BIELEFELD - MIT VIDEO 500 Demonstranten verhindern Neonazi-Aufmarsch in Bielefeld

Zusammenstöße mit der Polizei im Hauptbahnhof

Die angereisten Rechtsradikalen kamen nur bis kurz vor den Bielefelder Hauptbahnhof. Die Polizei ließ sie nicht aus den Augen. - © FOTO: NW
Die angereisten Rechtsradikalen kamen nur bis kurz vor den Bielefelder Hauptbahnhof. Die Polizei ließ sie nicht aus den Augen. | © FOTO: NW

Bielefeld (sp/red). Die von Neonazis am Samstagabend in Bielefeld geplante Kundgebung ist nicht zustande gekommen. Etwa 500 Gegendemonstranten versperrten den Rechtsextremen am Hauptbahnhof den Weg für ihren geplanten Aufmarsch, so dass die 150 Vertreter aus der rechten Szene die Abreise antraten.

Auf dem Weg zurück zu den Gleisen kam es noch zu Tumulten und Zusammenstößen zwischen den Rechtsextremen und den aus ganz NRW angereisten Polizeibeamten. Nach Angaben von Augenzeugen setzten die Beamten auch Schlagstöcke und Reizgas ein.

Die Polizei hatte es zuvor als zu gefährlich angesehen, die für den Nachmittag genehmigte Gegendemonstration aufzulösen oder die Neonazis daran vorbei zu führen. Stattdessen boten die Beamten den Rechten an, ihre Kundgebung am Hauptbahnhof abzuhalten. Darauf gingen die Anführer der Gruppe nicht ein und sagten die Kundgebung ab. Stattdessen wollen sie angeblich eine neue Kundgebung in Bielefeld für den 24. Dezember anmelden.

Die Neonazis waren gegen 19 Uhr per Zug aus dem niedersächsischen Bad Nenndorf nach Ostwestfalen gekommen. In Bielefeld war ihre Kundgebung ursprünglich bis 22 Uhr angekündigt. 

Wortgefechte am Bahnhof

Die Rechtsextremen waren im Zug von Beamten der Bundespolizei begleitet worden. Nach ihrer Ankunft gegen 19 Uhr eskortierten weitere Polizeibeamte die Gruppe, die aus zahlreichen Männern und vereinzelten Frauen bestand, am Haupteingang vorbei. Nationale und ausländerfeindliche Parolen grölend, kamen sie jedoch nur bis zur Radstation des Bahnhofs. Dennoch kam es auch von dort zu Wortgefechten zwischen Demonstranten der linken und rechten Szene.

Der Eingang des Bielefelder Hautbahnhofs war zeitweise durch Polizeibeamte und -bullis abgesperrt, für Reisende war er jedoch jederzeit nutzbar.

Die Herforder Straße war wegen der Demonstrationen zwischen Nahariyastraße und Willy-Brandt-Platz zwischen 18.30 Uhr und 20.30 Uhr gesperrt. An Sachbeschädigungen registrierte die Polizei im Bereich der Carl-Severing-Schulen der Brand einer Mülltonne . Zwei Täter aus der linken Szene seien ermittelt worden. Zwei weitere Strafanzeigen erfolgten wegen Beleidigung und Sachbeschädigung an einem Auto.

Rund 500 Menschen waren vor der Ankunft der Neonazis zum Bielefelder Hauptbahnhof gekommen, um mit einer Mahnwache am Denkmal für die deportierten jüdischen Menschen am Bahnhofsvorplatz ein Zeichen zu setzen. Ab etwa 17.30 Uhr sollte die Kundgebung zur Pauluskirche verlegt werden, dort versammelten sich jedoch nur wenige Menschen. Die meisten Demonstranten blieben stattdessen in Bahnhofsnähe.

Erst Anfang der Woche war bekannt geworden, dass Bielefeld zum Ausweichziel für die Rechten werden könnte. In der niedersächsischen Kleinstadt Bad Nenndorf wollten die Neonazis am Samstag den "Opfern der alliierten ,Befreier‘", wie es in einem Aufruf hieß, gedenken. Danach sollte der Tag in Bielefeld seinen Abschluss finden. Diese Idee durchkreuzten dann aber die Demonstranten am Hauptbahnhof.

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