BIELEFELD Besucherrekord beim dritten Senner Schlittenhunderennen

165 nehmen an wilder Sause teil

VON ALEXANDRA BUCK
Während die Herrschaften vorne im Glied gewisse Unstimmigkeiten zu regeln versuchen, bleibt Rudi Ropertz (69, stehend) gelassen. Der Helm ist übrigens Pflicht. - © FOTO: ANDREAS FRÜCHT
Während die Herrschaften vorne im Glied gewisse Unstimmigkeiten zu regeln versuchen, bleibt Rudi Ropertz (69, stehend) gelassen. Der Helm ist übrigens Pflicht. | © FOTO: ANDREAS FRÜCHT

Bielefeld. Mit bis zu 40 Stundenkilometern jagen die Hunde-Gespanne an den Zuschauern vorbei. Wesentlich langsamer werden sie auf der gesamten Strecke nicht. Ein Kraftakt sondergleichen. Zumal bei frühlingshaften Temperaturen. Am frühen Nachmittag zieht Vize-Rennleiter Detlef Runau die Reißleine: Die 6,5-Kilometer-Strecke wird verkürzt. "Der Tierschutz geht vor."

Zum dritten Mal rennen in der Senne die Hundegespanne rund um den Schafstall am Schillingshof um die Wette. Und schon jetzt ist das Schlittenhunderennen im Bielefelder Süden eine Institution. Die Veranstalter, die Senner Gemeinschaft, die Bezirksverwaltung Senne und der Schlittenhunde-Sportverein Münsterland, dürfen die Deutsche Meisterschaft im schneefreien Schlittenhunderennen ausrichten. Mit internationaler Beteiligung.

Information

Wahl: Der schönste Hund

Neben den sportlich ambitionierten Wettbewerben darf natürlich der Schönheitsvergleich nicht fehlen. Weit über hundert Herrchen und Frauchen ließen am Wochenende ihre Hunde von Fotograf Ilja Meyer-Molnar ablichten. Es gilt, den schönsten Hund zu wählen.
Wieder mit dabei: Der Gewinner des vergangenen Jahres, "Nanuuk", ein kanadischer Schäferhund aus Löhne und sein stolzer Besitzer Klaus Stuke: "Für seine neun Jahre hat er sich wirklich gut gehalten." Schwierig sei es gewesen, einen solchen Hund zu bekommen. "In Deutschland gibt es nur sechs Züchter kanadischer Schäferhunde."
Die Fotos der Schönsten der Schönen sind ab morgen im Internet zu sehen. Unter www.schlittenhunderennen-senne.de kann, wer möchte, seine Stimme abgeben. Der Gewinn für den schönsten Hund: ein schicker Pokal mit Gravur.

165 Gespanne sind am Start, rund 5.000 Besucher säumen das Geläuf – ein Rekord. 2010 waren es 90, bei der Premiere vor zwei Jahren noch 50 Teilnehmer. "Diese Veranstaltung ist binnen kurzer Zeit zu einem der schönsten Rennen des Landes avanciert", sagt Rennleiter Rudi Ropertz. Und der muss es wissen. Der 69-Jährige hat so ziemlich alles gewonnen, was man in diesem Sport gewinnen kann.

Der Oberbürgermeister fährt mit

Dann kann ja nichts schiefgehen, mag Oberbürgermeister Pit Clausen gedacht haben, als er um Punkt 15.52 Uhr in Ropertz’ Wagen Platz nahm. Etwas durchgeschüttelt, aber auch erfrischt wirkte Clausen, als das Zwölfergespann wenige Minuten später durch das Ziel galoppierte.

Die Teilnehmer sind begeistert von der Strecke. Vanessa Bruchmann (21) aus Mönchengladbach fährt seit ihrem 13. Lebensjahr Rennen: "Eine toll zu fahrende Strecke mit wenig Engstellen", findet sie. "Auch die Organisation ist top."

Im Minutentakt starten die Gespanne auf der Wiese am Schillingshof-Schafstall. Die fleißigsten laufen mit ihren Hunden (Klasse "Carnicross"), die anderen lassen sich ziehen: Auf dem Fahrrad (Bikejoring), dem "Scooter", einer Art Roller, oder dem Wagen. Besonders herzig: Die Kinderklasse am Samstag. Kinder, die keinen Hund besitzen, durften sich ein besonders braves Exemplar aussuchen. "Sehr niedlich", attestierte Zuschauerin Angelika Grimmert, "aber vor allem sind die Kleinen teilweise sehr professionell".

"In Schnee und Eis ist aber Schluss mit lustig"

Wen das Rennfieber gepackt hat, den lässt es so schnell nicht wieder los. Vize-Rennleiter Detlef Runau: "Es beginnt immer mit der Hunderasse." Bei Runau war es ein Alaskan Malamute, auch Lokomotive des Nordens genannt. "Als der Hund da war, interessierte ich mich für die Heimat des Tieres – und die Hunderennen."

Schnell war Zuschauen nicht mehr genug. Runau kaufte weitere Hunde und stieg selbst als "Musher" auf den Wagen – und im Winter auf den Schlitten. 25 Jahre lang. Heute engagiert er sich als Rennleiter, ist im November für die Weltmeisterschaften in Borken verantwortlich. Ganz von dem Sport lassen, das ginge nicht, wenn man vom Virus infiziert sei.

Besonders die unermüdlichen Hunde, die sich für ihren Herrn durch Schnee und Schlamm kämpfen, faszinieren den Mann aus dem Münsterland. "Sicher kannst du auch einen Pudel vor den Wagen spannen. Spätestens in Schnee und Eis ist aber Schluss mit lustig." Den Husky hingegen jucke die Kälte nicht. "Der lässt sich bei minus 18 Grad einschneien, macht sich ein Atemloch frei, hält die Nase in den Wind und schlummert eine Runde."

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