Hans Bunte, Karl Heinrich Godejohann, dessen Frau Edith, Margarete Rugen, Ursula Krüger und Chorleiter Jürgen Oberschelp (von links) reden über die Erlebnisse im Bielefelder Kinderchor. - © FOTO: ANDREAS FRÜCHT
Hans Bunte, Karl Heinrich Godejohann, dessen Frau Edith, Margarete Rugen, Ursula Krüger und Chorleiter Jürgen Oberschelp (von links) reden über die Erlebnisse im Bielefelder Kinderchor. | © FOTO: ANDREAS FRÜCHT

Bielefeld "Das war unsere Jugend und unsere Familie"

Der Bielefelder Kinderchor besteht seit 80 Jahren / Erinnerungen an die Gründerzeit

Bielefeld. 80 Jahre sind eine sehr lange Zeit. Vieles hat sich seit 1932 verändert – aber auch nicht alles. "Das Zusammengehörigkeitsgefühl ist noch das Gleiche wie damals", glaubt Karin Oberschelp (69), Frau des Leiters des Bielefelder Kinderchores Jürgen Oberschelp (74).

Der Chor, der jedes Jahr unzählige Menschen zum Weihnachtskonzert in die Oetker-Halle zieht, wurde 1932 gegründet. Eigentlich war es jedoch gar nicht die Absicht des Initiators Friedrich Oberschelp, einen Kinderchor ins Leben zu rufen. "Mein Vater sollte einen Stadtchor gründen", sagt Jürgen Oberschelp, seit 1971 Leiter des Chores. "Er gab Chor-Ausweise in Auftrag. Da der Drucker jedoch nicht wusste, wie der Chor heißen sollte, schrieb er eigenständig ,Bielefelder Kinderchor’." Ein Zufall also, der den ersten gemischten Kinderchor Deutschlands hervorbrachte.

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Nur drei Jahre später, im Jahr 1935, traten Ursula Krüger (87), damals noch Ulla Temming, und Margarete Rugen (86), geborene Krause, dem Sängerkreis bei. "Unsere Musiklehrerin hatte uns das vorgeschlagen", so Rugen.

Im Jahr 1938 wurde auch Karl Heinrich Godejohann (84) Mitglied und erinnert sich noch gut an die Zeit. "Friedrich Oberschelp verlangte sehr viel", sagt er. "Er erwartete 100-prozentige Disziplin, ob als Mathelehrer oder im Chor." Doch das schränkte die Zuneigung der Mitglieder zu ihrem Chorleiter nicht ein. "Für viele Kinder war mein Schwiegervater in der Zeit, in der so viele Männer gefallen waren, eine Art Vaterersatz," sagt Karin Oberschelp.

Krüger, Rugen und Godejohann treffen sich heute noch und tauschen Erinnerungen aus. "Früher waren wir eine große Gruppe, haben Fahrten gemacht oder waren wandern", sagt Godejohann und fügt schmunzelnd hinzu: "Wir sind uns einig – wenn wir weniger als drei sind, geben wir auf."

Zu der Zeit, in der Krüger und Rugen schon Mitglied des bekannten Chores waren, wurde Hans Bunte geboren – im Jahr 1936. Er trat dem Chor 1948 bei. Inzwischen ist seine Familie in der dritten Generation in der Singgemeinschaft vertreten. "Mein ältester Sohn hat seine heutige Frau im Chor kennengelernt", sagt er. "Zwei meiner Enkeltöchter waren Mitglied, momentan singt das dritte Mädchen, die zehnjährige Sveja, mit."

Schnell geraten die vier bei einer Tasse Kaffee ins Schwärmen. Krüger und Rugen sangen bereits beim Weihnachtskonzert 1935 mit – damals schon in der Oetker-Halle. "Ich habe noch immer die Noten zu Liedern wie ,Der Weihnachtsmann stapft durch den Schnee’ oder ,Auf dem Berge da geht der Wind’", sagt Krüger. In Letzterem musste allerdings während der Kriegsjahre "Maria" durch "die Mutter" ersetzt werden, denn der Chor wurde – wie andere Vereine – in die Hitlerjugend eingegliedert. Auch die Kieler-Blusen wichen in dieser Zeit den HJ-Uniformen.

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