OWL Starke Nachfrage aus China: Babymilch wird knapp

Hamsterkäufe in Deutschland / Drogeriekette beschränkt Verkauf

Bielefeld. Milupa-Babymilch ist nicht für den Export gedacht. Doch bei chinesischen Eltern wird sie hoch geschätzt. Grund ist der Melamin-Skandal mit sechs verstorbenen Säuglingen 2008. Und vergangenes Jahr entdeckten chinesische Behörden Spuren von Quecksilber in Babynahrung. Jetzt führen Hamsterkäufe aus Fernost zu Lieferengpässen auf dem heimischen Markt. "Viele chinesische Eltern vertrauen der Babymilch aus China nicht", sagt Jinmei Liu. Sie ist Geschäftsführerin des Bielefelder Restaurants "Kaiserpalast" und stammt aus einer Provinz in der Nähe von Schanghai. Bekannte von Liu schicken regelmäßig Trockenmilchpackungen für 40 bis 50 Euro in einem Paket dorthin. "Ich selbst habe auch schon Babymilch für meine Familie mitgenommen." In China würden ausländische Babymilchprodukte stark beworben. "Wir wissen, dass sie eine gute Qualität haben." Sinologe Ingo Nentwig aus Rödinghausen weiß, dass chinesische Eltern der oberen Mittelschicht bereit sind, mehr für ausländische Waren zu zahlen, "wenn sie dafür keine Angst haben müssen". Vertrauen haben die Chinesen vor allem in Aptamil von dem zu Danone gehörenden Unternehmen Milupa. "Pro Woche haben wir um die 100 Anfragen von kleineren Exporteuren aus China, die wissen wollen, ob sie die Ware direkt von uns beziehen können", sagt Milupa-Sprecher Stefan Stohl. "Und unser Marktanteil ist um vier Prozent gestiegen." Das könne nur an der externen Nachfrage liegen. "Das Stillverhalten der Mütter und die Geburtenzahl hierzulande haben sich ja nicht verändert." Milupa exportiert offiziell gar nicht nach China. Zum einen agiert dort bereits die Schwestergesellschaft Dumex. Zum anderen müsste Milupa eine eigene Produktion für den chinesischen Markt aufbauen und für Verpackungen mit chinesischer Beschriftung sorgen. Das Milchpulver wird von Bekannten aus Deutschland nach China geschickt oder auf chinesischen Internetportalen meistbietend versteigert. Die verstärkte Nachfrage nach Aptamil-Babymilch bestätigt auch die Drogeriekette dm. "Der Hersteller Milupa kann diese derzeit nicht ausreichend liefern", so Geschäftsführer Christoph Werner. "Deshalb können wir in unseren Märkten die Warenpräsenz nicht überall gewährleisten." Werner spricht von Hamsterkäufen der Kunden. Babymilch ist dementsprechend knapp – so knapp, dass dm die Abgabe von Aptamil-Produkten pro Person vorübergehend beschränkt. Auch bei Rossmann ist Babymilch von Milupa besonders gefragt. "Die Nachfrage nach ausgerechnet diesem Hersteller ist sprunghaft angestiegen", sagt Sprecherin Sina Balkau. Das Babymilchregal in der Bielefelder Rossmann-Filiale in der Niedernstraße weist große Lücken auf. Ein Info-Zettel weist die Kunden auf eventuelle Lieferengpässe hin. "Wir beschränken aber nicht die Ware pro Kunde." Dass in einigen Geschäften die Ware ausverkauft ist, beschreibt Milupa-Sprecher Stohl als eine Situation, mit der er mehr als unglücklich ist. Um der steigenden Nachfrage zu begegnen, hat das Werk Fulda seine Kapazität erhöht. "Wir produzieren dort nun im Drei-Schichten-Betrieb 360 Tage im Jahr." Zudem gehe in den kommenden Tagen eine neue Produktionslinie an den Start.

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