Bielefeld Forscher der Uni Bielefeld testen Roboter fürs All

Weltraum-Simulation klärt Belastbarkeit

Bielefeld. Flobi ist ein wachsamer Spielkamerad. Nao leitet Sportler beim Spinning an. Eine starke Leistung von zweien, die nicht einmal leben. Zumindest nicht so richtig. Flobi und Nao sind Roboter. Ob sie sogar überirdischen Bedingungen Stand halten, haben nun Bielefelder Wissenschaftler erforscht: in der Weltraum-Simulation. Die Bielefelder Professoren Franz Kummert und Britta Wrede und ihre zwölfköpfige Forschergruppe an der Universität testeten acht Probanden. In der kompletten Isolation - so wie im All - trainierten die Testpersonen und hielten ihren Geist fit. Denn Platz oder Zeit für Sport und Spiel zu zweit bleibt in der Weltraumkapsel nicht. Astronauten müssen also alle Übungen alleine stemmen. "Ein hartes Programm", sagt Kummert. Die Gedanken der Testpersonen, so hat er erhoben, waren von Langeweile bestimmt: Sie hätten geglaubt, immer das Gleiche zu tun.Belastbarkeit und Eignung testen Dann brachten die Bielefelder vom Forschungsinstitut für Kognition und Robotik "CoR-Lab" die Probanden mit den Robotern Flobi und Nao zusammen. 18 Tage lang. Zum einen ging es darum, Eignung und Belastbarkeit der Maschinen zu testen, zum anderen um das Zusammenspiel mit Menschen. "Die Roboter haben den Dauereinsatz durchgehalten, darauf hätte ich nicht gewettet", sagt Kummert nach dem Experiment. Acht Stunden pro Tag trainierte Roboter Nao auf dem Rad mit den Probe-Astronauten. Die Maschine ist 60 Zentimeter groß, spricht, bewegt die Gliedmaßen und erfasst ihr Gegenüber. Beim Spinning gab sie den Sportlern Übungsanweisungen. Im Vergleich mit dem vorherigen Test ohne Roboter befürworteten die Probanden klar Nao: "Die Testpersonen haben uns gesagt, das personalisierte Training mit dem Roboter sei besser gewesen", sagt Kummert.Flobi ist 25.000 Euro wert Flobi - die Maschine im Wert von 25.000 Euro ist von den Bielefeldern entwickelt worden - hat die Mimik eines Menschen: Flobi schaut seine Mitspieler beim Memoryspielen an, bewegt die Lippen. Auch das funktionierte sehr gut, wie die Tester bestätigten. Interessant für die Wissenschaftler: Sie entwickelten den technischen Stand ihres Flobis im Laufe des Experiments weiter. "Robuster", so sagt Kummert, haben sie ihren Roboter formen können. Das vorläufige Ergebnis des dreiwöchigen "Weltraumtests" formuliert Franz Kummert so: "Mit den Robotern verlief das Training effektiver." Außerdem meint er: " Roboter mit sozialem Verhalten werden als Interaktionspartner akzeptiert." Genauere Ergebnisse wollen die Wissenschaftler nun nach Abschluss des Weltraumeinsatzes auf Probe analysieren. In manchen Demenzeinrichtungen oder Altersheimen wird bereits mit Robotern als Therapiehilfen experimentiert. Ob sie in einigen Jahren auch als Begleiter der Astronauten in der Weltraumkapsel durch das All schweben? Kummert will das noch nicht vorhersagen. Er glaubt aber: "Ein Roboter als Kamerad beim Trainieren ist allemal besser als niemand."

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