An der Beckhausstraße, kurz vor dem Ortszentrum von Schildesche, stehen diese Container. Rechts sind reguläre Altglascontainer zu sehen, daneben in weiß ein Sammelbehälter des DRK. Dieses Modell dagegen steht ein wenig versteckt hinter allen anderen. - © FOTO: ANDREAS ZOBE
An der Beckhausstraße, kurz vor dem Ortszentrum von Schildesche, stehen diese Container. Rechts sind reguläre Altglascontainer zu sehen, daneben in weiß ein Sammelbehälter des DRK. Dieses Modell dagegen steht ein wenig versteckt hinter allen anderen. | © FOTO: ANDREAS ZOBE

BIELEFELD Neuer Kampf um alte Kleidung

In Bielefeld gibt es immer mehr Altkleidercontainer – nicht alle wurden genehmigt

Bielefeld. Leuchtend rote Aufkleber prangen auf einem Altkleidercontainer an der Marienfelder Straße in Quelle: Eine offizielle Aufforderung des städtischen Umweltbetriebs an die Aufsteller, ihre Sammelcontainer binnen zwei Wochen zu entfernen. Inzwischen ist der illegal aufgestellte Altkleidercontainer vom Eigentümer tatsächlich abgeholt worden. Das Problem allerdings bleibt.

Immer wieder nutzen bisweilen dubiose Anbieter die gestiegenen Preise auf dem Altkleidermarkt, um mit illegal auf Bielefelder Gebiet aufgestellten Containern Gewinne zu machen. Die Altkleidersammlung legt die Stadt Bielefeld seit Jahren in die Hand karitativer Träger: Arbeiter-Samariterbund, von Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel, Deutsches Rotes Kreuz, Johanniter Unfallhilfe und Kolpingwerk.

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Doch seit der Durchschnittspreis für ein Kilo Qualitäts-Altkleider von 20 bis 25 Cent im Jahr 2008 auf rund 40 Cent (2011) gestiegen ist, drängen gewerbliche Sammler in den Markt, so wie die Firma AFP, deren Container an der Marienfelder Straße stand.

Acht bis zehn gewerbliche Sammelunternehmen, schätzt Rainer Hempelmann vom Umweltbetrieb, stellen seit einiger Zeit illegal in der ganzen Stadt rund 100 Altkleidercontainer auf. Diese sind durchaus professionell gemacht und vermitteln, so Hempelmann, oft sogar den Eindruck, dass der Einwerfende mit seiner Kleiderspende ein richtig gutes Werk tut. "Aber die Betreiber füllen mit dem Erlös nur ihre eigene Tasche", weiß der Geschäftsbereichsleiter.

Viele dieser Sammelcontainer tauchen unvermittelt auf städtischen oder auch privaten Grundstücken auf. Dass dies illegal ist, wissen die Betreiber ganz genau, erklärt Hempelmann: "Die Leerung erfolgt bei Nacht und Nebel, unter den aufgeklebten Telefonnummern ist niemand zu erreichen, der Standort wird von Zeit zu Zeit gewechselt, und die sichergestellten Container holt auch keiner ab." Zur Zeit lagern 13 Stück im Wertstoffhof, nach drei Monaten werden sie verschrottet.

Kosten entstehen für Sicherstellung, Lagerung, dazu womöglich ein Verfahren wegen illegaler Nutzung der Flächen: Die Abholung käme den Besitzer teuer. "Einen gewissen Schwund bei den Containern ist sicher mit einkalkuliert", vermutet Hempelmann.

Gewerbliche Sammelcontainer, die mit Einverständnis der Grundeigentümer zum Beispiel auf Parkplätzen aufgestellt werden, sieht Hempelmann dagegen gelassen: "Das stört uns als Stadt Bielefeld nicht. Jeder Spender kann frei entscheiden, ob er einen karitativen oder einen gewerblichen Anbieter unterstützen möchte."

Mit dem am 1. Juni in Kraft getretenen Kreislaufwirtschaftsgesetz, das die Recyclingquote von Abfall, darunter fallen auch Altkleider, erhöhen helfen soll, haben die Kommunen neue Spielräume bekommen, könnten unter bestimmten Voraussetzungen sogar die Aufstellung gewerblicher Container auf Privatgrundstücken verhindern.

"Viele Kommunen versuchen gerade, kommunale Sammlungen zu installieren", berichtet Hempelmann. Die "Rekomunalisierung als Beitrag zur Haushaltskonsolidierung" beschreibt er aber als "rechtlich gefährlich": Die Stadt Hannover, die gemeinsam mit der Caritas kommunal Altkleider sammeln wollte, unterlag mit diesen Plänen bereits vor Gericht.

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