Bielefeld "Das schockiert mich"

INTERVIEW: Paula Kalenberg, Schauspielerin und Mädchenhaus-Schirmherrin

Bielefeld. Sein 25-jähriges Bestehen feiert heute das Mädchenhaus mit 200 Gästen im Rathaus. Die Bielefelder Einrichtung ist bundesweite Zufluchtstätte für Mädchen mit Gewalterfahrung. Schirmherrin des Mädchenhauses ist seit 2007 Paula Kalenberg. NW-Redakteurin Heidi Hagen-Pekdemir sprach mit der Schauspielerin über ihr Ehrenamt.

Fünf Jahre Engagement fürs Mädchenhaus – was haben Sie in dieser Zeit konkret für diese Einrichtung getan? Ihr Foto ist auf Plakaten und Flyern des Mädchenhauses ja immer wieder zu sehen.
PAULA KALENBERG:
Meine Aufgabe für das Mädchenhaus besteht darin, auf die engagierte Arbeit der Mitarbeiterinnnen des Mädchenhauses hinzuweisen. Ich stehe im ständigen Kontakt zu den Frauen hier und weiß, wie viel diese leisten. Außerdem kann ich auf diese Weise den von Gewalt betroffenen Mädchen eine öffentliche Aufmerksamkeit verschaffen, ohne dass deren Anonymität gefährdet wird. Auch an Straßensammlungen beteilige ich mich.

Information

ZUR PERSON

Paula Kalenberg

- Geboren am 9. November 1986 in Dinslaken

- Erste Filmrolle als Waldorf-Schülerin in Bielefeld

- 2003 Hauptrolle in der Tatort-Folge "Bermuda"

- 2006 als Luise Miller in Leander Haußmanns Verfilmung von Kabale und Liebe

- Rollen in den Kinofilmen "Krabat" und "Die Wolke"steigerten ihre Bekanntheit

- Außerdem Auftritte in TV-Serien wie "Wilsberg", "Bloch" und "Heiter bis tödlich: Nordisch herb"
sowie in Xaver Schwarzenbergers ARD-Film "Clarissas Geheimnis"

- Kalenberg lebt in Berlin

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Hat sich innerhalb der vergangenen fünf Jahre, während Ihrer Amtszeit also, die Situation des Mädchenhauses in irgendeiner Weise verändert?
KALENBERG:
Als ich damals gefragt wurde, ob ich die Schirmherrschaft übernehme, waren kurz zuvor die Mittel fürs Mädchenhaus gekürzt worden. Seitdem hat sich nichts verändert. Und das schockiert mich. Die finanzielle Decke des Mädchenhauses ist heute so knapp wie damals. Gesellschaftlich macht es keinen Sinn, bei uns jungen Menschen zu sparen.

Mal abgesehen von den Finanzen, es werden sich doch wohl neue Inhalte ergeben haben?
KALENBERG:
Aber ja, beispielsweise das Projekt Porto Amâl, das ebenfalls meine Unterstützung hat. Dieser Hafen der Hoffnung, so die Übersetzung, nimmt Flüchtlingsmädchen aus allen Ländern der Welt auf. Die Mitarbeiterinnen dort beherrschen elf Sprachen.

Welche Aufgaben kommen als Nächste aufs Mädchenhaus zu?
KALENBERG:
Das große Thema heißt Inklusion. Wie ich von Mädchenhaus-Geschäftsführerin Birgit Hoffmann erfahren habe, sind die Mitarbeiterinnen dabei, ihr Angebot auf behinderte Mädchen zu erweitern. Das wird alle Beteiligten noch jahrelang beschäftigen. Einer Studie der Universität Bielefeld zufolge ist fast jede zweite körperlich behinderte Frau schon mal Opfer sexueller Übergriffe geworden. Danach sind Frauen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen zwei bis dreimal häufiger Opfer von Missbrauch als der weibliche Bevölkerungsdurchschnitt. Unvorstellbar, was die Öffnung für diesen Kreis für die Mädchenhaus-Mitarbeiterinnen bedeutet. Abgesehen von der behindertengerechten Ausstattung der Anlaufstellen, die viel Geld kostet.

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