Bielefeld Zu alt: 74-jähriger Bielefelder ist enttäuscht vom ADAC

Rudolf Blumtritt (74) wollte günstig versichert werden

Das war der ADAC für Rudolf Blumtritt – bis er versuchte, in den Eco-Tarif der Autoversicherung zu wechseln. Das wurde ihm verwehrt. Er sei nun einmal über 70. - © FOTO: KURT EHMKE
Das war der ADAC für Rudolf Blumtritt – bis er versuchte, in den Eco-Tarif der Autoversicherung zu wechseln. Das wurde ihm verwehrt. Er sei nun einmal über 70. | © FOTO: KURT EHMKE

Bielefeld. Es geht ihm nicht um die 35 Euro, die er jährlich sparen könnte. Es geht ihm um mehr. Jahrzehnte war und ist er dem ADAC eng verbunden, kameradschaftlich, wie er sagt. Ehrenamtlich hat er sich reingehängt, hat Motorradrennen organisiert. Weltmeisterschaften. Natürlich ist Rudolf Blumtritt auch über den ADAC autoversichert – und wollte jetzt, nach 50 Jahren ohne Unfall, in den günstigeren Eco-Tarif wechseln. Das geht nicht. Der 74-Jährige ist dem ADAC zu alt. Ein anderes Versicherungsunternehmen hat ihn gerne genommen.

Beim ADAC kann Pressesprecher Ralf Collatz einerseits die Enttäuschung von Blumtritt verstehen, anderseits sagt er: "Das Eine ist der Clubbereich, das Andere der Versicherungsbereich." Nach anfänglichen Zweifeln an einem Ausschlussalter recherchiert Collatz intern und gibt zu: "Ja, beim Eco-Tarif gibt es diese Grenze tatsächlich." Statistisch gesehen seien Fahrer über 70 Jahren zwar seltener an schweren Unfällen beteiligt, dafür aber häufiger an kleineren Schäden. Collatz betont, dass es die Altersgrenze nur beim Eco-Tarif mit seinen eingeschränkten Leistungen gibt.

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Das klingt irgendwie anders

Senioren und Autofahren? Dazu der ADAC im Internet:
Die Forderung nach Fahrtauglichkeits-Tests insbesondere mit der Unfallbeteiligung älterer Kraftfahrer zu begründen, entbehrt jeglicher Grundlage. "Die offiziellen Unfallzahlen des Statistischen Bundesamtes geben den angeblichen Trend ... in keiner Weise wieder", so Ulrich Klaus Becker (ADAC). Autofahrer über 65 Jahre sind lediglich in 13 Prozent aller Fälle Verursacher eines Unfalls mit Personenschaden. Bei einem Bevölkerungsanteil von 20 Prozent liegen Senioren damit weit unter dem Schnitt anderer Altersgruppen.

"Ältere Verkehrsteilnehmer besitzen lebenslange Erfahrung am Steuer. Altersbedingte Leistungseinbußen können sie durch Besonnenheit und Ruhe wettmachen", sagt Becker. Als Radfahrer und Fußgänger sind Senioren sehr viel häufiger sogar Opfer, statt Verursacher.


www.adac.de/infotestrat/adac-im -einsatz/motorwelt/Senioren.aspx

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Blumtritt ist dennoch enttäuscht von seinem ADAC, dem er so lange schon die Treue hält. "Mir tut das weh, ich habe die Motorrad-WM im Trial in München betreut, ich war Jugendtrainer in Bielefeld, in den 70er Jahren habe ich die Nationalmannschaft quer durch Europa geführt – und da gab es kein Kilometergeld." Von der alten Kameradschaft, die er beim ADAC erlebt habe, sei sein Ausschluss aus der Versicherung sehr weit weg.

"Er hätte sagen müssen, dass er Bestandskunde ist"

Blumtritt: "Ich fühle mich diffamiert, ich frage mich, ob man mich als Kunden überhaupt wegen des Alters ausgrenzen darf." Zumal er in den Versicherungsbedingungen keinen Hinweis auf eine Über-70-Sperre habe finden können. Collatz rechtfertigt "unpopuläre Maßnahmen" mit dem großen Preiskampf im Versicherungsgeschäft, "da ist alles spitz auf Knopf gerechnet, und das nicht nur beim ADAC".

Endgültig auf die Palme bringt Blumtritt dann diese Aussage von Pressesprecher Ralf Collatz: "Hätte er doch den Tarifwechsel bloß nicht nur über das Internet versucht, sondern sich persönlich gemeldet, dann hätten wir ihn selbstverständlich über Kulanz im Eco-Tarif versichert." Das Internet registriere ja leider nicht, dass da ein langjähriges, verdientes Mitglied anfrage. "Er hätte sagen müssen, dass er Bestandskunde ist."

Rudolf Blumtritt wurde 1982 noch für ehrenamtlichen Einsatz geehrt. - © FOTO: KURT EHMKE
Rudolf Blumtritt wurde 1982 noch für ehrenamtlichen Einsatz geehrt. | © FOTO: KURT EHMKE

Blumtritt wütend: "Natürlich habe ich persönlich in Bielefeld angerufen, mit der Versicherungsabteilung gesprochen und mein Anliegen erklärt." Ergebnis: "Die wollten mich nicht." Damit stehe er nicht alleine da, so Blumtritt: "Etlichen älteren ADAC-Kollegen ist es da genauso ergangen." Er wird in seinem Ärger sehr deutlich: "Das ist doch wirklich eine Schweinerei."

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