Motorradfahrer der Biker-Union zogen gestern Mittag auf ihrer Sternfahrt-Demonstration über den Jahnplatz. Mit aufheulenden Motoren und lautem Gehupe sicherten sie sich die Aufmerksamkeit der wartenden Passanten. - © FOTO: REIMAR OTT
Motorradfahrer der Biker-Union zogen gestern Mittag auf ihrer Sternfahrt-Demonstration über den Jahnplatz. Mit aufheulenden Motoren und lautem Gehupe sicherten sie sich die Aufmerksamkeit der wartenden Passanten. | © FOTO: REIMAR OTT

BIELEFELD Biker-Konvoi auf dem Jahnplatz

Motorrad-Demonstration zieht über Bielefeld in Richtung Berlin

VON CHRISTOPH REIMERS

Bielefeld. Lederwesten, Sonnenbrillen und donnernde Motoren - auf ihrer Sternfahrt nach Berlin sind am Donnerstag rund 200 Biker durch Bielefeld gezogen.

Um kurz nach zwölf knattern die Motorradfahrer bei strahlendem Sonnenschein über den Jahnplatz. Die Demonstration wird von der Polizei Bielefeld mit Blaulicht eskortiert. Autos und Fußgänger müssen an grünen Ampeln ausharren. "Was passiert denn hier?", fragt Passantin Hannelore Loll.

"Mit der Sternfahrt demonstrieren wir alle zwei Jahre für unsere Rechte", sagt Thomas Redeker. Der 44-Jährige gehört zum Bielefelder Stammtisch der Biker-Union (BU). Die Vereinigung ist eine Art Dachverband der Deutschen Motorrad-Clubs und Veranstalter der Tour. Zu den Forderungen der diesjährigen Sternfahrer gehören die Anerkennung des Motorrades als umweltfreundliche Alternative im Individualverkehr und die Erlaubnis an stehenden oder langsam fahrenden Kolonnen vorbei zu fahren.

Außerdem kämpfen die Biker für einen Unterfahrschutz an Leitplanken. "Ein gestürzter Motorradfahrer rutscht sonst unter der Planke hindurch", sagt Redecker. Oder er knallt gegen einen Leitplanken-Pfosten. "Das ist mir selber schon passiert. Daher ist mir dieser Schutz ein besonderes Anliegen", sagt der IT-Spezialist. Bereits zum neunten Mal machen sich die Krad-Fahrer der Biker-Union auf den Weg, um zu demonstrieren. Der durch Bielefeld rollende Süd-West-Konvoi war am 23. August in Stuttgart gestartet. "Heute fahren wir bis Hannover. Dort schlafen wir bei einem Motorrad-Club," sagt Redecker

Von dort aus geht es dann weiter Richtung Hauptstadt, wo am 27. August die Abschlusskundgebung am Brandenburger Tor stattfindet. Daran beteiligt sich auch Jan Mücke, Staatssekretär aus dem Verkehrs-Ministerium.

"Einige unserer Ziele konnten wir schon durchsetzen", berichtet Redecker. Er wünscht sich jedoch einen noch höheren Organisationsgrad, um die Zweiradfahrer-Interessen besser zu wahren: "Bei uns ist ein Prozent der Biker organisiert, in Skandinavien sind es 40 Prozent Die haben ein ganz anderes Gewicht."

Neben konkreten Einzelforderungen will die BU auch auf ihr Image-Problem aufmerksam machen. "Motorradfahrer werden immer noch diskriminiert", sagt Redecker. Den schlechten Ruf der Motorrad-Clubs kann er nicht verstehen. "Auf Biker-Treffen ist es sicherer als auf jedem Schützenfest."

Motto der Vereinigungen sei: Gemeinsam fahren, gemeinsam feiern, gemeinsam kämpfen. "Letzteres natürlich nur im übertragenen Sinn", betont der Bielefelder. Mit zwielichtigen Rocker-Clubs wie den Hells Angels oder den Banditos will er sich nicht vergleichen.

Nach rund zwei Minuten war die Demo am Jahnplatz vorübergezogen. "Gott sei Dank", befand Hannelore Loll.

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