeister lobt das Engagement der Schüler, appelliert aber auch sie. "Sie dürfen stolz auf sich sein", sagt Clausen. "Sie haben gemerkt, wie wichtig Solidarität ist. Aber Sie müssen ihn weiter unterstützten, helfen, dass er die Schule schafft und eine Ausbildung und Arbeit findet." Musas Chancen stehen gut, aber es können nicht alle Flüchtlinge in Deutschland bleiben. "Das Asylrecht ist unglaublich kompliziert und mit viel Bürokratie verbunden", macht Clausen deutlich. Er erklärt den Schülern, woher das im Grundgesetz verankerte Asylrecht kommt. "Nicht verstanden, warum er abgeschoben werden soll" „Wir haben nicht verstanden, warum Musa abgeschoben werden sollte. Er wurde persönlich bedroht und deshalb haben wir uns entschieden dagegen was zu unternehmen. Der Fall Musa war mit unserem Rechtsverständnis nicht zu vereinbaren", sagt Mitschüler Marlon. "Wir wollen eine Willkommenskultur leben, aber in Einzelfällen ist das nicht möglich", sagt der Oberbürgermeister. Irgendwann sei eine Grenze der Aufnahmebereitschaft der Deutschen erreicht. Wer abgeschoben wird und wer nicht sind oft Einzelfallentscheidungen. Die nicht immer leicht fallen. Man dürfe den Menschen nicht aus den Augen verlieren. "Wenn ich abends nach Hause komme, möchte ich noch in den Spiegel gucken können", sagt Clausen. "Das was ich entscheide, möchte ich vor mir selbst verantworten können." Musa ist glücklich, dass die Mitschüler ihm so lieb geholfen haben. "Und ich bedanke mich für Ihre Zeit", richtet er die Worte an den Oberbürgermeister.

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