Beim vierten Senner Schlittenhunderennen gingen die Musher vor allem mit Vierer- und Sechserteams ins Rennen. Für die großen Gespanne war es bei Temperaturen um 20 Grad zu heiß für den Galopp im Winterpelz. - © FOTO: CHRISTINE PANHORST
Beim vierten Senner Schlittenhunderennen gingen die Musher vor allem mit Vierer- und Sechserteams ins Rennen. Für die großen Gespanne war es bei Temperaturen um 20 Grad zu heiß für den Galopp im Winterpelz. | © FOTO: CHRISTINE PANHORST

Mit voller Kraft durchs Herbstgold

Viertes Schlittenhunderennen heizt Gespannen ein / Doppelstarts beim Kinderrennen

VON CHRISTINE PANHORST

Senne. Leithund Akki von Musher Herbert und Giesela Thinnes wirft sich nach vorne. Im Achterteam führt die Hündin ihre sprintenden Rudelgenossen durch das bunte Herbstlaub an, mit hängenden Zungen und windschnittig nach vorne gesenkten Köpfen. Eigentlich könnten die ausdauernden Tiere noch viel schneller laufen, bis zu 40 Stundenkilometer. Aber es ist einfach zu warm. "Selbst morgens um neun scheint heute die Sonne den Tieren schon ordentlich aufs Fell. Wir haben es deshalb langsamer angehen lassen", sagt Giesela Thinnes.

Das konnte das Team auch. Denn beim Rennen um den Jalou-City-Wanderpokal, ging Herbert Thinnes konkurrenzlos schon als Gewinner an den Start. Der Cup, der bei den "Jalou-City Open 2012", dem vierten Senner Schlittenhunderennen, eigentlich wieder in der offenen Klasse für Wagen mit mehr als acht Hunden vergeben werden sollte, ging an den erfahrenen Musher aus dem Nettetal, der als einziger Teilnehmer acht seiner 16 mitgereisten Hunde ins Geschirr spannte. Rund 30 Teams hatten kurzfristig abgesagt. Der Grund: das "zu schöne" Wetter.

Information
Schäferstunde

Auch nachmittags mussten die Veranstalter improvisieren. Der Schäfereinsatz von Ulf Helming und Michael Krumme, die Vorführungen der Hundestaffel des DRK und der Hundenothilfe OWL wurden verlegt, damit es für die Zuschauer auch nach dem vorgezogenen Rennschluss um 14 Uhr noch viel zu sehen gab.

Die DRK-Hundeführer zeigten eindrucksvoll, wie ihre Tiere Verletzte aufspüren. Noch ein bisschen unkonzentriert war der Neuzugang der Truppe, Hündin Fenja. Ihre zierliche Hundekollegin "Gilli" spielte nach der Vorführung noch Verstecken mit den jüngeren Rennbesuchern, die sie mit sicherer Nase sofort fand. (cpa)

"Für die großen Hundeteams, die aus ganz Deutschland anreisen, lohnt es sich nur zu kommen, wenn die Tiere dann auch einen Trainingseffekt haben", erklärte Rennleiter Rudi Ropertz. Er hatte die Streckenführung für die Gespanne verkürzen müssen. Denn Sonnenschein und anhaltend sommerliche Temperaturen um 20 Grad sorgten zwar für einen wunderschönen goldenen Oktober entlang der Rennstrecken, "aber für den Hundesport ist das einfach zu warm", erklärte Rennleiter Rudi Ropertz.

"Die Einzelläufe sind unproblematisch, das macht jedes Tier, so schnell es kann. Aber im Gespann kann ein schwächeres Tier, wenn es überhitzt, nicht das Tempo drosseln und wird dann mitgezogen." Die Rennleitung und die Veranstalter, Senner Gemeinschaft, Bezirksverwaltung Senne und Hunde-Sportverein Münsterland, waren sich daher am Freitag einig: "Der Tierschutz geht vor."

75 Teilnehmer insgesamt starteten in den unterschiedlichen Kategorien. Die einen spannten Husky & Co. im Team vor den Wagen oder einzeln und im Paar vor Räder (Klasse Bikejöring) und Roller (Scooter-Klasse). Andere schwitzten mit den Hunden im Dauerlauf über zwei Kilometer (Klasse Cani-Cross). Bei diesem "Gassi-Sprint" wirkten einige Vierbeiner noch etwas orientierungslos. "Viele starten heute einzeln mit Hunden, die sonst im Team teilgenommen hätten. Die Tiere sind das nicht gewöhnt", erklärte Ropertz die holprigen Starts. Für den mehrfachen Welt- und Europameister ging Leithund Lance ins Cani-Cross-Feld. Doch auch der erfahrene Rüde wollte bei seinem ersten Start mit einem Musher zu Fuß zunächst die Zuschauer rechts und links begrüßen.

Während die Herbstsonne Mushern und Hunden auf den Pelz rückte, genossen mehr als 2.000 Rennbesucher, die die Parcoursstrecken an beiden Renntagen säumten und lautstark ihre Favoriten anfeuerten, das perfekte Draußen-Wetter. Beim Kinderrennen gab’s rund 45 Anmeldungen spontaner Nachwuchsteilnehmer – ein neuer Rekord in Senne. "Wir mussten sogar Doppelstarts machen und andere Rennteilnehmer auffordern, kinderliebe Tiere zur Verfügung zu stellen, weil es nicht reichte", erzählt Ropertz. Die Schwestern Nina und Lisa hatten vorgesorgt und sich ihre Hunde zu Hause ausgeliehen: bei der Oma und der Nachbarin.

Copyright © Neue Westfälische 2017
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group