OWL Kehraus für das Monopol der Schornsteinfeger

Ab 2013 freier Wettbewerb im Schornsteinfegergewerbe / Preise könnten steigen

Freier Wettbewerb im Schornsteinfegergewerbe - © OWL
Freier Wettbewerb im Schornsteinfegergewerbe | © OWL

Bielefeld. Den Schornsteinfegern bot die Innung in OWL dieses Jahr besondere Fortbildungsangebote: Kurse in Betriebswirtschaft. Die Kehrbranche bereitet sich auf die freie Wirtschaft vor. Denn ihr althergebrachtes Monopol wird zum 1. Januar weggefegt. Dann sollen externe Firmen den Wettbewerb um Ruß, Asche und Dreck ankurbeln.

Dann dürfen Heizungsbauer oder Klempner ebenfalls Kehrarbeiten anbieten. Außerdem werden die 196 Bezirksschornsteinfeger in Ostwestfalen-Lippe zu Konkurrenten. Neuland für die Herren der Kehrbezirke, die bislang friedlich die Gebühren untereinander aufteilten. "Wenn der erste Kollege dem anderen drei Straßen abgenommen hat, könnte es schwierig werden", ahnt Peter Silbermann, Obermeister der Schornsteinfeger-Innung OWL.

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Interessiert können Hausbesitzer das Ende einer Ära verfolgen. "Zehn Minuten Arbeit, dafür 60 Euro, darüber ärgern sich viele Eigentümer", sagt Jürgen Upmeyer, Geschäftsführer von Haus und Grund OWL. Die Eigentümergemeinschaft verwaltet 3.600 Wohnungen in der Region. Es gebe bereits Anbieter, "die mit den Hufen scharren", sagt Upmeyer. Etwa Sanitärfirmen, die ihren Service ergänzen wollen. Über eines aber seien sich die Hauseigentümer einig: Man wolle keine "Billiganbieter".

Wenig Raum für Preiskämpfe

"Der Wettbewerb wird sich langsam entwickeln", sagt Obermeister Silbermann, selbst Bezirksschornsteinfeger in Horn-Bad Meinberg (Kreis Lippe). Während es in Städten wie Bielefeld mit 27 Kehrmeistern schneller echten Wettbewerb geben könnte, scheinen ländliche Bezirke wenig verlockend. Hier muss mit weiten Anfahrtswegen kalkuliert werden. Und mit den Gewohnheiten der Hausbesitzer. Die meisten Kunden würden dem angestammten Kehrmann die Treue halten, glaubt der Obermeister.

Die Kehrbranche bereitet sich auf die freie Wirtschaft vor. Denn ihr althergebrachtes Monopol wird zum 1. Januar weggefegt. - © FOTO: DPA
Die Kehrbranche bereitet sich auf die freie Wirtschaft vor. Denn ihr althergebrachtes Monopol wird zum 1. Januar weggefegt. | © FOTO: DPA

Es gebe außerdem wenig Raum für Preiskämpfe. Wirklich? Silbermann rechnet vor: Ein Kehrbezirk habe bislang jährlich etwa 135.000 Euro Umsatz abgeworfen. Das ergab nach Abzug der Betriebskosten ein Einkommen von rund 50.000 Euro für den Bezirksschornsteinfeger – Sozialabgaben noch nicht abgerechnet.

Die Nachfrage nach Qualifizierungsangeboten für Neueinsteiger ist jedenfalls überschaubar. An der Fachhochschule Dülmen – die einzige Akademie für Schornsteinfeger in NRW – haben sich laut Verwaltung bislang zwölf Heizungsbauer weiterbilden lassen. Und die für Zulassungen zuständige Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld bekam "ganz wenig Anfragen", sagt Pressesprecher Siegfried Mühlenweg. Man erwarte 2013 "keine Antragsflut".

Das Ende des Monopols könnte anfangs sogar die Kosten gering steigen lassen. Bezirksschornsteinfeger sind weiter für Brandschutz in ihrem Revier zuständig. Weil sie auch künftig überwachen, ob jeder Hausbesitzer Kontrollfristen einhält, aber nicht mehr zwingend überall fürs Kehren bezahlt werden, verlangt die Branche Entschädigung. Anfang Dezember entscheidet ein Bund-Länder-Ausschuss über neue Gebührensätze. Teurer wird vermutlich die Kontrolle von Feuerstätten. Die dürfen weiter nur Bezirksschornsteinfeger vornehmen. Die Prüfung ist im Schnitt alle 3,5 Jahre fällig. Die Gebühr liege meist bei rund 20 Euro, sagt Obermeister Silbermann. Schön wären "fünf bis sieben Euro mehr".

Erst auf lange Sicht dürften die Kosten sinken – um etwa zehn Prozent binnen fünf Jahren, schätzt Silbermann. Spätestens 2015 kommt große Bewegung in die Branche. Dann werden rund drei Viertel der Kehrbezirke in OWL neu vergeben. Viele ältere Kollegen dächten an den vorzeitigen Ruhestand, sagt der Obermeister. "Die wollen sich das nicht mehr antun."
      

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