Bielefeld Bedenken gegen Schulexperiment

"Primus"-Projekt heute Thema in Arbeitsgruppe

Bielefeld. Das Schulministerium will 15 Schulen in NRW die Möglichkeit geben, am Projekt "Primus" teilzunehmen – Ziel ist, weitere Erkenntnisse über das längere gemeinsame Lernen von Klasse eins bis zehn zu gewinnen. Heute Nachmittag diskutiert die Bielefelder Arbeitsgruppe Schulentwicklungsplanung (bestehend aus Elternvertretern, Politik und Verwaltung), ob eine Bielefelder Bewerbung sinnvoll ist. Tenor vorab: Eher nein.

Mit dem Ende 2011 verabschiedeten Schuländerungsgesetz hat der Landtag NRW die Möglichkeit zum Zusammenschluss von weiterführenden Schulen mit Grundschulen als Schulversuch geschaffen. Hier sollen Schüler von der ersten bis zur zehnten Klasse gemeinsam unterrichtet werden. Der Versuch soll ermitteln, welche Auswirkungen das längere gemeinsame Lernen auf Lernverhalten, Leistungsentwicklung und Sozialverhalten der Schüler hat – und ob man sie damit zu besseren Abschlüssen führen kann.

"Dieses Modell hat etwa für ,Spätzünder’ den Vorteil, dass sie sich in aller Ruhe weiterentwickeln können und nicht nach vier Schuljahren womöglich in die für sie falsche Schulform wechseln", erläutert Georg Müller, Leiter des Bielefelder Schulverwaltungsamtes, einen der Vorzüge des Modells. "Auch bildungsferne Familien, in denen die Eltern ihre Kinder bisweilen automatisiert an der Hauptschule anmelden, würden gebremst und die Kinder später möglicherweise eher im Sinne ihrer Fähigkeiten untergebracht."

Dennoch hält Müller eine Bewerbung Bielefelds nicht für sinnvoll. "Wir haben mit der Laborschule bereits eine Schulform, in der Kinder bis zur zehnten Klasse gemeinsam unterrichtet werden. Außerdem fehlt es uns an geeigneten Standorten."

Vorgabe des Ministeriums ist, dass die zusammenzuschließenden Schulen räumlich nah beieinander liegen. "Da kommen ohnehin nur zwei Standorte in Frage." Welche das sind, wollte Müller gestern noch nicht verraten. In Gütersloh ist das Modellprojekt jüngst gescheitert – die Anmeldezahlen waren zu gering. Auch in Minden fehle es offenbar am entsprechenden Elternwillen.

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