Florian Lier (links) und Frank Hegel von der Universität Bielefeld haben den menschenähnlichen Roboter iCub umfangreich auf die Dreharbeiten für den Dortmunder Tatort, der am Sonntag läuft, vorbereitet. - © FOTO: CHRISTIAN WEISCHE
Florian Lier (links) und Frank Hegel von der Universität Bielefeld haben den menschenähnlichen Roboter iCub umfangreich auf die Dreharbeiten für den Dortmunder Tatort, der am Sonntag läuft, vorbereitet. | © FOTO: CHRISTIAN WEISCHE

BIELEFELD Ein Roboter als Fernsehstar

Der "iCub" von der Uni Bielefeld hat eine Rolle im Dortmunder Tatort bekommen

VON LEONIE MOLLS

Bielefeld. Zu Kopf gestiegen ist ihm sein Erfolg als Schauspieler offenbar nicht – noch immer steht iCub brav in seinem Labor und schaut jeden Besucher freundlich mit seinen großen Augen an. Der Roboter, der in der Universität Bielefeld beheimatet ist, hat eine kleine Rolle im ersten Dortmunder Tatort, der am Sonntag läuft (ARD, 20.15 Uhr).

"Wir sind von den Machern der Krimiserie angesprochen worden, weil eine Szene in einem Technologiezentrum spielt, in dem an menschenähnlichen Robotern geforscht wird," sagt Frank Hegel von der Universität Bielefeld, die bekannt ist für Roboterforschung. "Bielefeld ist ein spannender Ort, um derartige Systeme zu studieren. Wir haben praktisch einen ganzen Roboter-Park und sind für die Entwicklung von Robotern deutschlandweit bekannt."

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Aylin Tezel

Der iCub ist nicht der einzige Schauspieler aus Ostwestfalen, der am Sonntag im neuen Dortmunder Tatort mitspielt. Auch die Bielefelderin Aylin Tezel wird zu sehen sein. Sie spielt die ehrgeizige Kriminaloberkommissarin Nora Dalay, die als Kind einer deutsch-türkischen Familie in Dortmund geboren wurde. Dort lebt sie seit vielen Jahren in der Nordstadt und engagiert sich für bessere Lebensbedingungen in dem sozialen Brennpunkt "Natürlich habe ich mich riesig gefreut, in meinem Alter die Rolle einer Kommissarin beim Tatort angeboten zu bekommen," sagt sie. "Als Vorbereitung auf meine Rolle habe ich unter anderem ein Praktikum bei der Bielefelder Polizei gemacht. Da war ich mit auf Streife und habe ein kleines Schießtraining gehabt."

Im wahren Leben wurde sie 1983 in Bünde geboren. Ihr Vater, Dr. Necmettin Tezel, ist Frauenarzt in Sennestadt. Bekannt wurde sie unter anderem durch den Kinoerfolg "Almanya – Willkommen in Deutschland". In der mehr als 40-jährigen Geschichte der ARD-Krimireihe wird im ersten Dortmunder Tatort erstmals eine vierköpfige Kommissar-Gruppe auf Verbrecher-Jagd geschickt.

Aylin Tezel wird mit ihren Kollegen Jörg Hartmann, Anna Schudt und Stefan Konarske an diesem Sonntag im Tatort zu sehen sein.


Aylin Tezel wird im ersten Dortmunder Tatort zu sehen sein.
Aylin Tezel wird im ersten Dortmunder Tatort zu sehen sein.

Und so haben vier Forscher des CITEC und CoR-Lab der Uni – neben Hegel auch Florian Lier, Simon Schulz und Lars Schillingmann – den iCub in einer Transportbox zu den Dreharbeiten nach Dortmund gebracht. "Das war ein sehr spannendes und herausforderndes Projekt für uns", sagt Florian Lier. "Zwar hatten wir schon öfter Fernsehteams zu Gast, mussten den Roboter aber nur selten aus dem Labor herausbewegen. Wir wussten nicht, wie die Lichtverhältnisse sind und wie viele Leute dort vor Ort sein werden." Die eingesetzte Infrarottechnik zur Erkennung von Interaktionspartnern etwa hätte Probleme bereiten können.

In der Tatort-Folge geht es um den Mord an einem Studenten. iCubs Auftritt: Die Ermittlerin befragt eine Tat-Zeugin, während ihr Kollege mit dem Roboter spielt. "Die schwierige Aufgabe war, dass der iCub den Kommissar imitieren sollte," sagt Hegel. Dafür musste die Software für den Roboter umfangreich vorbereitet, also programmiert, werden.

Am Ende waren alle Beteiligten mit den Leistungen von iCub zufrieden. "Leider ist das Material mit dem Roboter stark gekürzt worden. Wir hatten also zwei Wochen Arbeit und einen kompletten Drehtag für einen etwa fünfsekündigen Auftritt," sagt Hegel. Und noch ein weiterer Protagonist der Uni Bielefeld, der Roboterkopf Flobi, spielt im Dortmunder Tatort mit – allerdings wird er lediglich im Hintergrund zu sehen sein.

"Es wird immer mehr wahrgenommen, was bei uns in der Roboterforschung passiert", sagt Lier und bezeichnet das als sehr spannend. "Aber als Robotiker hat man das Problem, dass durch die Fernseh- und Kinolandschaft hohe Erwartungen bei den Menschen entstanden sind, die sich so technisch noch nicht realisieren lassen." Roboter wie ein "Data" in Star Trek seien in naher Zukunft nicht zu erwarten. "Aber wir arbeiten daran", sagt Lier.

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