Christopher Wisseg (26) (l.) und Markus Müller (33) tunen ihre Autos, anders als alle anderen, auf hässlich. Damit schnell der Rost blüht, wird geschmirgelt und dann Salzwasser und Essig auf dem Auto verteilt. - © FOTOS: ANDREAS ZOBE
Christopher Wisseg (26) (l.) und Markus Müller (33) tunen ihre Autos, anders als alle anderen, auf hässlich. Damit schnell der Rost blüht, wird geschmirgelt und dann Salzwasser und Essig auf dem Auto verteilt. | © FOTOS: ANDREAS ZOBE

BIELEFELD Glänzender Chrom und rauer Rost

Beim 10. Bielefelder Tuning-Treffen präsentieren über 200 Besucher ihre Autos

VON STEFANIE GRUBE

Bielefeld. "Mein Auto erzählt eine Geschichte", sagt Auto-Tuner Andy Mühlbacher. Zum 10. "Custom Day", dem Treffen der Autotuning-Fans für alle Automarken, kamen rund 200 Besucher und zeigten ihre umgebauten Schätze auf vier Rädern. Treffpunkt war der Porta-Parkplatz an der Bielitzer Straße.

Schon auf der Anfahrt erkennen sich die Tuning-Freunde an auffälligen Lackierungen, glänzenden Chromfelgen und umgebauten Stoßstangen. Der Ostring ist an dem Sonntagnachmittag die Einflugschneise für die getunten Autos mit schwingenden Flügeltüren und weit ausgebauten Kotflügeln.

Erst einmal eine Runde auf dem Parkplatz drehen, Andy Mühlbacher ist nicht nur selber passionierter Autoschrauber, er hat sein Hobby gleich zum Beruf gemacht. Mit der sogenannten Airbrush-Technik besprüht er die Karosserien mit farblichen Motiven – immer gefragt sind die klassischen Bilder, wie Drachen oder Engel, aber auch ausgefallene Sonderwünsche erfüllt der 32-jährige Tuner. Sein Auto einer japanischen Herstellermarke ist zur Hälfte mit grauem Matt-Lack besprüht. Harley-Davidson-Lack der Sorte "Red Candy" verziert die andere Hälfte. "Es ist die Liebesgeschichte zwischen einer Frau, dargestellt auf der roten Seite, und einem Roboter, der in seiner technischen Welt lebt", erzählt Mühlbacher. Rund 20.000 Euro hat das Auto in der Anschaffung vor dem Umbau gekostet, gut 10.000 Euro kamen durch das Tuning hinzu.

"Das ist kein günstiges Hobby", weiß auch Christopher Wisseg (26), er zeigt einen VW, ebenso wie sein Bekannter Markus Müller (33) in der Kategorie "Ratten". "Unsere Autos laufen in einer eigenen Bewertungsklasse, wir wollen die Wagen besonders alt und hässlich aussehen lassen", sagt Wisseg. "Das hat seinen eigenen Reiz und ist ein gewollter Kontrast zu den Hochglanzpolierten", sagt Markus Müller. Die Idee kam den Beiden, als die Abwrackprämie in Deutschland diskutiert wurde. "Wir dachten, um manche Autos ist es wirklich schade, wir zeigen mal welche, die richtig abgewrackt sind und trotzdem noch voll fahrtauglich sind", erzählt Wisseg.

Als Richter über die vollkommene Schönheit und Hässlichkeit der Autos urteilt unter anderem Jürgen Bleeke mit seiner Frau Sandra. Das Paar hat schon seit vielen Jahren Tuning als Hobby. "Man sagt mir nach, dass ich ein besonders genauer Tuner bin, deshalb darf ich heute in die Jury", erwähnt der gelernte Tischler Bleeke und macht sich schnell ein paar Notizen zu einem goldfarbenen Ausstellungswagen. Veranstalter Frank Hansen ist zufrieden, zusammen mit seinem Kollegen Martin Hillmann organisiert er das Treffen schon seit 2003. "Ich habe selber ein 16 Jahre altes Tuning-Auto, ich hänge daran, das ist mein Herz", sagt er. Im Moment steht Hansens Wagen in der Garage. "Ich muss erst unser Haus umbauen, und dann ist der Wagen wieder dran", sagt Hansen.

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