Klaus-Peter Schöppner, Geschäftsführer des Meinungsforschungsinstituts Emnid. - © FOTO: BARBARA FRANKE
Klaus-Peter Schöppner, Geschäftsführer des Meinungsforschungsinstituts Emnid. | © FOTO: BARBARA FRANKE

Bielefeld "Frauen sind authentischer"

INTERVIEW: Klaus-Peter Schöppner über den Wettstreit der Bundestagskandidatinnen

Bielefeld. Im Rennen um das Bielefelder Bundestagsmandat ergibt sich eine außergewöhnliche Konstellation: Vier große Parteien vertrauen für den Wahlkampf 2013 auf weibliche Kandidaten. Für die CDU will Lena Strothmann ihr Direktmandat verteidigen, die Grünen setzen auf Britta Haßelmanns Erfahrung. Mit Christina Kampmann wagt die SPD einen Neuanfang und auch die liberale Jasmin Wahl-Schwentker tritt erstmals an. Die Linke bestimmt ihren Kandidaten im Januar. Über den Wahlkampf des Kandidatinnen-Quartetts sprach NW-Redakteur Nico Buchholz mit Meinungsforscher Klaus-Peter Schöppner.

Herr Schöppner, warum schicken gleich vier große Parteien in Bielefeld weibliche Kandidaten ins Rennen?
KLAUS-PETER SCHÖPPNER: Es gibt einen Paradigmenwechsel in der Politik: weg von der männlichen Durchsetzungsfähigkeit, hin zu Vertrauen und Glaubwürdigkeit. Die Bürger bekommen ein Gefühl, dass die Welt mittlerweile so komplex geworden ist, dass auch Politiker sie nicht mehr durchschauen. Der Politiker, der sich früher als kompetenter Macher gab, wie etwa Gerhard Schröder, ist nicht mehr glaubwürdig. Gewählt wird der Ehrliche, Einfühlsame.

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Also fühlen sich die Menschen mit Frauen sicherer?
SCHÖPPNER: Die Wähler fühlen sich erstmal bei dem Politiker besser aufgehoben, der nicht diese Ellenbogenmentalität an den Tag legt, sondern der deutlich macht: ,Ich weiß auch nicht immer alles, aber ich versuche, das Beste, möglicherweise überparteilich, zu erreichen’. Ellenbogenmentalität sind die Wähler absolut leid. Das führt dazu, dass ein weiblicher Politstil attraktiver ist. Die Deutschen, also auch die Bielefelder,  wollen eine Art weiblichen Politikverständnisses. Empathie, Wir - Gefühl, Kümmern.  Auch ein Mann könnte diesen Stil des Miteinander verkörpern.

Erwartet uns in Bielefeld also ein Kuschelwahlkampf?
SCHÖPPNER: Es gibt darüber interessante Untersuchungen: Demnach entscheiden Frauen viel stärker im Team, während Männer sich selbst eher in Szene setzen. Es kann also durchaus sein, dass wir diese Haltung, diesen Stil des Miteinander, auch im Bundestags-Wahlkampf in Bielefeld sehen.

Sie haben bei Männern von der "Macherrolle" gesprochen. Wie inszenieren sich Frauen in Wahlkämpfen?
SCHÖPPNER: Frauen suchen eine Gemeinschaft, auch über Parteigrenzen hinweg. Hannelore Kraft ist beispielsweise selten ganz allein aufgetreten, sondern mit der Grünen Sylvia Löhrmann. Die einzige Frau, die eher einen männlichen Politstil pflegt, ist Angela Merkel. Allerdings muss in Berlin und der Weltpolitik mit raueren Bandagen gefochten werden.

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